10_IP_7_Stud_3_nach_1: Ein guter Anfang für die Vorlesung

Das ganze Drama findet seinen Ausdruck in einem einzigen Satz: „Es wird ja alles inhaltlich vermittelt in den Vorlesungen“. Noch mehr Passivität als in klassischen Vorlesungen würde wohl schlicht Tod bedeuten. Das will ich natürlich nicht herausfinden und befragte deshalb die Interviewperson (IP) zu einer Vorlesung, in der die Fragen der Studierenden besprochen und Themen problemlösend betrachtet werden. Klar, „da findet dieses Inhalte vermitteln nicht mehr statt“! Wozu dann aber noch Hörsaalspiele in solch‘ einer Lehrveranstaltung einsetzen, wenn die Dozierenden dort eh schon studierendenzentriert arbeiten? Und warum, verdammte Hacke, muss die Vorlesung am Anfang (!) aufgelockert werden? Da ist doch noch gar nichts passiert?
Der Hase liegt im unterschiedlichen Verständnis von Auflockerung! Dieser Begriff bedeutet für mich zB nach langem Sitzen am PC ‚mal aufzustehen oder im Unterricht nach einer schwierigen Fingerübung die Hände „auszuschütteln“. Für die IP jedoch bedeutet Auflockerung durch ein Spiel am Anfang der Vorlesung,

„dass nicht gleich der Stoff behandelt wird und man muss seine Unterlagen rausholen und gleich geht es mit etwas Schwerem los. Sondern es ist erst mal etwas Leichteres und die Stimmung ist vielleicht auch ein bisschen so: Oh, jetzt haben wir gewonnen. Oder: Jetzt haben die gewonnen. Eine andere Stimmung, eine lockerere Stimmung“ (§42).

Aufmerksamkeit macht sich nach Ansicht der IP übrigens durch Ruhe und Mitarbeit bemerkbar. Na also, geht doch. Nachfragen lohnt sich. 🙂
Apropos Mitarbeit: Die IP beschreibt die Situation vor dem Hörsaalspiel als „relativ laut“. Während des Spiels waren die Studierenden jedoch „alle ziemlich aufmerksam“. Interessant finde ich, dass die IP unterschiedliche Grade der Mitarbeit benennt: „Es haben vielleicht nicht alle mitgespielt und sich gemeldet, aber trotzdem waren alle aufmerksam, haben zugehört, haben vermutlich probiert, es auch auszurechnen“.
Wie im vorigen Gespräch sind auch dieser IP keine Veränderungen im Verhalten der Lehrperson aufgefallen (Kompetenzen zB Methodenvielfalt; natürliche Autorität; Wertschätzung der Studierenden; studierendenzentriertes Handeln). Damit haben wir mit der Unruhe vor dem Spiel schon zwei Gemeinsamkeiten (s. Abb).

Atmosphäre und Verhalten

Abb.: Integratives Diagramm  „Atmosphäre und Verhalten“, IP_7

Erstaunlicherweise kann sich die IP nicht mehr daran erinnern, ob ihre Gruppe das Spiel gewonnen oder verloren hat. Ich könnte also annehmen, dass Verlieren im Spiel nicht so schlimm ist. Von wegen! Während der Wettbewerbscharakter von Spielen die IP allgemein motiviert, erwartet sie eine demotivierende Wirkung, falls sie die Aufgaben nie lösen könnte. Das äußert sich in fehlender Motivation zur Mitarbeit: „Dann hätte ich keine Lust mehr, mich weiter zu beteiligen und würde dann nichts mehr sagen“. Ruhe im Hörsaal kann also einerseits auf Aufmerksamkeit und andererseits auf fehlende Motivation zurückgeführt werden, während die Ursache für Unruhe in der Freude der Studierenden liegen kann (hier).

Beteiligung ist auch noch ein schönes Stichwort: In der Vorlesung wurde ein Spiel durchgeführt, bei dem „es jetzt nicht so wichtig [war], dass jeder auf jeden Fall etwas sagt“. Logisch, dass die IP als wünschenswertes Merkmal von Spielen im Hörsaal Freiwilligkeit nennt:

„Vielleicht gerade dieses, dass man nicht auf jeden Fall etwas sagen MUSS. Dass man einfach auch dem Spiel folgen kann und wenn man etwas ausrechnet, KANN man sagen, aber muss nicht“ (§34).

Das Spiel Eckenrechnen nennt die IP als ein negatives Beispiel und zwar für Zwang zum Mitspielen. In diesem Sinne könnte ich jetzt auch noch etwas sagen, muss ich aber nicht. 🙂

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