FB_4: Studierende sind dankbar und fühlen sich nicht zu alt für Hörsaalspiele

Nachdem ich schon mehrmals auf die Ergebnisse aus dem Fragebogen 4 verwiesen, jedoch noch keinen Beitrag dazu geschrieben und also nicht verlinkt habe, will ich den Bericht nun endlich nachholen.

Zu Beginn des Wintersemesters 2014/15 fand die vierte schriftliche Befragung zum Thema Hörsaalspiele in zwei Vorlesungen statt, an der sich insgesamt 257, überwiegend weibliche Lehramtsstudierende im ersten und dritten Semester, beteiligten. Der auffallende Unterschied zwischen beiden Lehrveranstaltungen lag im gewählten Fach. Während an der VL_12 überwiegend Studierende ohne das Fach Mathematik teilnahmen, befanden sich in der VL_15 ausschließlich Studierende mit dem Schwerpunktfach Mathematik.

Circa 40 Prozent der insgesamt Befragten spielen privat bis zu einer Stunde in der Woche Gesellschaftsspiele. Bei der Ausübung von Sportspielen macht sich der Unterschied von „Nicht-Mathematikern“ (VL_12) und „Mathematikern“ (VL_15) besonders bemerkbar. Nahezu die Hälfte der Studierenden ohne das Fach Mathematik verzichtet demnach eher auf Sportspiele, während von den Studierenden mit Mathematik als Haupt- oder Nebenfach nur ein knappes Drittel Sportspielen entsagt. Etwa 40% der insgesamt Befragten gaben an, keine Zeit in digitale Spiele zu investieren.

Etwa drei Viertel der Studierenden spielen in ihrer Freizeit (eher) gern und bevorzugen dabei Gesellschaftsspiele. Nach einer Einteilung von Bartle gehören sie zu den sogenannten Socialisern, denn mehr als drei Viertel der befragten Studierenden spielt vor allem, um mit anderen Menschen in Kontakt zu sein. Hier könnte es einen Zusammenhang zwischen Berufswunsch und Spiel zu geben.

Das Gros der Studierenden bemerkte bereits zu Beginn des Spiels, dass in der Vorlesung ein Hörsaalspiel durchgeführt wurde und meint, durch das Verhalten der Lehrkraft oder gar deren Ansage auf das Spiel aufmerksam geworden zu sein. Das ist insofern interessant, als dass das Spiel gar nicht angekündigt wurde. Die Tätigkeiten in der Vorbereitungsphase („Aufgliederung des Hörsaals“; „Doz teilt die Gruppe“; Doz kündigt Punktvergabe an“; „es war nicht mehr frontal“) rufen vermutlich bei den Studierenden eine Erwartungshaltung hervor, dass nun etwas anderes als sonst in der Vorlesung passiert.

Zwei Fragen sollten Auskunft darüber geben, was den Studierenden am Hörsaalspiel gefallen bzw. nicht gefallen hat. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen: Des einen Freud‘ ist des anderen Leid. Mehrere Punkte wurden von den Studierenden nämlich sowohl positiv als auch negativ bewertet. Dazu zählen zB Wettbewerb, Gruppengröße, Tempo, Bewegung, Lerntätigkeit und der (erkannte bzw. nicht wahrgenommene) thematische Bezug von Spiel und Vorlesung. Die Studierenden vermerkten weiterhin die Möglichkeit der Aktivierung aller und die freiwillige Teilnahme zwar positiv. Sie stellten aber auch fest, dass sich nicht alle ihrer Mitstudierenden am Spiel beteiligten. „Spaß“, „Freude“ und „Motivation“ stehen in den Ergebnissen „verlieren“, „versagen“ und „Demotivation“ gegenüber und „Selbsttest“ beißt sich mit „nichts Lehrreiches“.

Die Mehrheit der befragten Studierenden ist jedoch dankbar für die Auflockerung, fühlt sich (eher) nicht zu alt für Hörsaalspiele (s. Abb.) und hat sich während des Spiels wohlgefühlt. Für die Methode Hörsaalspiel spricht außerdem, dass die Mehrzahl der Studierenden wieder Spiele in dieser Vorlesung und auch in Vorlesungen anderer Fächer Hörsaalspiele spielen will.

Diagramm_14_4_FB_4

Abb.: FB_4_14_4 „Ich fühle mich zu alt für Spiele im Hörsaal“

Interessant sind die Antworten auf die Frage, was Studierende denken, wenn sie bemerken, dass sie in der Vorlesung spielen. Die Ergebnisse schwanken nämlich zwischen abwartender Haltung und Herausforderung. Motivation, Spannung, Neugier, Freude sowie Spaß stehen Entmutigung, Unlust und Resignation gegenüber.

Letztlich wurden die Studierenden gebeten, Fragen und Anmerkungen zum Thema Hörsaalspiele zu formulieren. Neben positiven Kurzreaktionen („Toll!“, „Cool!“, „Mehr davon!“; „Weiter so!“) gab es nützliche Anregungen („Die Aufgaben könnten zum Nachrechnen online gestellt werden.“; „selber erstellen“) und kritische Gedanken sowohl zum Spiel als Methode („An sich ist gegen das Konzept und den Hintergrund der Spiele nichts einzuwenden, aber ich finde, dass man die Zeit sinnvoller nutzen kann.“) als auch zur Befragung selbst („blöde Fragen“). Logisch, dass diesen Aussagen im folgenden Fragebogen 5 (hier) unbedingt nachgegangen werden musste. 🙂

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1 comment so far

  1. Oliver Tacke on

    Danke für deine fortwährenden Beiträge zu dem Thema!


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