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An der Tafel wurden vier Aufgaben in den Grundrechenarten notiert, welche die Studierenden in fünf Minuten lösen sollen. Wunderte ich mich schon über die ausgiebige Rechenzeit, klappt mir bei der Diskussion um die Ergebnisse nun vollends die Kinnlade runter. Eine halbe Stunde später trifft jemand verspätet ein und verpasst die Erklärung der neuen Aufgabenstellung: Die Studierenden sollen sich eigene Aufgaben im „Schlumpfsystem“ ausdenken. Nach einer Dreiviertelstunde werden die Ziffern (und Buchstaben) des 16er-Systems an die Tafel geschrieben und wiederum Aufgaben dazu gelöst. Die Studierenden arbeiten konzentriert mit leisem Gemurmel und ich komme mir vor wie ein Außenstehender zum Thema Geheimbund. Nach 60 Minuten erfolgt endlich die Auflösung der für mich seltsamen Vorgehensweise und ich hoffe, dass die Studierenden in ihrem Schulalltag später nie vergessen werden, welche Leistung die Kinder beim Erlernen der Grundrechenarten vollbringen. Die Lehrkraft erklärt die Hausaufgaben für die nächste Vorlesung und 30 Minuten vor dem Ende der Lehrveranstaltung werden die Studierenden zu meinem Erstaunen in Dreiergruppen eingeteilt, um erneut vorbereitete Aufgaben zu lösen. Aus derjenigen Gruppe, welche zuerst fertig ist, soll ein/e Student/in zu einer Klingel in Tafelnähe laufen und diese läuten. Ist das Ergebnis richtig, erhält die Gruppe zwei Punkte. Bei einem falschen Ergebnis werden zwei Minuspunkte erteilt. Nachdem das Spiel erklärt wurde, sind vier Aufgaben per Beamer an der Wand sichtbar. Drei Minuten benötigt die erste Gruppe für die Lösungen, jedoch ist ein Ergebnis falsch. Zwei, drei Studierende im hinteren Teil des Raumes bekunden in Worten und Gesten ihre Schadenfreude darüber. Der Lehrkraft entgeht dieses Verhalten und aus der ersten Gruppe kommt im weiteren Verlauf keine Antwort mehr, obwohl sie sichtbar schneller als andere Gruppen mit den Lösungen fertig ist. Insgesamt werden drei Runden mit je vier Aufgaben gespielt. Die Gewinnergruppe fragt nach einem Preis für die Sieger. Mich interessieren an dieser Stelle mal wieder mehr die Gedanken der Verlierer. Abschließend wird der Sinn von Kopfrechenaufgaben erklärt und die Fragebogen zum Thema Hörsaalspiele ausgeteilt. Die ersten Studierenden geben ihre Antwortzettel nach drei Minuten ab.

Mir stellen sich nach dieser Vorlesung folgende Fragen. Wie wirkt sich die Einteilung in Kleingruppen auf das Antwortverhalten der Studierenden aus? Im ersten Fragebogen äußerten einige Studierende die Befürchtung, durch Hörsaalspiele bloßgestellt zu werden. Heben Kleingruppen im Vergleich zu Großgruppen die Anonymität auf? Ab wie vielen Teilnehmern fühlen sich Einzelne in und von einer Gruppe geschützt? Oder ist die Gruppengröße unwichtig und der mögliche Erhalt von (Minus-)Punkten entscheidender für die Bereitschaft, die eigene Lösung (nicht) vor allen anderen Studierenden preiszugeben? Hat ein Schlumpf wirklich nur vier Finger an jeder Hand?

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2 comments so far

  1. Oliver Tacke on

    Die Figuren bei den Simpsons haben in jedem Fall nur vier (mit einer Ausnahme), und in einer Episode liest Lisa in einer Zeitschrift, dass die Menschen in 1.000.000 Jahren aber fünf haben könnten 🙂 Allgemeiner: In Comics/Zeichentrickserien haben Figuren häufig nur vier Finger. Sei einfacher zu zeichnen.

    In der Grundschule haben wir damals das Rechnen in einem anderem System als dem 10er-System anhand der „Affen aus dem Knusiland“ gelernt, die halt nur vier Ziffern kannten. Frag mich bitte nicht, wieso das bei mir hängen geblieben ist. Das Hexadezimalsystem aus dem Beitrag ist jedenfalls nicht zu verachten, findest du in der Informatikpraxis an zig Stellen, von Unicode bis RGB-Farbangabe in HTML und CSS.

    Seltsam eigentlich, dass ich dir das alles schreibe, weil es eigentlich abseits deines Posts ist und ich ursprünglich nur danke für diesen und die anderen zu deinen Erfahrungen sagen wollte.

  2. Kristina Lucius on

    So, ich hab‘ jetzt ‚mal nachgeguckt: Alle aufzutreibenden Schlümpfe haben entweder eine Faust oder tatsächlich nur vier Finger an jeder Hand. 🙂
    Ich habe Dir zu danken, Oliver!


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