14_IP_11_Doz_6: Wir brauchen ein Repertoire an Hörsaalspielen als methodische Option

Dieses Interview ist wie ein Wimmelbild voll mit sehr vielen Informationen und über dem Bild liegt eine auffällig hohe Wertschätzung der Studierenden, die sich wie ein roter Faden durch das einstündige Interview zieht. Die Wertschätzung der Studierenden war in einem anderen Gespräch (hier) einer der Gründe, warum Spiele in der Vorlesung nicht eingesetzt werden. Was passiert aber diesmal?

Kontext. Die Interviewperson (IP) hält seit zwanzig Semestern interaktive Vorlesungen mit variierenden Gruppengrößen u. a. im Fach Mathematik für Studierende vom ersten bis achten Semester. Sie spielt privat häufig Gesellschaftsspiele von mittlerer Spieldauer (2 – 3 Mal pro Woche etwa je drei Stunden), aber keine Sport- oder digitalen Spiele. Punkte, Ranglisten und Interaktion in Spielen haben für die IP eine sehr hohe Bedeutung. Die IP interessiert sich für die Funktionsweise von Spielen, zeigt aber nur ein bedingtes Interesse an Wettbewerbssituationen.

Die IP lehrt an einer Hochschule, an der „auch versucht wird, gewisse […] neuere didaktische Ideen, pädagogische Ansätze zu vermittlen und auch ein Umdenken in Richtung Lehren und Lernen in der Schule zu bewirken“ (§18). Die Lehrperson ermöglicht deshalb den Studierenden von Anfang an, Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen und Erfahrungen mit neuen Methoden zu sammeln (§18), indem sie die Vorlesungen in einer besonderen Art und Weise interaktiv gestaltet. Sie setzt zudem distanzverringernde Methoden ein, um im direkten Dialog mit Studierenden deren Fragen und Probleme zu erkennen und in der Vorlesung damit zu arbeiten (§30).

Die IP nutzt Spiele als Ergänzung ihres Methodenrepertoires z. B. zur Auflockerung, Übung, Veranschaulichung von Inhalten der Vorlesung und Motivation der Studierenden (§§68 – 74). Sie hat verschiedene Hörsaalspiele durchgeführt und „würde viel häufiger gerne Spiele einsetzen“ (§114). Trotzdem verzichtet sie „ganz oft“ auf den Einsatz von Spielen (§114): „Das Problem ist oft nur, dass […] mir das Matching fehlt zwischen den Dingen. Zwischen meinen Lernzielen und den ganzen Spielideen und dann das passende Spiel auszusuchen, das genau zu den Lernzielen passt“ (§116). Im kollegialen Austausch erfährt die IP von Spielen, in denen neue Spielideen mit fachdidaktischen Aspekten verknüpft werden (§116). Die IP wünscht sich also nicht nur den häufigeren Einsatz von Spielen in der Vorlesung (§114), sondern vor allem neue Spiele, die zu speziellen Lernzielen passen (§116).

Konstruktion einer analytischen Geschichte. Im Mittelpunkt stehen die Kompetenzen und Erwartungen der Dozierenden. Die IP verfügt über eine Sammlung von Hörsaalspielen als Ergänzung ihres Methodenrepertoires und bemerkt einen Mangel an neuen Spielen bezüglich spezifischer Lernziele. Der Einsatz von Spielen in der Vorlesung und der kollegiale Austausch über Spiele mit fachdidaktischen Aspekten führen bei der IP zu dem Wunsch, Spiele in der Vorlesung häufiger einzusetzen sowie weitere Spiele hinsichtlich konkreter Lernziele kennenzulernen.

Konstruktion einer Grounded Theory. Wenn Dozierende über ein Repertoire von Hörsaalspielen verfügen und einen Mangel an neuen Spielen mit spezifischen Lerninhalte feststellen, dann führt der Einsatz von Spielen in der Vorlesung und der kollegiale Austausch über den Einsatz von Spielen unter fachdidaktischen Aspekten zu dem Wunsch, Spiele in der Vorlesung häufiger einzusetzen sowie das eigene Repertoire an Hörsaalspielen unter dem Gesichtspunkt konkreter Lernziele zu erweitern.

Die folgende Abbildung fasst die Geschichte kurz zusammen:

Erwartungen_4

Abb.: Logisches Diagramm „Kompetenzen und Erwartungen der Dozierenden“

PS: Auflockerung der Vorlesung und Motivation der Studierenden durch Hörsaalspiele laufen langsam auf eine theoretische Sättigung zu. 🙂

Advertisements

1 comment so far

  1. Ruth on

    Super!!!
    ‚Mehr‘ fällt mir dazu nicht ein 🙂

    Es scheint als hättest du den Knoten der GT gelöst! Jedenfalls für diese Phase der Arbeit 🙂


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: