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„Wer möchte, darf auf die Plätze hier nach vorne kommen“, fordert die Lehrkraft zu Beginn der Vorlesung die Zuhörenden freundlich auf. Naja, die Verteilung der Studierenden im Hörsaal ist tatsächlich … etwas ungewöhnlich: Die ersten vier Reihen bleiben komplett leer, in Reihe 5 sitzen vier Studierende, in den Reihen 6 und 7 jeweils drei, in den Reihen 8 und 9 je eine/r und in Reihe 10 sammeln sich neun Studierende.
An der Tafel sind Aufgaben notiert, die gemeinsam gelöst werden. Witzige Bemerkungen der Lehrperson bringen die Studierenden zum Lachen und anerkennendem Klopfen auf den Bänken.
Neue Aufgaben werden per Polylux Overhaedprojektor und Beamer an die Wand projiziert und in Ruhe gelöst. Überwiegend zumindest. In der Reihe 10 ist leises Geflüster zu hören. Als die Lehrkraft nach dem Nutzen der Teilerregeln fragt, ertönt lautes Gelächter – aus der Reihe 10.
Nach 30 Minuten wird das Thema „umgedreht“ und auf der Tafel „Vervielfachen“ notiert. Unterhaltungen, Austausch von Zärtlichkeiten und Bonbonpapierrascheln in meiner Lieblingsreihe. An der Wand erscheinen derweil der Name Eratosthenes und eine Abbildung aus einem Mathematikbuch, Klasse 3. Es geht um das Erkennen von Primzahlen und ich frage mich besorgt, warum ich diesen einfachen Weg nicht kennengelernt oder schon vergessen habe. Den Begriff Primzahlzwillinge habe ich jedenfalls noch nie gehört und ich wundere mich, warum bei der Erklärung niemand nachfragt. Vielleicht haben es aber auch einfach alle außer mir verstanden? Es beginnt ein munteres Verlassen und Betreten des Hörsaals durch einzelne Studierende, bis die Lehrkraft in der Mitte des Semesters angelangt ist. Das ist Grund genug für ein Spiel und wie in der Vorlesung 5 (hier) wird der Ablauf von Tabu erklärt. Jemand fragt, zu welchem Thema die Begriffe aufgeschrieben werden sollen und bis auf Fußball („da kenn‘ ich mich nicht aus“) ist alles erlaubt. Interessanterweise sortieren sich die Studierenden selbständig und gleichmäßig ohne Aufforderung durch die Lehrkraft in zwei Gruppen – innerhalb von fünf Hörsaalreihen und relativ dicht an der Wandseite im oberen Teil des Raumes. Es machen nun auch die Studierenden aktiv mit, die während der Vorlesung abgelenkt schienen. Nach drei Minuten will die Lehrperson mit dem Spiel beginnen, doch die Studierenden protestieren und erbitten noch etwas Zeit für die Suche nach Begriffen.
Nach insgesamt zehn Minuten wird ein „überzähliger“ Student zum „Zeitwächter“ ernannt und die Lehrkraft erklärt die Punktevergabe. Im Minutentakt spielen die Studierenden gegen die Lehrperson. Es ist eine ausgelassene Stimmung mit viel Gelächter und Klopfen bei den richtigen Lösungen. Die Studierenden kontrollieren sich überraschenderweise wieder ohne Aufforderung gegenseitig.

Die Fragebogen werden ausgeteilt und nach fünf Minuten wieder eingesammelt. In den letzten fünf Minuten lösen die Studierenden gemeinsam nochmals vorbereitete Aufgaben. Es war eine beobachtungsreiche Vorlesung, die mit viel Lachen endete – nicht nur in Reihe 10.

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