#GMW14

Die gute Nachricht zuerst: Der Kopf ist noch ‚dran! Insgesamt wurde die Jahrestagung Lernräume gestalten – Bildungskontexte vielfältig denken der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft an der PH Zürich vom 1. bis 4. September 2014 unter der organisatorischen Leitung von Klaus Rummler sogar viel besser, aufregender und spannender als ich vermutete. Dabei fing alles so fürchterlich an wie immer: Ich landete in einem Raum voller fremder Menschen und machte auf dem Absatz kehrt! Wieder draußen, sah ich schon von weitem Timo van Treeck. Er hat sich wohl etwas über meine überschwängliche Begrüßung gewundert. Aber das war mir in diesem Augenblick herzlich egal – ich hatte endlich einen Menschen gefunden, den ich, Twitter und Facebook sei Dank, kannte!

Am zweiten Tag war ich überwiegend damit beschäftigt, neue Wörter und deren Bedeutung kennenzulernen: Keynote und Poster-Piching zum Beispiel. Dabei erwiesen sich neben Timo auch Angelika Thielsch und Wey-Han Tan als äußerst geduldige Tutoren für mich. Sie beantworteten jede meiner Fragen, gaben unzählige Hinweise und wiesen mich auf Besonderheiten hin. Durch sie konnte ich den verschiedenen Namen endlich auch Menschen wie z. B. Peter Baumgartner (#heureka) zuordnen. Für einen Tagungsneuling wie mich war diese Unterstützung einfach gnadenlos gut! Andere Teilnehmer wie Peter Addor, Kerstin Mayrberger und Christian F. Freisleben-Teutscher brauchte ich gar nicht erst umständlich ansprechen. Sie haben einfach so mit mir geredet und das fand ich unglaublich in meiner anfänglichen Vorstellung!

Am Mittwoch war dann der Tag der großen Aufregung – die Hauptkonferenz begann. Während Christian Spannagel locker die Technik in den Griff bekam (nicht auszudenken, wenn ich das auch noch am Hacken gehabt hätte) und professionelle Ruhe ausstrahlte, verflüchtigte ich mich in den ästhetisch anspruchsvollen Toilettenraum der PH und trat in die Konzentrationsphase ein. Wie gut die alten Mechanismen noch funktionierten merkte ich erst, als mich Chair Claudia Bremer begrüßte: Mehr als einen Handschlag brachte ich nicht zustande. Mein Denken war bereits tunnelartig auf die nächsten 30 Minuten ausgerichtet. Der Raum füllte sich mit Teilnehmern und es schien, als würde der Angstschweiß eine große Pfütze um mich bilden. Doch es kam noch schlimmer. In der Vorbereitung hatten Christian und ich die Session aufgeteilt. Einer sollte reden, der andere die Ergebnisse der Diskussion an die Tafel schreiben. Ha, tönte ich, schreiben kann ich besser als reden, also alles klar. Denkste! Die Tafel war ein Whiteboard und schon nach dem ersten krakeligen Buchstaben wäre ich am liebsten im Boden versunken und hätte gern die Rollen getauscht. Die Schrift war selbst für mich kaum zu lesen und ich schäme mich immer noch dafür. Schülern hätte ich so etwas nicht anbieten dürfen. Doch die Zuhörer waren viel zu höflich für Kritik. Im Nachgang gab es von Timo (aufmerksam wie immer!) jedoch einen hiflreichen Link bzgl. Visualisierung (hier) per Twitter. Nadja Dietze brachte schließlich den Inhalt wunderbar in Form (hier).

Statt eines Vortrags sammelten wir zunächst Fragen der Teilnehmer zu unserem Beitrag (hier und als Video hier). Christian hatte eine Aufgabe vorbereitet, die nun von den erstaunt wirkenden Anwesenden in kleinen Gruppen gelöst und anschließend vorgestellt wurde. Abschließend blieb noch Zeit, in einer Diskussion die gestellten Fragen zu beantworten. Ich hatte den Eindruck, dass echtes Interesse am Thema vorlag und merkte, wie sich die Situation plötzlich wie ein ganz normales Unterrichtsgespräch anfühlte. Genau in diesem sehr angenehmen Augenblick war schon wieder alles vorbei und unsere Zeit abgelaufen, was ich als sehr schade empfand! Wer hätte geglaubt, dass es je zu einer solchen 180°-Wende kommen würde?

Bis zum Ende des vierten Tages hatte ich genug damit zu tun, die anderen Vorträge zu besuchen. Die Entscheidung für die verschiedenen Themen fiel mir nicht leicht, denn es wurden immer mehrere interessante Referate gleichzeitig angeboten. Ich fand es trotzdem irre spannend, Mandy Schiefner-Rohs, Nina Grünberger und Elke Lackner in Aktion zu erleben. Ihre Vorträge sind mir besonders in gut Erinnerung geblieben, weil sie so anschaulich und lebendig erzählt wurden. Im Vergleich dazu gab es auch Veranstaltungen, in denen sich eine bleierne Schwere über die Zuhörer zu legen schien oder kaum Zeit für Diskussionen blieb.

Apropos Diskussionen: Ich hatte herbe Kritik erwartet und traf ausnahmslos auf wohlwollende Wissenschaftler. Manchmal kam mir das beinahe unheimlich (oder unwirklich?) vor.

Mit der Vernetzung als weiteres Ziel einer Tagung habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mich besser auf wenige Menschen über mehrere Tage konzentrieren kann. Einige Gelegenheiten des Kennenlernens habe ich deshalb bewußt verstreichen lassen müssen – meine „Festplatte“ war einfach voll! Trotzdem habe ich mich sehr darüber gefreut, dass mir der Zufall kurz vor Toreschluss noch zusätzlich Carola Brunnbauer und Nicola Würffel zugespielt hat.

Tja, und wer denkt, dass nach der Abreise alles vorbei ist, der irrt sich komplett. Auf Twitter und Facebook werden die Diskussionen fortgesetzt und Links geteilt. Außerdem sind im TitanPad „Hörsaalspielideen“ (hier) bereits weitere Hinweise und Ideen eingetroffen von den Teilnehmern.

Fazit: Umsonst in’s Hemd gemacht – ich danke Euch sehr für den Blick über den Tellerrand und ganz besonders Christian Spannagel für den behutsamen Anschub bei all‘ den bisherigen, kleinen Schritten in eine andere Welt!

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8 comments so far

  1. ngruenberger on

    Hi,
    Also ich kann aus meiner Perspektive sagen: von der Nervosität und der vermeintlich verkrakelten Schrift hat man als Sessionteilnehmerin absolut nichts mitbekommen!
    Was ich aber aus eurer Session mitbekommen und mitgenommen hab waren sehr spannende Inputs und zahlreiche Spielideen!!! Danke dafür!! 😄
    Stichwort titanpad: cool wäre ja auch eine allgemeine und breiter aufgestellt „Open-hörsaalspiel-Sammlung“?! 😄

    GLG Nina

  2. Oliver Tacke on

    Deine Schilderung erinnert mich ein wenig an eine internationale Konferenz, auf der ich a) vor lauter Profs und Doktoren als Nicht-Promovierter und b) auf Englisch was erzählen durfte. Ich war kurz vor’m in die Hose machen. Mittags konnte ich tatsächlich nichts essen. Ging einfach nicht rein. Dann war ich dran, war okay, am Ende alles gut.

  3. Wey-Han Tan on

    Die GMW-Tagung empfinde ich immer in großen Bereichen als sehr schön informell und in Teilen als angenehme familiär (Timo, Angelika, Jörg, Monika…) – ein guter Einstieg in die (vermeintlich) ganz andere Welt akademisch organisierter Forschung; es gibt da (habe ich mir sagen lassen) auch wesentlich formaler aufgestellte Kontexte, in denen Profilierung via Null-Summen-Sprachspiele (wer erzählt wem und wievielen wie lange, was was „in Wirklichkeit“ warum bedeutet).
    Vielleicht später, wenn du gefühlt etwas hochstufiger bist und dich auf einen Secret Level im Suicide-Modus einlassen möchtest… 😉
    Es war jedenfalls schön, dich auf der GMW kennen gelernt zu haben.
    Es gab bisher zu wenig Spielideen mit Rhythmus, Harmonie, Homöostasis, ergänzendes Zusammenspiel in der Bildung – dein Ding!

  4. Kristina Lucius on

    @ngruenberger Danke, das freut mich ja sehr, dass meine Aufregung bei Dir nicht angekommen ist! Ein „Katalog“ der Hörsaalspiele gehört zum Ziel meiner Arbeit. 🙂

    @Oliver Gut zu wissen, dass es anderen auch so ergeht. Für solche Situationen brauchen Anfänger dringend ein Vortragstraining! 🙂

    @Wey Du kannst so gut Verwirrung stiften! 🙂 Formalien mögen ja ihren Sinn haben. Aber sich nur daran orientieren? Das wäre, als spielte man in der Musik ausschließlich Tonleitern. Natürlich braucht man die als Grundlage, aber die Zuhörer wollen doch mehr, denke ich. Danke für Deine Idee, mich noch einmal mit Spielen in der Musik zu beschäftigen!

  5. Oliver Tacke on

    @Luci Vielleicht eine Typfrage. War zwar kaltes Wasser, aber durchaus eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Hat mir gezeigt, dass ich auch „harte“ Situationen selbst meistern kann ohne fremde Hilfe.

  6. Kristina Lucius on

    @Oli Der Gedanke an ein Training ist mir während einiger Vorträge eingefallen. Ich fand es etwas ermüdend, wenn der Text von den Folien nur abgelesen wurde. Wenn die Stimme vor Aufregung hörbar zittert und sehr leise gesprochen wird, wird das Zuhören für mich erschwert. Ich vermute, so etwas lässt sich durch Übung abstellen.

  7. Oliver Tacke on

    @Luci Dann tippen wir wohl aneinander vorbei 😀 Mir ging’s ums Lampenfieber. Es war dann wohl doch ganz ordentlich, wie mir hinterher gesagt wurde. Aber grundsätzlich kann es sicher nicht schaden, sich über gute Bücher hinaus (z. B. „Presentation Zen“ oder „re:sonate“) mit der Praxis des Vortragens zu beschäftigen — wenn man denn selbst die Notwendigkeit erkennt!

  8. Kristina Lucius on

    @Oli Du hast recht, das sind zwei verschiedene Sachen und ich glaube, es gibt einen Zusammenhang zwischen Lampenfieber und der Fertigkeit, die Zuhörer mit einem spannenden Vortrag zu beglücken.
    PS: Danke – „re:sonate“ klingt gut! 🙂


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