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Fritz: Das Spiel verstehen

Lieber spät als nie. Auf der Suche nach dem Ursprung und Definitionen sowie Theorien zum Begriff „Spiel“ fand ich das Buch von Jürgen Fritz „Das Spiel verstehen. Einführung in Theorie und Bedeutung“ (2004). Mein bisheriger Eindruck, dass sich der Spielbegriff nicht leicht erklären lässt, bestätigte sich dort schon auf den ersten Seiten. „Generationen“ von Wissenschaftlern „haben sich daran abgearbeitet […] Nur die Frage, was das ‚Spiel‘ schießlich ist und wie man es begrifflich fassen kann, blieb unbeantwortet…“ (S. 5). Was habe ich mir da bloß für ein Thema ausgesucht? Ein schönes, denn vermutlich treffe ich noch auf weitere Lücken.

Fritz fragt nach Verbindungen sowie Abgrenzungen der  „Spielwelt“ von „anderen Arealen der Lebenswelt“ und bezieht auch die „Auseinandersetzung mit virtuellen Spielwelten“ (S. 6) in seine Überlegungen ein. Für begriffliche Klarheit sind die Abgrenzungen wichtig. Interessanter finde ich jedoch solche Verbindungen, wie sie z. B. Krischker im Zusammenhang mit Lernen und Arbeit beschreibt. Für sie „ist es ein glücklicher Umstand, wenn sich Arbeit und Spiel treffen, wenn Arbeit Spaß macht und spielerischen, schöpferischen Charakter trägt“ (S. 12).

Den pädagogischen Bereich des Spiels klammert Fritz in seinem Buch aus, weil er sich damit in einer weiteren Veröffentlichung beschäftigen will. Das ist also ein guter Hinweis, dort noch einmal auf die Suche zu gehen.

Wie Huizinga nähert sich Fritz dem Begriff aus der sprachlichen Richtung und sieht eine der möglichen Ursachen für die Probleme der wissenschaftlichen Untersuchung in der deutschen Sprache (S. 14f). Weiterhin vermutet er: „Vielleicht stecken die Schwierigkeiten nicht im Gegenstand selbst, sondern in den Personen, die in wissenschaftlicher Absicht damit ’spielen'“ (S. 15). Ich fühle mich damit herausgefordert!

Dieses Buch ist aber auch deshalb ein feines Fundstück, weil es eine Menge interessanter Literaturvorschläge zum Thema enthält. Der Titel von Fuhs zum Beispiel: „Spielen oder gleich ‚was Richtiges machen‘?“ springt den Leser doch sofort an, oder? Ich werde Jahre forschend verspielen und darauf freue ich mich!

Zum Begriff Spiel bei Huizinga

Johan Huizinga definiert in seinem Buch „Homo Ludens“ (erschienen 1930) den Begriff „Spiel“ als:

„… eine freiwillige Handlung oder Betätigung, die innerhalb gewisser festgesetzter Grenzen von Zeit und Raum nach freiwillig angenommenen, aber unbedingt bindenden Regeln verrichtet wird, ihr Ziel in sich selber hat und begleitet wird von einem Gefühl der Spannung und Freude und einem Bewußtsein des >Andersseins< als das >gewöhnliche Leben<“ (S. 37).

Wie könnte Huizingas Definition in Bezug auf das Thema „Hörsaalspiele“ interpretiert werden? Ich beginne den Annäherungsversuch mit einer anscheinend leichten Aussage. Die „Grenzen von Zeit und Raum“ ergeben sich durch die (Lehr-)Veranstaltung, in der die Spiele durchgeführt werden können. Sicher nimmt keiner an, ich wolle eine komplette Vorlesung verspielen. Es müssen sich also spielerische Elemente finden lassen, die spontan, aber methodisch gezielt, eingesetzt werden können.

Die „freiwillige Handlung“ ist eine Unterstellung an die Studierenden. Das bedeutet, niemand darf und kann gezwungen werden, an einem Spiel teilzunehmen. Sanktionen für Nicht-Teilnehmer verbieten sich demnach von selbst. Im Gegenteil dazu müssen spielerische Elemente so konzipiert sein, dass sie die überwiegende Mehrheit der Anwesenden (möglichst alle?), ansprechen und zur Teilnahme motivieren. Tatsächlich stelle ich mir vor, dass durch Spiele, die durchaus als Ritual, aber auch spontan als methodisches Mittel , innerhalb der Vorlesung eingesetzt werden können, ein „Gefühl der Spannung und Freude“ bei allen Beteiligten erreicht werden kann.

Die Formulierung, dass ein Spiel das „Ziel in sich selber hat“, trifft auf Lernspiele vermutlich generell zu. Andererseits denke ich nicht, dass Huizinga bei seiner Definition das Lernen durch spielen in den Vordergrund rücken wollte. Kann Lernen Selbstzweck sein? Sind Erwachsene in der Lage, einfach nur aus Spaß und Freude zu lernen? Ich bejahe die se Frage, aber lässt sich die Antwort verallgemeinern? Es gibt schließlich in jedem Studium Gebiete, für die sich nicht alle gleich viel interessieren, vor denen sich vielleicht sogar gefürchtet wird. Wären Spiele in diesem Fall eine Möglichkeit, Zugang zum Fach und Motivation für die Inhalte so zu vermitteln, dass von „Freiwilligkeit“ gesprochen werden kann?

Mit dem „Bewußtsein des >Andersseins< als das >gewöhnliche Leben<“ habe ich momentan noch Schwierigkeiten in Bezug auf Spiele im Hörsaal. Ist eine Vorlesung nicht allein durch ihre Inhalte immer anders als andere sowohl innerhalb des Faches als auch gegenüber anderen Fachgebieten und generell anders als das Leben außerhalb der Hochschule? Muß man als Vortragender wirklich immer etwas anders oder anderes machen, um Interesse bei Lernenden zu wecken? Können oder sollen Veranstaltungen, die bereits gern und zahlreichbesucht werden, durch Spiele weiteren Zuspruch gewinnen? Wäre dies im Interesse der Studierenden, wenn sich der Hörsaal bei beliebten Vorlesungen (aus welchen Gründen?) mehr als füllt? Ist es dann noch möglich, das Spiel als Methode anzuwenden? Welche Spiele eignen sich für große Gruppen?

Letztlich bleibt auch die Frage, ob Studierende spielen wollen, wenn sie zum Lernen in die Vorlesungen kommen?

Die Suche nach dem Ursprung

Was bedeutet der Begriff „Spiel“?

Spiel. „Die Herkunft des Substantives […] spil […] ist unbekannt“ (Duden, S. 788).  Zur Bedeutung wird eine „tänzerische Bewegung“ vermutet, ähnlich der eines Spielmannes im Mittelalter. Über die Anfangsbedeutung sind sich die Autoren einig und deuten Spiel als „Kurzweil, unterhaltende Beschäftigung, fröhliche Übung“ (ebd.). „Fröhlich“ ist eine Ableitung  von „froh“.

Froh. „Die Bedeutung >freudig gestimmt, heiter, vergnügt< hat sich […] über >erregt, bewegt< aus >lebhaft, schnell< entwickelt“ (Duden, S. 238). Was bedeutet „Vergnügen“?

Vergnügen. „Das Verb […] bedeutete zunächst >zufrieden stellen, befriedigen<, dann >jemandem eine Freude machen< und seit dem 18. Jh. auch <fröhlich machen, ergötzen“ (Duden, S. 890). Im Synonymwörterbuch finden sich für diesen Begriff die Beschreibungen „Spaß, […] Freude, Frohsinn…“ (Görner & Kempcke, S. 570). Weiter zur Bedeutung des Wortes „Spaß“.

Spaß. Im Duden ist vermerkt, dass der ursprünglich aus Italien stammende Begriff seit dem 16. bzw. 17. Jahrhundert in der deutschen Sprache verwendet wird. Spaß bedeutet demnach u. a. „Vergnügen“ (S. 784).

Natürlich musste die Suche über Synonyme wieder zum Anfang führen. Aber, wer hat jemals im Zusammenhang mit Vorlesungen im Hörsaal von Spiel und Spaß oder frohem Vergügen gehört bzw. gelesen? Kann ein Hörsaal tatsächlich zum „Spielraum“ werden (Duden, S. 788)?

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