Hallmann: Spielst du noch oder lernst du schon? Spielend lernen in der Vorlesung

Irgendwann würde ES passieren, das ahnte ich von Anfang an. „Du brauchst keine Angst davor zu haben“, beruhigte mich dann Christian Spannagel. Wie recht er damit hatte, erkannte ich allerdings erst heute. Die Nachricht von @timovt erreichte mich genau in dem Augenblick, als die Auswertungen der ersten Daten vorlagen: Da arbeitet noch jemand an „meinem“ Thema! Nach der ersten Schrecksekunde (ehrlich gesagt ging das schon eher in die Richtung einer kleinen Schockstarre) habe ich den Artikel von Corinna Hallmann (2014): „Spielst du noch oder lernst du schon? – Spielend lernend in der Vorlesung“  gelesen und festgestellt, dass der Beitrag ein Glücksfall für mich ist.
Corinna Hallmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Paderborn und untersuchte den Einsatz von fünf Spielen in neun Vorlesungen des Faches Wirtschaftsinformatik im Sommersemester 2013. Bei den Spielen handelt es sich um Entwicklung von Tabu-Karten, Tabu, Wer bin ich, Kofferpacken und Activity.
In der theoretischen Einführung tauchen die bekannten Schwierigkeiten bei der Definition des Begriffes Spiel auf. Hallmann entscheidet sich für die Definition von Meyer (Unterrichtsmethoden, 1987) und legt für die Diskussion der Spiele sieben Kriterien nach Groß et al. (Munterrichtsmethoden, 2007) zu Grunde (S. 2).
Hallmann stellt in der Untersuchung die Frage, ob Spiele in der Vorlesung unterstützend auf den Lernprozess der Studierenden wirken können (S. 3). Im Detail will sie wissen, ob Spiele
1. die Studierenden zur Beschäftigung mit dem Vorlesungsinhalt anregen,
2. zu Spaß in der Vorlesung verhelfen und
3. „den Studierenden die inhaltliche Beschäftigung mit den mathematischen Fachwörtern […] erleichtern“ (S. 4).
Mit dem Einsatz von Spielen in Vorlesungen verfolgt Hallmann folgende Ziele:

  • Auflockerung der Vorlesung,
  • Aktivierung der Studierenden,
  • Motivation,
  • Spaß,
  • Förderung von Sozialkompetenzen,
  • positive Atmosphäre erzeugen,
  • Kennenlernen,
  • Überblick über Fachbegriffe verschaffen und
  • Assoziationen zu den Begriffen bilden.

Diese Ziele werden in meinem nächsten Beitrag aus der Perspektive der Studierenden noch einmal aufgegriffen. Nach der Beschreibung der Spiele (S. 5 – 9) folgt die Darstellung von Evaluation und Ergebnissen. An der Online-Befragung nahmen 16 von 22 Studierenden teil, die 40 (geschlossene, ja/nein bzw. dreiteilige Likert-Skala) Fragen beantworten sollten. Zusätzlich konnten Kommentare angemerkt und Feedback gegeben werden. Die geringe Anzahl der Stichprobe sieht die Autorin kritisch, insofern muss man da nicht noch drauf rumreiten, finde ich (S. 15).
Folgende Ergebnisse sind besonders interessant für mich:
1. Spiele, bei denen die Studierenden in die Entwicklung des Spiels einbezogen werden bzw. die Möglichkeit haben, Vorlesungsinhalte nicht nur zu wiederholen, sondern besser zu verstehen, finden mehr Akzeptanz als Spiele, denen diese Elemente fehlen. Als Beispiel für Verbesserung nennt Hallmann das Spiel Kofferpacken, bei dem nun nicht mehr wahllos Begriffe aus der Vorlesung „eingepackt“ werden, sondern diese Fachwörter in Bezug zueinander stehen sollen (Assoziationen bilden, S. 14).
2. Vorlesungen, in denen Spiele eingesetzt werden, können Spaß machen. Mit der Definition von Spaß hält sich die Autorin nicht so lange (genau genommen gar nicht) auf wie ich – und das finde ich gut. Wichtig ist schließlich das Ergebnis, dass die Vorlesungen mit Spielen den Studierenden Spaß gemacht haben (S. 15).
3. Spiele können bei der Vorbereitung auf Klausuren helfen (S. 14).
4. Spiele in Vorlesungen müssen fachlich zum Inhalt der Vorlesung passen (S. 14).

Fazit: Es konnte mir mit Blick auf meine erste Auswertung gar nichts Besseres als der Artikel von Corinna Hallmann passieren! Die Autorin will alle genannten Spiele weiterhin in Vorlesungen einsetzen (S. 14) und ich würde mich riesig freuen, wenn sich eine Zusammenarbeit mit ihr anbahnen könnte. Hier will nämlich eine Dozentin den Studierenden das Lernen in der Vorlesung erleichtern (S. 13)!

 

 

 

Advertisements

1 comment so far

  1. […] fragen. Die dritte Begründung ergab sich praktisch per Zufall und wurde im letzten Beitrag (hier) schon angedeutet. Nachdem ich gefühlt ewig nach den Lehrzielen von Vorlesungen gesucht hatte (z. […]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: