Sauer: Geschichte unterrichten

Guten Freunden gibt man ein … Buch. In diesem Sommer beschenkte mich Gabriele Magull mit der Lektüre „Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik“ von Michael Sauer (2001). Ich war mal wieder auf der Suche nach dem Ursprung. Diesmal ging es mir um die Didaktischen Funktionen der vier Phasen von Unterrichtsgestaltung: 1) Einführung, 2) Arbeit am neuen Stoff, 3) Festigung sowie 4) Kontrolle und Bewertung. Während ich so quer vor mich hin las, sprang mich der Abschnitt 4.3.9 (S. 125 – 133) an. Spiele werden dort unter Prinzipien und Methoden des Lehrens und Lernens verortet! Monika Maria Möhring hatte also recht mit ihrem Hinweis, mich mal in eine andere Disziplin zu wagen, denn allein die Literaturliste ist der Hammer schlechthin!
Der Autor hält sich nur knapp mit einer Definition von Spiel auf, die ein wenig an Huizinga erinnert: „Ein regelgeleitetes Agieren mit vorgegebenen Materialien bzw. innerhalb eines vorgegebenen situativen Rahmens“ (S. 125). Im weiteren Text stellt auch Sauer fest, dass die unterschiedlichen Definitionen insbesondere von Rollen- und Planspielen nicht zielführend sind und inhaltliche Beschreibungen hier eher weiterhelfen (S. 128).
Interessant finde ich die Kategorien des Autors für Spiele und deren Bewertung in verschiedenen Kontexten. Lernspiele („Zuordnungsspiele“ wie Quiz, Rätsel u. a.) gehören demnach zur Phase der Festigung, in der geübt und Wissen beispielsweise wiederholt wird (S. 125). Sauer schreibt, dass Quizspiele bei Schülern eher unbeliebt sind, weil sie „zu simpel, zu reproduktiv, zu sehr auf Einzelheiten statt Zusammenhänge ausgerichtet“ sind (ebd.). Im privaten Bereich jedoch können sich Kinder und Erwachsene an Quizspielen sehr erfreuen: „Offenbar macht es Kindern wie Erwachsenen Spaß, erworbenes Wissen in einer – verschiedenartig organisierten – Wettbewerbs- und Spannungssituation zu präsentieren“ (ebd.). Damit nimmt Sauer den Kritikern von Spielen mit Wettbewerbscharakter ein wenig Wind aus den Segeln und die Sache mit dem Alter ist spätestens mit den Ergebnissen aus dem Fragebogen 4 geklärt.
Der Autor meint, dass „die Ausarbeitung von solchen Spielen mit einem gewissen Aufwand verbunden“ ist (ebd.). Einerseits stimmt das insofern, als dass Unterrichtsvorbereitungen generell für Anfänger zeitliche Investitionen erfordern. Andererseits ist es eben doch nur eine Methode, deren Planung und Einsatz meiner Erfahrung nach durch Übung und Anwendung schnell zu routinierten Abläufen führen kann. Zudem sind einmal erstellte Materialien oft mehrmals einsetzbar. Die Routine in der Vorbereitung wiederum ermöglicht Variationen in der Durchführung, sozusagen eine spielerische Art, mit Spielen umzugehen. Sauer nennt folgende Möglichkeit: „ … die Spiele müssen keineswegs immer von der Lehrkraft ausgegearbeitet werden. Im Gegenteil ist es sehr reizvoll, wenn dies einzelne Schülergruppen übernehmen – ggf. parallel zu verschiedenen Teilthemen“ (ebd.). Die vorläufige Auswertung der Daten legt nahe, dass es nicht nur reizvoll, sondern vor allem sinnvoll ist, die Spieler an der Vorbereitung des Spiels zu beteiligen. Sauer schreibt weiter: „ … der Lerneffekt beim Konzipieren eines Spiels, bei der Auswahl der Inhalte und dem Formulieren der Fragen ist oft größer als beim Spielen selber“ (S. 126). Das vermute ich ebenfalls, aber ist das logisch oder wurde der Effekt gemessen (und wenn ja, wie)?
In konkreten Beispielen (Wissensquiz, S. 126; Rätsel, S. 127; Zuordnungsspiele, S. 127; Rollenspiele, S. 128ff.) gibt Sauer praktische Hinweise zur Vorbereitung und Durchführung verschiedener Spiele. Diese anschaulichen Erklärungen lassen auf sehr viel Erfahrung des Autors mit Spielen im Unterricht schließen. Für einen kurzen Überblick und Vergleich mit meinen Daten sowie eventuelle Ergänzungen habe ich die Tipps hier zusammengefasst und auch noch ein paar Ideen aus dem Text aufgenommen:

Lernspiele/ Quizspiele, S. 126

  • umfangreiche Themengebiete evtl. in kleinere Abschnitte gliedern
  • Fragen zum Thema formulieren (Dozierende oder Studierende/schriftlich oder mündlich)
  • Antworten formulieren (individuell von Studierenden oder vorgegeben von Dozierenden, zB als MC-Verfahren)
  • Auswertung: pro richtige Antwort einen Punkt oder gewichtet nach Schwierigkeitsgrad
  • Wettbewerb: schnellste Antwort oder Zeitvorgabe für mehrere Aufgaben
  • Durchführung in Gruppen (Absprachen möglich/nötig) oder einzeln (Wertung der Antworten für die jeweilige Gruppe)
  • Idee: Quizkette („Wer eine Frage richtig beantwortet hat, darf die nächste stellen“ (S. 126).

Rätselspiele, S. 127

  • Idee: Kreuzworträtsel „muss nicht so perfekt sein wie das in der Zeitung […] ruhig Leerräume lassen“ (S. 127)
  • Idee: Silbenrätsel als einfache Variante eines Kreuzworträtsels
  • Idee: Kreuzzahlrätsel, „bei dem […] nach Jahreszahlen gefragt wird“ (S. 127)
  • Diese Rätsel sind ohne Wettbewerbssituation und einzeln zu lösen zur selbständigen Überprüfung.
  • Idee: Personenraten, vgl. Wow
  • Idee: Zuordnungsspiele (Memory, Quartett mit Bildern, Texten, Jahreszahlen oder Zitaten)
  • Idee: Puzzle „als exploratives oder Enteckungsspiel“ (S. 127); Anmerkung: In großen Gruppen evtl. mit Unterstützung digitaler Medien.

Anmerkung: Jeweils mindestens ein eigenes Beispiel vorbereiten und vor der Durchführung spielen.

Szenische Darstellungen in Rollen-, Plan- und Simulationsspielen, S. 128ff.

  • Situationen wählen, „in denen es um Konflikte, um Entscheidungen, um einander widerstreitende Interessen geht, die es im Spiel zu verhandeln gilt“ (S. 128).
  • unterschiedliche Ergebnisse akzeptieren und reflektieren
  • mit (einigen oder kompletten) Requisiten arbeiten
  • Möglichkeit, viele Personen einzubeziehen
  • vorbereitet (Drehbuch, Hörspiel) oder als Stegreifspiel
  • ohne Erfahrung „wird ein Rollenspiel auf Anhieb kaum gelingen. Gewöhnung ist notwendig“ (S. 129).

Tja, so hätte mir Geschichtsunterricht in der Schule sicher auch Spaß gemacht!

Es sieht so aus, als hätte ich mit Spielen als Methode im Unterricht endlich einen roten Faden gefunden! Jetzt muss die Methode nur noch auf Vorlesungen übertragen werden, um aus den Ergebnissen der Befragungen und Interviews eine Anleitung für Einsteiger zu formulieren.

Und was ist jetzt mit den eingangs erwähnten Funktionen des Unterrichts? Bisher habe ich dazu einen Link von Dagmar Wilde gefunden, der meinen Vorstellungen und Erfahrungen relativ nahe kommt. Das Beispiel für eine Struktur könnte bei der nächsten Runde der Auswertung helfen. Blöd finde ich allerdings, dass da schon wieder jeder sein eigenes Süppchen zu kochen scheint.

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