20_IP17_Doz11: Audit 3 – Keine Negativwerbung

Kontext. Die Interviewperson (IP) lehrt an einer Universität (§§2;18) im Fach Kieferorthopädie (§2) und verfügt über langjährige Lehrerfahrung von 32 Semestern (§§12;14). Die Gruppengröße der Vorlesungen umfasst ca. 50 Studierende (§44). Die IP engagierte sich lange Zeit in der Lehrplankommission des Bundesministeriums (§120), da demnächst die Lehre reformiert werden soll (§152). Der derzeitige Stopp der Lehrplanerneuerung durch das Ministerium (§120) führt jedoch bei der IP zum Verlust des Engagements in der Kommission (§120). Bemerkenswert ist, dass es zwar einen Lehrplan vom Bundesministerium gibt (§28). Es wird aber nicht kontrolliert, ob der Lehrplan von den Dozierenden umgesetzt wird (§30). Trotzdem hält sich die IP pflichtbewusst an die Vorgaben, jedoch in der Gewissheit, dass die Vorlesungen nicht immer gut bei den Studierenden ankommen (§26). Die Dozierenden gestalten die Vorlesungen an der Hochschule eigenverantwortlich und die IP stellt gestiegene Ansprüche an diese Art der Lehrveranstaltung fest (§144). Die Durchführung von Spielen in der Vorlesung fällt zunächst nicht auf, wenn bereits in Seminaren Spiele eingesetzt wurden (§144). Die Hochschule lobt regelmäßig einen Lehrpreis aus, den die IP wiederholt gewonnen hat (§146). Hochschulleitung und Kollegium reagieren äußerst positiv auf Spiele in der Vorlesung (§144).

Expertenstatus. Die IP bekundet nicht nur Interesse an Spielen in der Vorlesung (§108) und besuchte im Rahmen ihrer Habilitation ein Medizindidaktikseminar (§50), in dem Rollenspiele durchgeführt wurden (§54), was bei der IP Begeisterung für diese Methode auslöste (§52). Sondern die Lehrkraft führt regelmäßig Rollenspiele in Seminaren (§§122;128) als Vorbereitung auf den Ernstfall und mit der Didaktischen Funktion Festigung durch (§124). Im Zusammenhang mit ihrer langjährigen Lehrtätigkeit von 32 Semestern (§§12;14) verfügt sie somit über viel Erfahrung mit Spielen in Seminaren (§122).

Audit Leitfaden. Die IP ist von der Methode begeistert, sieht derzeit Bedarf und empfindet den Zeitpunkt als passend für Spiele in der Vorlesung (§172). Der Leitfaden erfüllt den Bedarf an neuen Ideen für andere Gestaltungsmöglichkeiten der Vorlesung (§172) und regt u.a. mit anschaulichen Beispielen (§154) bei regelmäßig stattfinden Vorlesungen zum Einsatz von Spielen an (§160). Der Umfang der Handlungsanleitung ist für Lehrende ohne Forschung angemessen (§150), ansonsten zu umfangreich (§152).

Die IP regt an, den Leitfaden wesentlich zu kürzen (§§154; 156) und den Arbeitsaufwand zu nennen (§156). Für den Vorschlag, jeweils die Zusammenfassung, Phasen und Beispiele auf nur einer Seite zu beschreiben sowie die Vorbemerkungen, Erfahrungen, Vor- und Nachteile zu entfernen (§§154;156) habe ich noch keine Änderungsidee. Was mich außerdem nachdenklich macht, ist die Anregung, nur die Vorteile der Methode und positive Forschungsergebnisse als Motivation für die Dozierenden zu nennen (§§154;156). Bereits in einem der internen Audits wurde ich gefragt, ob ich mit einigen Hinweisen Negativwerbung machen möchte. Dem ist natürlich nicht so. Aber, findet Ihr es nicht auch ausgewogener, wenn nicht nur die Vorteile, sondern auch mögliche Nachteile von Anfang an genannt werden? Ich käme mir vera*** vor, wenn man mir bei einer neuen Methode die Nachteile verschweigen würde.

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