03_IP_1_Doz_1_nach_2: Sie waren mit Begeisterung dabei

Die Analyse dieses Interviews ergab erstmals mehrere Ergebnisse. Deshalb erfolgt hier keine ausführliche Beschreibung des gesamten Gespräches, sondern nur die Darstellung einiger Beispiele.
Eine Besonderheit liegt u. a. im Kontext der Vorlesung (Abb. 1). Diese Lehrveranstaltung wird von Studierenden besucht, die das Fach gar nicht studieren wollten. Sie benötigen es jedoch für ihr späteres Berufsleben. Die Hochschule bietet den Studierenden deshalb eine Vorlesung mit ausgewählten Inhalten an, in der einige Grundlagen des Faches vermittelt werden. Die besondere „Klientel“ wird von der Interviewperson (IP) als „erheblicher Unterschied“ zu anderen Vorlesungen und „Erschwernis“ betrachtet. Die Lehrveranstaltung ist als Pflichtveranstaltung ausgeschrieben, eine Kontrolle der Anwesenheit erfolgt jedoch nicht. Außerdem werden die Inhalte der Vorlesung in keiner Weise überprüft und die Studierenden benötigen die Lehrveranstaltung auch nicht für ihr Fortkommen im Studium. Das führt dazu, dass a) Studierende bereits am Anfang des Semesters nach Sanktionen fragen, falls sie die Vorlesung nicht besuchen und b) die Teilnehmerzahl zum Ende des Semesters stark rückläufig ist. Dozierende mit wissenschaftlichem Interesse an Gamification versuchen in Zusammenarbeit mit Studierenden, diesem Trend mittels einer spielerischen online-Plattform für diese Lehrveranstaltung entgegenzuwirken.

Kontext Vrlesung

Abb. 1: Kontext der Vorlesung – Axiale Codierung

Spannend finde ich die Wahrnehmungen der IP (Abb. 2). Die eigene Begeisterung für Spiele sowie der Kontext der Vorlesung sind hier die Motivation zur Durchführung von Hörsaalspielen. Die IP verfügt jedoch über sehr wenig Erfahrung mit Spielen in der Vorlesung und erlebt die Spielsituation als „Stress“ bzw. „Daueranspannung“. Gemeinsame Reflexion über die Durchführung eines Hörsaalspieles führt in diesem Fall zu Verbesserungen im Spielverlauf (z. B. Reaktionen auf Missachtung der Spielregeln) und positiven Wahrnehmungen („Sie waren mit Begeisterung dabei“). Die IP nimmt Spiele in der Vorlesung als „deutlichen Einschnitt“ wahr und bekundet wiederholt großes Interesse am Feedback der Studierenden sowie möglichen Effekten von Hörsaalspielen. Obwohl die Durchführung des Hörsaalspiels von der IP als „Daueranspannung“ wahrgenommen werden, zeigt sie Interesse daran, „mal ein anderes Spiel auszuprobieren“.

WahrnehmungenDoz

Abb. 2: Wahrnehmungen der Dozierenden – Axiale Codierung

Durch die Analyse wurde nochmals deutlich, über welche (weiteren) Kompetenzen die IP verfügt (Abb. 3). Die Wertschätzung der Studierenden drückt sich beispielsweise in der Gestaltung der Vorlesung aus. Aufgrund ihrer positiven Einstellung zur Inhaltsvermittlung (es „kommt ja nur darauf an, dass man die richtigen Methoden wählt“) plant die IP Zeit für studentische Rückmeldungen in der Lehrveranstaltung ein und bewertet dieses Vorgehen als „geschenkte Zeit“.

KompetenzenDoz

Abb. 3: Kompetenzen der Dozierenden – Axiale Codierung

Versuch einer analytischen Geschichte: Im Mittelpunkt stehen die Wahrnehmungen der Dozierenden. Die IP verfügt über ein großes Interesse an Spielen und sehr wenig Erfahrung mit Hörsaalspielen. Die Durchführung von Spielen in der Vorlesung führt bei der IP zu negativen Wahrnehmungen. Im Gespräch reflektiert die IP ihre Wahrnehmungen und entwickelt eigene Ideen zur Verbesserung bei der Durchführung des Hörsaalspiels. Die Umsetzung dieser Ideen in der Vorlesung führt zu beobachtbaren Verbesserungen, positiven Wahrnehmungen und Interesse an der Durchführung von weiteren Spielen bei der IP.

Versuch der Konstruktion einer Grounded Theory: Wenn Dozierende über sehr wenig Erfahrung mit Hörsaalspielen verfügen, dann führt der Einsatz von Spielen in der Vorlesung zu negativen Wahrnehmungen bei den Dozierenden. Wenn Dozierende ihre Wahrnehmungen reflektieren, dann werden die Entwicklung eigener Ideen zur Verbesserungen in der Durchführung von Hörsaalspielen sowie deren Einsatz in der Vorlesung positiv wahrgenommen und führen zu Interesse an weiteren Spielen.

Na gut, zumindest was die technischen Verfahren betrifft, kommt langsam Schwung in die Analyse. Mal sehen, wohin die Sache rollt.

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