BP_7_VL_8: Eine krasse Theorie

In dieser Vorlesung wurden zweimal Ermüdungserscheinungen bei den Studierenden während der ansonsten konzentrierten Arbeitsatmosphäre beobachtet. Zuerst nach 30 Minuten herzhaftes Gähnen sowie 45 Minuten nach Beginn der Lehrveranstaltung mehrfach verstecktes Gähnen. Die Vorlesung wurde in beiden Fällen fortgesetzt. Das führte zu Ablenkungen im Verhalten der Studierenden, wie z. B. Fingernägel begutachten, Haare richten, Raum verlassen und wieder betreten, Handy nutzen, essen und trinken.

Die Vorbereitung des Hörsaalspiels wurde mit freudigem Gemurmel und Lachen von den Studierenden quittiert, beinhaltete allerdings auch zwei Störungen (Betreten und Verlassen des Raumes).
Die Spielphase zur Wiederholung von Begriffen am Ende des Semesters hingegen verlief nicht nur störungsfrei, sondern war außerdem durch intensive Beteiligung der Studierenden gekennzeichnet. Das äußerte sich vor allem im selbständigen Wechsel der Hauptakteure vor der gesamten Gruppe sowie motivierenden Zwischenrufen, z. B. „Ruhe“, „Stop!“ und „Schneller!“.
Die Phasen der Vorbereitung und Durchführung des Spiels fanden in einem zeitlich ähnlichen Rahmen statt (12 bzw. 11 Minuten [einschließlich Nachbereitung]). Insgesamt dauerte das Spiel 23 Minuten und wurde gegen Ende der Vorlesung eingesetzt.

Konstruktion einer analytischen Geschichte. Im Zentrum steht der Zusammenhang zwischen Konzentration und Verhalten der Studierenden. Die Konzentration der Studierenden verringert sich in der zeitlichen Mitte der Vorlesung sichtbar. Die inhaltliche Fortsetzung der Lehrveranstaltung führt dazu, dass sich die Studierenden mit fachfremden Tätigkeiten beschäftigen. Die Lehrperson motiviert die Studierenden zum Ende der Vorlesung mit der Ankündigung eines Hörsaalspiels. Während der Vorbereitung verhalten sich die Studierenden überwiegend erfreut und motiviert. Das führt zu einer störungsfreien Durchführung des Spiels mit aktiver Beteiligung der Studierenden (s. Abb).

KonzentrationVerhalten

Abb.: Logisches Diagramm zur Axialen Codierung

Konstruktion einer Grounded Theory. Wenn sich die Konzentration der Studierenden sichtbar verringert, dann führt eine Fortsetzung der Vorlesung zu unerwünschtem Verhalten, aber die Durchführung eines Spiels zu erwünschtem Verhalten der Studierenden. Krass!

Kritik: 1. An dieser Lehrveranstaltung nahmen nur 19 Studierende teil. 2. Die Vorlesung fand in einem Seminarraum statt. 3. Als Ursache für Müdigkeitserscheinungen kann auch der Beginn der Lehrveranstaltung am frühen Morgen angenommen werden.

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3 comments so far

  1. Ruth on

    Liebe Luci, wieso findest du die Beobachtung (Konstruktion deiner Grounded Theory) so krass? Ich finde das eigentlich ganz logisch… Ich frage mich dabei, wie sehr waren die Studierenden in die Vorlesung eingebunden und wie sehr sind sie in das Spiel eingebunden? Ich vermute mal, dass Vorlesung eher passive Teilnahme bedeutet, während Spiel aktive Teilnahme bedeutet.
    Ich beobachte selbiges Verhalten in Meetings 😉
    Einer studentischen MA habe ich schon mal empfohlen etwas zu Trinken mitzubringen, damit sie nicht (fast) einschläft!!!
    LG Grüße, Ruth

  2. Kristina Lucius on

    Die Theorie klingt für mich einfach unglaublich. Ja, sie ist aus den Daten abgeleitet und „technisch logisch“. Man könnte aber auch fragen, ob nicht jeder andere Methodenwechsel die gleiche Wirkung hätte. Das würde die Theorie relativieren und nicht mehr so krass erscheinen lassen, finde ich.

  3. […] beteiligt sind (BP_6_VL_6), 2. emotionale Rufe zur Motivation der Mitspieler eingesetzt werden (BP_7_VL_8), 3. die Studierenden selbständig an der Organisation des Spiels und Einhaltung der Spielregeln […]


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