16_IP_13_Doz_8: Sie waren Feuer und Flamme

Oma sagt: „Wer viel fragt, geht lange irr’“ – und ich habe viele Fragen!
Die Interviewperson (IP) spielt privat keinerlei Spiele (§§48; 54; 56), nutzt aber „kreativ“ und „sehr extensiv“ (§60) sogenannte soziale Medien für Wort- und Gedankenspiele (§58) im Sinne von Gehirnjogging, „das ich brauche, um mich fit zu halten für dieses Intro in meinen Vorlesungen“ (§60). Ja, hier kommt ein Hammer nach dem anderen. Die Lehrkraft hält seit 15 Semestern lebhaft gestaltete (§26), interaktive Vorlesungen (§26) mit varriierenden Gruppengrößen (4 – 150 Studierende; §6) u. a. im Fach Management an einer Technischen Hochschule. Dort sind Spiele nicht im Curriculum vorgesehen und die Lehrperson erwartet, dass die Hochschulleitung getreu dem Motto „Je trockener, desto besser“ (§76) Spiele in der Vorlesung belächeln und als Zeitverschwendung ansehen würde (§76). Zudem erwartet die Lehrkraft beim Einsatz von Hörsaalspielen, dass „sich 90 Prozent der Studierenden darum drücken, weil sie den Sinn dieses Zeitvertreibs nicht einsehen würden“ (§66). Für Spiele in der Vorlesung sieht sie deshalb nur dann eine Chance, wenn für die Studierenden dafür ein „Anreiz“ bestünde: „Man müsste das Ganze mit einer Note versehen“ oder „die Inhalte des Spiels klausurrelevant gestalten“ und „Präsenzpflicht einführen“ (§66). Außerdem „muss schon ein sehr greifbarer Nutzen da sein für die Studierenden“ (§66). Die IP kennt keine geeigneten Hörsaalspiele (§§76; 90), sieht darin keinen Nutzen gegenüber anderen Methoden (§82), hat für Spiele in der Vorlesung keine Zeit (§86) und erwartet „sehr viel mehr Vorbereitungszeit“ (§88).

Interessanterweise entwickelt die IP aber eigene Spiele für eine ihrer Vorlesungen im Sinne von Plan- bzw. Rollenspielen und nennt sie „Übungen“, die bewertet werden (§82). Bei dem Begriff Übung fällt natürlich dem gewieften Spieler sofort eine Bedeutung ein, die dieses Wort haben kann (hier). Dabei gibt die Lehrkraft lediglich einen Impuls von wenigen Kriterien vor und lässt die Studierenden zusätzlich eigene Spielregeln festlegen (§100). Die Lehrperson stellt „einen großen Nutzen“ dieser Spiele fest (§82), schränkt jedoch die Anwendungsmöglichkeiten etwas ein: „Das geht allerdings nur in ganz speziellen Fächern, wo es eben wirklich auch auf das Doing ankommt. Auf diese Erfahrung, die man nicht lehren kann“ (§92). Zudem nimmt die Lehrkraft wahr, dass die Studierenden die Spiele „sehr ernst“ nehmen und „sie sich in ihre Rolle durchaus rein steigern“ (§82):

„Das hat sich dann so verselbständigt, auch in den Spielgruppen jeweils. […] Eine Gruppe hat eine App entwickelt, wo man den Stundenplan und Mensaplan der [Hochschule] jeweils abrufen kann. Das ist jetzt weit über den ursprünglichen Go out hinaus gegangen. Sie waren zum Schluss richtig Feuer und Flamme. Sie haben dann auch wieder über den Score der Note usw. auch noch ein zusätzliches Go für sich entdeckt. Nämlich, dass sie sich selbst zu Experten im App entwickeln gemacht haben“ (§100).

Konstruktion einer analytischen Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen der Lehrkraft. Die Lehrperson stellt einen Mangel an geeigneten Hörsaalspielen fest und verfügt über negative Erwartungen gegenüber Spielen in der Vorlesung. Sie entwickelt Rollenspiele für ihre Lehrveranstaltungen, die sie als Übungen bezeichnet und einsetzt. Das führt bei der Lehrperson zu positiven Wahrnehmugen sowohl hinsichtlich des Nutzens des Spiels als auch des Verhaltens der Studierenden während des Spiels.

Konstruktion einer Grounded Theory. Wenn Lehrende über negative Erwartungen gegenüber Hörsaalspielen verfügen, dann führt die Entwicklung und der Einsatz eigener Spiele in der Vorlesung unter der Bezeichnung Übung zu positiven Erfahrungen in Bezug auf den Nutzen des Spiels und das Verhalten der Studierenden.

Kritik. Die entwickelten Übungen weisen zwar alle Merkmale von Spiel auf, sind jedoch keine Hörsaalspiele im engeren Sinn. Das Interview enthält aber Hinweise auf die Erwartungen der Dozierenden sowie den praktischen Umgang mit Spielen im Hochschulalltag und soll deshalb in die evtl. Theoriebildung einbezogen werden.

So, bevor mir die Tastatur schmilzt, gibt es jetzt noch eine Abbildung als  Kurzfassung:

Abb.: Integratives Diagramm „Erfahrungen der Dozierenden“

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