FB_2_5_Wettbewerbssituation in Hörsaalspielen

Rechnen, Technik und ich – na, da hab‘ ich aber schon flottere Trios gehört! Die ganze Welt wartet auf Ergebnisse und mich treiben hier die Nachkommastellen bis zur Weißglut. Okay, nicht die ganze Welt.
In den bisherigen Interviews (hier) klang immer wieder die Wettbewerbssituation in Hörsaalspielen an. Die befragten Dozierenden halten den Wettbewerbscharakter in Spielen einerseits für kritisch, andererseits haben sie Einstellungen wie Spaß und Spannung zu diesem Thema genannt. Ich wollte nun wissen, was die Studierenden darüber denken. Die Strichlisten wurden immer länger und bei manchen Antworten ging mir der Eimer ziemlich auf Grundeis. Was ist, wenn die Studierenden durch den Wettbewerb in Spielen unter Druck gesetzt werden oder diese Situation negative Gefühle in ihnen hervorruft? Dann kann ich einpacken! Das wäre kein gutes Ergebnis, aber ich hatte eine schöne Zeit.

Es wurden insgesamt 109 Studierende zweier Hochschulen in vier Vorlesungen (VL_4/5/6/7, n = 17/58/20/14) schriftlich befragt. Die zu bewertenden Aussagen (5stufige Likert-Skala) wurden aus den Experteninterviews generiert. Dabei handelt es sich um Spannung und Spaß als positive, kein Interesse als neutrale Positionen sowie Druck und negative Gefühle als mögliche Nachteile von Wettbewerbssituationen in Hörsaalspielen. In der Auswertung musste ich vorläufig eine weitere Kategorie Sonstige eröffnen, da einige Aussagen gar nicht, doppelt oder einfach undefinierbar bewertet wurden.

Spannung

5_Wettbewerb_Spannung_einzeln_%

Spaß

5_Wettbewerb_Spaß_einzeln_%

Kein Interesse

5_Wettbewerb_Interesse_einzeln_%

Druck

5_Wettbewerb_Druck_einzeln_%

Negative Gefühle

5_Wettbewerb_negGefühle_einzeln_%

Die Interpretation der Daten entwickelt sich inzwischen zu einer mittleren Katastrophe. Je nachdem, welche Bewertungen zusammengefasst werden, lassen sich unterschiedliche Aussagen treffen, zum Beispiel:
Spannung. Etwa 78 Prozent der befragten Studierenden finden die Wettbewerbssituation in Hörsaalspielen eher (55%) bzw. teilweise (23%) spannend. Für circa 22 Prozent trifft diese Aussage (eher) nicht zu bzw. fehlt die Bewertung.
Spaß. Ca. 87 Prozent der befragten Studierenden bereitet der Wettbewerbscharakter in Hörsaalspielen Spaß (eher = 62%, teilweise = 25%). 13 Prozent haben eher keinen Spaß oder die Bewertung nicht vorgenommen.
Kein Interesse. 61 Prozent der befragten Studierenden stimmen dieser Aussage (eher) nicht zu. Für 39 Prozent der Studierenden ist die Wettbewerbssituation in Hörsaalspielen uninteressant (eher = 19%, teilweise = 16%, Sonstige = 4%).
Druck. 57 Prozent der befragten Studierenden fühlen sich durch die Wettbewerbssituation (eher) nicht unter Druck gesetzt. 41 Prozent hingegen empfinden (teilweise) Wettbewerbsdruck. Zwei Prozent haben die Aussage nicht bewertet.
Negative Gefühle. Bei 25 Prozent der befragten Studierenden ruft die Wettbewerbssituation (teilweise) negative Gefühle hervor. Für 74 Prozent trifft diese Aussage nicht zu und ein Prozent ist den ungültigen Bewertungen zuzuordnen.

Vielleicht sagt man aber auch einfach nur: 55 Prozent der befragten Studierenden finden die Wettbewerbssituation in Hörsaalspielen spannend und 62 Prozent haben Spaß daran. 19 Prozent der Studierenden interessieren sich nicht für den Wettbewerbscharakter von Hörsaalspielen. Etwa 17 Prozent der befragten Studierenden fühlen sich durch die Wettbewerbssituation unter Druck gesetzt und bei circa acht Prozent ruft der Wettbewerbscharakter negative Gefühle hervor.
Nee, so hab‘ ich mir das irgendwie nicht vorgestellt. Im Prinzip kann ja jeder die Daten so interpretieren, wie es ihm passt. Das ist dann immer richtig und doch nicht die ganze Wahrheit. Wer jetzt noch Spaß an absoluten Zahlen und Prozenten hat, findet hier eine Übersicht. Fehlermeldungen und/oder Fragen nehme ich in diesem Blog sehr gerne entgegen.

 

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3 comments so far

  1. Oliver Tacke on

    Vielleicht ist bei Hörsaalspielen eigentlich auch nicht Wettbewerb gemeint, sondern Wetteifer? Oder sollte gemeint sein… Je nach Sichtweise.

    http://www.omnisophie.com/mensch-kommt-von-innen/

  2. Kristina Lucius on

    Schöner Artikel, danke sehr!
    Die Interviewpersonen haben, wie ich übrigens auch, alle durchweg von Wettbewerb gesprochen. In der Literatur findet sich der Begriff Wettbewerb ebenfalls, neben Glück, Maske und Rausch zu der Einteilung von Spielen nach Elementen.

  3. Oliver Tacke on

    Ging mir gar nicht so um die Wahl des Begriffes. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass ich in Bildungskontexten auf jeden Fall Wetteifer als völlig legitim ansehe.


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