Int18_IP15_Doz9: Das erste Audit

Vor mehr als einem Jahr fand am 30. März 2016 das erste Audit zum Leitfaden für den Einsatz von Hörsaalspielen statt. Das 18. Experteninterview wurde ebenfalls mit der Grounded Theory ausgewertet.

Kontext: Die Interviewperson (IP) hält seit 40 Semestern an zwei verschiedenen Hochschulen Vorlesungen im Fach Geschichte der Philosophie und weiß, dass sie „kein sonderlich faszinierender Vortragender“ ist (§18). Ihrem monotonen Vortragsstil (§42) versucht sie mit Maßnahmen zur Steigerung der Aufmerksamkeit zu begegnen: Pause einlegen, Thema wechseln, Fragen stellen, Raum lüften, Aktualisierungen vornehmen, 5-10 min Diskussion zwischen den Studierenden (§48). Während mir beim Stichwort Diskussion sofort Rollenspiele einfallen, reagiert die IP ein wenig verhalten auf diese Möglichkeit. Es liegt zwar eine grundsätzliche Bereitschaft zur Durchführung von Spielen in der Vorlesung vor (§110). Die IP nennt jedoch folgende Gründe, die sie am Einsatz von Hörsaalspielen hindern:

  1. fehlende Zeit („Der Hauptnachteil ist, dass die Zeit sehr begrenzt ist, §94a),
  2. Erwartung negativer Gefühle („Dafür werde ich nicht bezahlt. […] ich werde das Gefühl haben, ich habe das gar nicht verdient“, §94c)
  3. Wertschätzung der Studierenden („ich will ja niemanden vorführen“, §98).

Meine Hoffnung, diese IP als Testperson für ein Spiel aus dem Leitfaden zu gewinnen, löst sich also bereits während des Gespräches in Luft auf. Da bleibt mir nur noch die Möglichkeit, möglichst viele Kritikpunkte zum Leitfaden zu erfahren, die ich in der folgenden analytischen Geschichte zusammenfasse: Im Leitfaden stehen Spiele zu abfragbarem Wissen im Vordergrund (§104). Die IP entwickelt daraus Bedenken gegen den Einsatz von Hörsaalspielen (§§108; 112). Zudem stellt die IP einen Informationsbedarf zum Thema Spiele in der Vorlesung fest (§112). In der Konsequenz hält die IP die Spiele nicht gleichgut für alle Fächer und für das Fach Philosophie gar nicht geeignet, was zu der Anregung führt, Beispielspiele mit Zeit zum Nachdenken in den Leitfaden aufzunehmen (§104).

Fazit: Ein weiteres Beispiel für das Fach Philosophie kann dem Leitfaden nicht schaden. Für das folgende Audit muss ich jedoch den Expertenbegriff von Leo Roth (1977) erweitern. Roth definiert „Lehrer und Studenten bzw. Dozenten der Erziehungswissenschaft“ als Experten in seiner Forschungsarbeit, in der er die Effektivität von Unterrichtsmethoden untersucht (S. 238/5). Langjährige Lehrerfahrung allein reicht nun bei den Lehrenden nicht mehr aus, um als Experte für meine Zwecke zu gelten. Didaktische Kenntnisse, die Anwendung verschiedener Methoden in der Vorlesung und als Sahnehäubchen einen Hauch von Spielerfahrung – so stelle ich mir die zukünftigen Expertinnen und Experten vor.

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1 comment so far

  1. […] dem ersten Audit (hier) musste ich den Expertenbegriff von Leo Roth (1977) genauer definieren, weil mir „Dozenten“ […]


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