IP_1_nach_2

Kann das dritte Gespräch mit der selben Person noch Neuigkeiten zum Thema Hörsaalspiele bringen? Ja – und was für welche!
Die Interviewperson (hier) wurde zu einer Lehrveranstaltung befragt, die sie in dieser Form erst zum zweiten Mal anbietet. Die Besonderheit liegt u. a. in der Klientel, die das betreffende Fach ursprünglich gar nicht studieren wollte. Die Vorlesung ist für sie verpflichtend, wird aber nicht abgeprüft. Das ist für die Lehrenden „eine erhebliche Erschwernis dieser Veranstaltung“. Damit „die Studierenden vielleicht an dieser Veranstaltung eine Freude haben“, wurde die Vorlesung von einem Master-Studenten gamifiziert. Das heißt, dass zum Beispiel für Übungen und andere Aufgaben eine spielerische Plattform von den Studierenden genutzt wird und Begriffe aus dem Studienalltag dem Spiel angepasst werden. Die Vorlesungen heißen nun Ratsversammlungen und werden von Vampiren bzw. Werwölfen besucht. (Wie werden dabei eigentlich die Dozierenden genannt?) Da es sich um eine Lehrveranstaltung handelt, die parallel auch an einem anderen Wochentag angeboten wird, ist bereits eine natürliche Gruppenteilung vorhanden.
An der Vorlesung nahmen etwa 50 Studierende teil und die IP hat das Hörsaalspiel „extra an eine Stelle gesetzt“, in der es „thematisch eingebunden“ war:

„ … in diesen Kontext, den ich sowieso an der Stelle mit den Studierenden bearbeitet hatte: Was ist Mathematik? Und da ist für mich das Knobeln und das Spielen […] auf jeden Fall ein Bestandteil der Mathematik, der da rein gehört und deshalb hab ich es also genau an der Stelle eingesetzt.“

Für die Zeitmessung wurde in dieser Lehrveranstaltung ein Count-Down aus dem Internet verwendet. Im Unterschied zur vorherigen Einsatz (hier), endete die vorgegebene Zeit jedoch mit einem akustischen Signal. „Das hat mich ein bisschen gestört“, meint die IP dazu. Ich hingegen fand das Signal klasse! Die Studierenden brauchten nicht ständig den Timer im Blick zu behalten, sondern konnten in Ruhe rechnen, bis der Ablauf der Zeit zu hören (und zu sehen) war.

Zu den Lehr- und Lernzielen des Hörsaalspieles befragt, antwortet die IP ganz einfach mit „Spaß“ und erklärt weiter:

„ … schon in dieser ersten Sitzung gilt es, ihnen [den Studierenden, KL] an dieser Veranstaltung so viel Spaß zu vermitteln, dass es für sie attraktiv ist, nächste Woche wieder zu kommen. Und ich denke, dass das sehr gut war, an der Stelle ein Spiel einzusetzen.“

So viel Spaß scheint ansteckend zu sein, denn die IP berichtet erfreut:

„Also, an dem wie es heute angekommen ist, dass die Studierenden tatsächlich aufgesprungen sind und kapiert haben, es heißt Stand up! und wir machen jetzt mit und so. Das hat mich erfreut. […] Es müssen alle mitmachen. Das finde ich auch gut. […] das finde ich schön, dass man die ganze Zeit mit unter Spannung steht. […] Aber so ist jeder die ganze Zeit gefordert. Das finde ich gut.“

Bei aller Freude gefallen der IP jedoch Spiele besser, „bei denen die Regeln so sind, dass man sie gar nicht unterwandern kann. […] Jeder guckt zu. Es ist nicht möglich, jemanden zu übervorteilen“. Als Beispiel nennt sie Kennenlernspiele. Im Vergleich zum erstmaligen Einsatz des Hörsaalspieles hat die IP nun schon in der Erklärung darauf geachtet, dass die Spielregeln eingehalten werden:

„Ich habe den Namen des Spieles genannt, habe den Namen des Spieles erklärt und habe also sofort die Reaktion beobachten können, dass die Studierenden daraufhin tatsächlich erst mal alles weggelegt haben, weil sie müssen ja […] aufspringen. […] Das hat auch funktioniert.“

Aufgefallen ist der IP, dass die Studierenden „dafür eingestanden [sind, KL], dass sie zu ihrem Recht kommen, weil ich sie da anscheinend übersehen hatte oder dachte, nee, die waren zu spät. […] Sie waren mit Begeisterung dabei.“ Tja, und genau das habe ich in dieser Lehrveranstaltung auch beobachtet!
Die IP empfand während des Spiel „Daueranspannung“ und „Stress“. Ein Problem schien dabei die Standortwahl zu sein. Deshalb überraschte mich der Wunsch der IP, „mal ein anderes Spiel auszuprobieren, um einen Vergleich zu haben“. Und dann fing sie plötzlich an, selber Fragen zu stellen:

„Ich hätte gerne den Effekt gemessen. […] an der Stelle finde ich, ist es doch ein deutlicher Einschnitt, dass wir dieses Spiel benutzt haben und trotzdem ist mir jetzt nicht bewusst,ob es was bewirkt hat oder nicht. Da hätte ich gerne irgendwie Rechenschaft drüber. […] nach dem Spiel, zehn Minuten später müsste man einen Fragebogen einsetzen und sie [die Studierenden, KL) fragen, wie hat dir das jetzt gefallen, was hat es mit dir gemacht, was hat es bewirkt, wie warst du vorher drauf, wie bist du jetzt drauf, sollen wir so etwas öfter machen? […] Auch diejenigen, die nicht wiederkommen, würden mich interessieren. Warum sind sie weggeblieben?“.

Ein Glück, dass solch ein Fragebogen bereits vorbereitet und eingesetzt wurde. Ein paar Anregungen aus diesem Gespräch möchte ich trotzdem gerne darin aufnehmen.
Ich kann es mir zum Schluss nicht verkneifen, die IP ganz unwissenschaftlich mit dem Argument Zeitverlust aus den Antworten der Studierenden zu provozieren. Die IP lässt sich davon gar nicht irritieren und kontert: „ … in dem Moment, wo ich sie [die Studierenden, KL] darüber reflektieren lasse, […] aktiviere ich sie ja auch wieder. Das ist geschenkte Zeit, nicht verlorene Zeit“.

An dieser Stelle bedanke ich mich nochmals ganz herzlich bei der IP für die angenehmen Gespräche und offenen Antworten! Bei aller Freude über die vielen positiven Einschätzungen der IP zum Thema Hörsaalspiele zwickt mich nun jedoch fürchterlich der Gedanke, einen Gegenpol dazu zu finden. Ich habe da auch schon eine Idee.

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1 comment so far

  1. […] Vorlesungen eingesetzt wurde (hier, hier und hier) und zu dem zwei Interviews stattfanden (hier und hier). Die Idee zu diesem Spiel stammt von Janna Spannagel und ich bedanke mich nochmals ganz herzlich […]


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