FB_1 Vermutungen der Studierenden

In drei Vorlesungen (V1 hier, V2 hier, V3 hier) wurden am Anfang des Sommersemesters 2014 insgesamt 130 Studierende schriftlich nach ihrer Meinung zum Thema Hörsaalspiele befragt. In einem Abschnitt des Fragebogens ging es um die Vor- und Nachteile von Spielen in der Vorlesung. Es handelt sich bei den Antworten um Erwartungen bzw. Vermutungen, denn die Studierenden hatten bis auf wenige Ausnahmen (n = 9) keinerlei Erfahrungen mit Spielen im Hörsaal.
Insgesamt wurden von den Studierenden 499 Antworten gegeben, davon 285 zu den erwarteten Vorteilen und 214 zu den vermuteten Nachteilen. Die Ergebnisse wurden vorläufig in den Kategorien (1) Keine, (2) Lerntätigkeit, (3) Vorlesung, (4) Spiel, (5) Gruppe, (6) Zeit und (7) Sonstige zusammengefasst. Dabei beziehen sich die Prozentangaben auf die jeweiligen Nennungen innerhalb der (Oberkategorien) Vor- und Nachteile. Angeblich sagt ein Bild mehr als tausend Worte, deshalb hier mal ein Diagramm als Übersicht:

Vermutete Vor- und Nachteile von Hörsaalspielen

So richtig selbsterklärend ist das aber nicht, deshalb ein paar Sätze zu dem Bild:

Was bedeuten die Kategorien?
(1) Keine. Niemand von den Studierenden meint, es gäbe keine Vorteile von Hörsaalspielen. Umgekehrt kann man jedoch nicht sagen, dass alle Befragten den Einsatz von Spielen in Vorlesungen für vorteilhaft halten. Die Erklärung dafür ergibt sich aus der Kategorie (7) Sonstige. Dort wurde u. a. vermerkt, wenn jemand „keine Ahnung von Hörsaalspielen“ hat. Anders sieht es bei der Frage nach den möglichen Nachteilen aus. Sechsmal (2, 8%) wurden Nachteile durch Hörsaalspiele ausdrücklich verneint.

(2) Lerntätigkeit. Insgesamt 79 Nennungen (26,32%) wurden dieser Kategorie innerhalb der Vorteile zugeordnet. Studierende erwarten von dem Einsatz der Spiele in der Vorlesung überwiegend mehr Konzentration und Motivation sowie besseres Verständnis. Nur zehn Antworten (4, 67%) enthalten vermutete Nachteile in Bezug auf die Lerntätigkeit. Genannt wurden beispielsweise fehlende Konzentration Einzelner nach dem Spiel und  zu wenig Lerninput.

(3) Vorlesung. Als vorteilhaft wurden in dieser Kategorie 80 Angaben (28,00%) zugeordnet. Studierende erhoffen sich demnach von Spielen vor allem mehr Abwechslung und  Auflockerung und Spaß, aber auch mehr Mitarbeit und Aktivität in der Vorlesung. Die Zuhörenden vermuten, mit Spielen ihr Wissen zu vertiefen, zu überprüfen und zu festigen! Kein Licht ohne Schatten und so finden sich bei den Nachteilen 79 Angaben (36,92%), die möglicherweise nachteilig in Bezug auf die Vorlesung wirken können. Am häufigsten werden Lärm, Chaos und Unruhe durch Spiele in der Vorlesung befürchtet. Einige Studierenden sorgen sich um den Ruf der Lehrveranstaltung und andere vermuten, dass kein Zusammenhang zwischen Spiel und Vorlesungsthema bestünde bzw. mit einem Spiel zu wenig Lehrstoff vermittelt würde.

(4) Spiel. Dieser Kategorie sind 38 vorteilhafte Nennungen (13,33%) zuzuschreiben. Die Studierenden erwarten vor allem Spaß bzw. Freude, wenn in der Vorlesung gespielt wird. Im Gegensatz dazu entfallen 43 Antworten innerhalb der Nachteile (20,09%) auf die Kategorie Spiel. Die Studierenden befürchten, dass das Spiel langweilig oder zu kompliziert sein könnte, es nicht funktioniert oder ihnen einfach nicht gefällt. Ist das Spiel gar fachfremd, albern oder kindisch, kann es selbst zur Spaßbremse werden. Im Gegensatz dazu nehmen einige Befragten an, dass das Spiel nicht ernst genommen wird. Ein weiterer Punkt ist hier noch erwähnenswert: Die Wettbewerbssituation eines Spieles wird sowohl als vorteilhaft als auch als nachteilig erahnt. Es wird vermutet, dass sich die Studierenden durch den Wettbewerb einerseits mehr anstrengen. Andererseits würde sich der Wettbewerbscharakter eines Spieles auf dessen Beurteilung negativ auswirken können. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit der nächsten Kategorie.

(5) Gruppe. Dieser Kategorie wurden die meisten positiven Erwartungen zugeordnet, nämlich 86 (30,17%). Kennenlernen und Interaktion stehen hier an erster Stelle. Die Studierenden erhoffen sich von den Spielen ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl und die Verbesserung des Gruppenklimas. Als Nachteile mit insgesamt 42 Nennungen (19,63%) werden Gruppenzwang, Desinteresse Einzelner und das Bloßstellen von einzelnen Studierenden vermutet.

(6) Zeit. Es werden keine Vorteile durch den Einsatz von Spielen hinsichtlich der Zeit von den Studierenden erwartet. Jedoch gibt es etliche Bedenken (29 Nennungen, 13,55%), was den zeitlichen Aufwand bei der Durchführung von Spielen in der Vorlesung betrifft. Zeitverschwendung bzw. Zeitverlust wurden am häufigsten angegeben.

(7) Sonstige. Diese Kategorie ließ sich nicht vermeiden. Wohin aber gehören sonst die Fragezeichen und Kommentare wie Keine Ahnung in der Abteilung Vorteile (6 Nennungen, 2, 11%)? Neben Fragezeichen gab es zwei Angaben (2, 34%), die sich lediglich mit dem Begriff Stress auf die Frage nach möglichen Nachteilen von Spielen im Hörsaal bezogen.

So, warum habe ich das alles aufgedröselt, wenn es sich doch nur um Erwartungen und Vermutungen handelt? Erstens schwant mir ganz unwissenschaftlich, dass es sich bei den Erwartungen hinsichtlich der Vorteile schlicht auch um die Wünsche und bei den Vermutungen zu den Nachteilen um Ängste der Studierenden bzgl. des Verlaufs von Vorlesungen handeln könnte. Deshalb bin ich zweitens gespannt, inwiefern sich die positiven Erwartungen durch den Einsatz von Spielen erfüllen bzw. sich nachteilige Vermutungen evtl. als nichtig erweisen könnten. Für die Modifizierung des Fragebogens habe ich durch die erste Befragung konkrete Anhaltspunkte, kann also gezielter fragen. Die dritte Begründung ergab sich praktisch per Zufall und wurde im letzten Beitrag (hier) schon angedeutet. Nachdem ich gefühlt ewig nach den Lehrzielen von Vorlesungen gesucht hatte (z. B. hier), fand ich eine Menge dazu im Artikel von Corinna Hallmann. Mit dem Einsatz von Spielen in ihrer Lehrveranstaltung verfolgt die Dozentin folgende Ziele:

1. Auflockerung der Vorlesung,
2. Aktivierung der Studierenden,
3. Motivation,
4. Spaß,
5. Förderung von Sozialkompetenzen,
6. positive Atmosphäre erzeugen,
7. Kennenlernen,
8. Überblick über Fachbegriffe verschaffen und
9. Assoziationen zu den Begriffen bilden.

Das finde ich insofern bemerkenswert, als dass die Punkte 1 bis 4 sowie 6 und 7 wortwörtlich in den Antworten der Fragebogen auftauchen! Die restlichen Punkte (5, 8 und 9) wurden von den Studierenden umschrieben, etwa mit Integration aller Studierenden, Gemeinschaft stärken, Wissen vertiefen und üben. Das bedeutet doch im Grunde, dass hier eine Übereinstimmung der Ziele von Dozentin und Studierenden vorliegt! Wer hätte das gedacht?!

 

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14 comments so far

  1. […] Spannung: Ich kann es kaum erwarten, die Erfahrungen der Studierenden mit ihren Vermutungen (hier) zu vergleichen. Richtig gut finde ich übrigens die Idee der IP, die Aufgaben und Fragen der […]

  2. IP_3_vor | Hörsaalspiele on

    […] möglichen Nachteilen von Hörsaalspielen befragt, vermutet die IP ähnlich wie die Studierenden (hier), „dass vielleicht die Sache zu sehr in den Hintergrund rückt […] und dass […] dieser […]

  3. […] und vermutete Nachteile von Hörsaalspielen in Kategorien zusammengefasst und verglichen werden (hier). Aus den Antworten wurden nun für einen zweiten Fragebogen Aussagen über mögliche Vor- und […]

  4. […] und vermutete Nachteile von Hörsaalspielen in Kategorien zusammengefasst und verglichen werden (hier). Aus den Antworten wurden nun in einem zweiten Fragebogen Aussagen über mögliche Vor- und […]

  5. […] und vermutete Nachteile von Hörsaalspielen in Kategorien zusammengefasst und verglichen werden (hier). Aus den Antworten wurden nun in einem zweiten Fragebogen Aussagen über mögliche Vor- und […]

  6. […] und vermutete Nachteile von Hörsaalspielen in Kategorien zusammengefasst und verglichen werden (hier). Aus den Antworten wurden nun in einem zweiten Fragebogen Aussagen über mögliche Vor- und […]

  7. […] und vermutete Nachteile von Hörsaalspielen in Kategorien zusammengefasst und verglichen werden (hier). Aus den Antworten wurden nun in einem zweiten Fragebogen Aussagen über mögliche Vor- und […]

  8. […] der ursprünglichen Kategorien Lerntätigkeit, Gruppe, Zeit, Vorlesung und Spiel zusammen (hier). Keine der Unterkategorien schaffte bezüglich der Zustimmung den Sprung über 50 Prozent. Werden […]

  9. […] und vermutete Nachteile von Hörsaalspielen in Kategorien zusammengefasst und verglichen werden (hier). Aus den Antworten wurden nun in einem zweiten Fragebogen Aussagen über mögliche Vor- und […]

  10. […] und vermutete Nachteile von Hörsaalspielen in Kategorien zusammengefasst und verglichen werden (hier). Aus den Antworten wurden nun in einem zweiten Fragebogen Aussagen über mögliche Vor- und […]

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  13. […] und vermutete Nachteile von Hörsaalspielen in Kategorien zusammengefasst und verglichen werden (hier). Aus den Antworten wurden nun in einem zweiten Fragebogen Aussagen über mögliche Vor- und […]

  14. […] in welchen Bereichen die befragten Studierenden jeweils wie viele Vor- und Nachteile vermuten (hier). Aber ich bekomme damit nicht heraus, wie genau die einzelnen Vor- und Nachteile evtl. miteinander […]


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