Die Sache mit den Daten

Stille Wasser sind tief – und stille Blogs? An der Oberfläche sieht es so aus, als wäre hier seit fünf Wochen nichts passiert. In den Untiefen des Tagebuchs finden sich allerdings 15 Beiträge über die Auswertung der Fragebogen aus der zweiten Vorrunde. Nach einer kleinen Diskussion auf G+ (danke an Axel Krommer und Oliver Tacke für die Denkanstösse) hatte ich mich schnell entschieden, diese Artikel vorerst (wieder) unsichtbar für die Öffentlichkeit abzulegen. So richtig zufrieden bin ich mit diesem Entschluss jedoch nicht. Das hat drei Gründe und unlängst gaben mir sieben Stunden auf einer vollgestopften Autobahn die Gelegenheit, darüber nachzudenken. Manchmal vergesse ich einfach, dass alles nur ein Spiel ist.
Erstens hängt das gesamte Problem mit der Frage zusammen, ob die Veröffentlichung der Ergebnisse die folgenden Befragungen beeinflussen kann? Ich bin noch nicht davon überzeugt. Entweder mir schmeckt etwas oder eben nicht. Ein Essen oder Getränk zum Beispiel. Dabei ist es mir herzlich egal, wie mein Menü anderen Menschen schmeckt. Ich kann mir nicht mal vorstellen, dass es jemanden gibt, der sich von der Meinung anderer in der geschmacklichen Bewertung seines Essens beeinflussen ließe. Zumal niemand weiß, wie ich mein Menü bewerte. Es erfährt also niemand, ob ich Spinat mag oder nicht. Wenn ich dann irgendwo lese, dass x Prozent der Befragten Spinat mögen, werde ich doch dadurch nicht meine Meinung über dieses Gemüse ändern. Ich glaube nicht, dass sich auch nur ein Leser dieses Blogs durch die Veröffentlichung der Ergebnisse von seiner Haltung zu Spielen im Hörsaal abbringen ließen. Aber, wie das so in der Wissenschaft ist: Der Glaube zählt nicht. Und ich kann natürlich nicht ausschließen, dass einer der beiden Blogaufrufe ausgerechnet von den befragten Studierenden erfolgte. So lange ich also nicht genau weiß, wie es sich mit einer möglichen Beeinflussung verhält, bleiben die Daten in der Versenkung.
Zweitens ist mir in den Antworten der Fragebogen die Anmerkung aufgefallen, was denn überhaupt mit den Ergebnissen passiert? Ich finde es nicht gut, den Studierenden die Auswertung vorzuenthalten. Sie nehmen sich Zeit für die Befragung, machen sich Gedanken, kritisieren und stellen Fragen. Früher habe ich zig Fragebogen ausgefüllt – immer in der Gewissheit, nie von den Ergebnissen zu erfahren. Das machte mir keinen Spaß und entsprechend lustloser habe ich die Fragen beantwortet. Bis ich den Bogen raus hatte und es für mich witzig wurde…
Letztlich finde ich in der Literatur keine klaren Aussagen darüber, wie ich mit diesem Problem umgehen soll. Noch mal ein Gedankenspiel: Im ersten Durchgang wird nach der Lieblingsfarbe, in der zweiten Runde nach der Lieblingszahl und zum Abschluss nach dem Lieblingstier gefragt. Wie zum Teufel soll die Kenntnis über die Ergebnisse aus dem ersten Fragebogen (Farbe) meine Antworten in der zweiten Befragung (Zahl) beeinflussen?

 

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