IP_2_nach_x

Da macht man also Pläne, verfeinert sie, beginnt mit der Untersuchung – und dann kommt der Zufall ins Spiel! Zufall hat natürlich auch richtige Namen, doch hier müssen ausgerechnet die Menschen anonym bleiben, die dazu beigetragen haben, dass ich zu meinen Ergebnissen komme.

Die zweite Interviewperson (IP) führt seit mehreren Semestern Spiele in Vorlesungen durch und haut gleich am Anfang einen zentralen Satz raus. Dabei geht es um die Wettbewerbssituation in Spielen in Form von Punktevergabe und Ranglisten. Viele kennen sicher das Spiel aus dem Mathematikunterricht, wenn alle Schüler aufstehen und sich derjenige setzen darf, der zuerst die richtige Lösung für eine Aufgabe genannt hat. Die erste IP hatte dieses Verfahren als „diskriminierend“ bezeichnet (hier). Der zweiten IP „macht es aber auch Spaß, wenn man […] zusammen gegen einen Gegner spielt“. Hier sind zwei Wörter wichtig, erstens Spaß und zweitens zusammen. Das könnte nämlich bedeuten, dass die Zusammenarbeit in Gruppen den Wettbewerbscharakter einerseits erhält und andererseits entschärft. Ist das nicht cool? Wenn sich diese Vermutung in den Befragungen der Studierenden bestätigt, könnte das Generationen von zukünftigen Schülern im Mathematikunterricht glücklich machen. Einfach mal die gesamte Klasse gegen den Lehrer spielen lassen – oder so.

Hörsaalspiele hält die IP für vorteilhaft, weil sie

  • „zur Auflockerung dien[en]“,
  • die Studierenden dabei „selber aktiv werden“,
  • den „Vorlesungsinhalt auf eine ganz andere Art und Weise […] präsentier[en]“ und
  • „Abwechslung“ sowie „Interaktion zwischen den Studierenden“ bieten.

Den „zeitlichen Aspekt“ als einzigen Nachteil bekam ich auch diesmal wieder nur durch Nachfragen zu hören. Nachteile von Hörsaalspielen zu finden, scheint im Moment bei spielerfahrenen Dozierenden schwierig zu sein, aber ich bin ja erst am Anfang.
Die IP setzte in ihren Vorlesungen verschiedene Spiele mit Wettbewerbscharakter ein. Bemerkenswert finde ich die kritische Anmerkung zum Spiel Kofferpacken (hier), „weil das irgendwie relativ langweilig war“. Dieses Spiel könnte sich also in der Grundform jeder Dozent sparen und gleich mal an eine Verbesserung denken. Die IP hat sich in diesem Fall überlegt, Assoziationen zu den Begriffen zu bilden, statt sie nur aufzählen zu lassen. Ein guter Gedanke der IP ist auch, die Studierenden in die Entwicklung des Spiels einzubinden. Begriffe werden also nicht von den Dozierenden vorgegeben, sondern von den Studierenden erinnert und in das Spiel eingebracht.

Auf die Frage nach Besonderheiten während der Durchführung von Hörsaalspielen kommt wieder ein Kracher nach dem anderen. Der IP ist nämlich aufgefallen, dass die Studierenden „gerne Spiele gespielt haben […] und daran Spaß hatten. […] die Stimmung war einfach viel aufgelockerter und es haben viele gelacht. […] sie haben sich positiv über die Spiele geäußert“.

Gibt es denn gar nichts Negatives? Doch, ein wenig. Als die IP erstmalig Spiele im Hörsaals durchführte, „waren die Studierenden […] etwas irritiert“ bzw. „verunsichert“ oder besorgt, „ob da nicht die Qualität etwas leidet“. Jedoch heben sich diese Beobachtungen gleich wieder auf, wenn die IP feststellt, „dass die Studierenden […] viel lockerer waren und es haben auch die Studierenden mal was gesagt, die sonst nichts sagen. Die waren dann etwas motivierter mitzumachen“.

Ach, ich könnte hier noch ewig schreiben, über unerwartetes Feedback zum Beispiel:
„Da hatte ich gedacht, okay, bei der Frage werden alle das Richtige antworten, aber das war dann nicht so. Und da wurde dann noch mal viel diskutiert und ich glaube, deswegen haben sie […] in der Vorlesung auch viel mitgenommen.“ Oder über den Einsatz von Buzzer und Feedbacksystem, einschließlich Vor- und Nachteile. Auch, dass in einer Vorlesung mal komplett, also 90 Minuten lang gespielt wurde und dass die Wettbewerbssituation im Spiel den Spaß und die Spannung erhöht hat. Apropos Spannung: Ich kann es kaum erwarten, die Erfahrungen der Studierenden mit ihren Vermutungen (hier) zu vergleichen.
Richtig gut finde ich übrigens die Idee der IP, die Aufgaben und Fragen der Spiele zwecks Wiederholung zu einem späteren Zeitpunkt den Studierenden online zugänglich zu machen.

Ein großer Schwachpunkt in diesem Gespräch lag leider auf meiner Seite. Ich hätte wohl noch wesentlich mehr Informationen von der ausgesprochen geduldigen IP bekommen, wenn, ja wenn ich mich mal getraut hätte, von meinem Leitfragebogen abzuweichen. Dieses Verhalten finde ich inzwischen sehr ärgerlich und deshalb habe ich mich entschlossen, das nächste Gespräch zwar mit vorbereiteten Fragen, jedoch bei Bedarf auch abweichend davon zu gestalten. Über den Fragebogen schreibe ich mir dann die Antwort der IP auf die Frage nach den Voraussetzungen zum Einsatz von Spielen in der Vorlesung: „Es gibt keine Bedingungen, die mich daran hindern könnten“! 🙂

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