IP_1_nach_1

Welche Erfahrungen machte die Interviewperson (IP; hier) in einer Vorlesung mit Hörsaalspiel?
Die erste Überraschung taucht schon am Anfang des Gespräches auf, als ich frage, welche Spiele sie privat bevorzugt und die Antwort bereits aus dem ersten Interview zu kennen meinte. Der Begriff Gesellschaftsspiele erscheint der IP nämlich geeigneter als das Aufdröseln in z. B. Brett- oder sonstige Spiele. Für die Überarbeitung des Fragebogens an die Studierenden will ich mir das merken, denn natürlich sind „auch Würfelspiele zum Beispiel oder Kartenspiele“ in diesem Begriff enthalten.
Die nächste Überraschung lässt nicht lange auf sich warten: Interaktion zwischen den Mitspielern in Spielen ist der IP privat nur teilweise wichtig. In der Vorlesung mit Hörsaalspiel jedoch

„würde ich an der Stelle tatsächlich in Interaktion treten. Das finde ich schon einen großen Vorteil. Aber, bei mir spielt der keine so große Rolle, weil ich, wie gesagt, immer Wert darauf lege, dass sie [die Studierenden, KL] in Interaktion sind und es keine eingleisige Wissensvermittlung ist, sondern mehr ein Gespräch, mehr ein Dialog. Aber, das ist natürlich nicht selbstverständlich und deswegen würden Hörsaalspiele an dieser Stelle, an vielen Stellen, also neue Möglichkeiten eröffnen“.

Dozenten, die mit den Studierenden innerhalb der Vorlesung ins Gespräch kommen wollen. Das ist doch ein Ding, oder? Wenn ich es nicht gehört und in der Vorlesung gesehen hätte, würde ich es nicht glauben. Es handelt sich bei dieser Lehrveranstaltung immerhin um eine Vorlesung!
Die Frage nach den Nachteilen von Hörsaalspielen wird – nach dem ersten Interview erwartungsgemäß – wieder im Konjunktiv und mit vermuteten Argumenten beantwortet. Die IP erwähnt jedoch nach der Durchführung, „dass man ruckzuck mit Gerechtigkeit, mit Regelwerken usw. in Konflik kommen kann“.
Der nächste Hammer erwischt mich bei der eigentlich sehr einfachen Frage nach dem Zeitpunkt des Spiels innerhalb des Verlaufs der Lehrveranstaltung. Da kommt nicht einfach in der Mitte, sondern:

„Mir war wichtig, dass dieses Hörsaalspiel auf jeden Fall komplett stattfinden kann; a) nicht in Zeitnot gerät und b) nicht den Eindruck erweckt, na ja gut, das hängen wir jetzt noch hinten dran, weil wir nichts mehr zu tun haben. Also, mir ist es wichtig, dass die Wertschätzung bei den Studierenden ankommt. Erst mal meine Wertschätzung und dann natürlich auch die der Studierenden selbst“.

Ich wiederhole: Wertschätzung den Studierenden gegenüber! Da hat mich mein erster Eindruck von der Hochschule also nicht getäuscht (hier). Ist das jetzt ein Zufall, dass ich so viel Glück gleich mit der ersten IP hatte oder sind dort alle Lehrenden so gut drauf?
Bei der Beschreibung des Spiels erwähnt die IP, dass „volle Konzentration bei allen zu allen Zeiten“ erforderlich war, merkt allerdings eine gewisse Unruhe unter den Studierenden an, die sie „ein bisschen störend“ fand. Besonders aufgefallen ist der IP, dass der Hörsaal „immer wieder zweigeteilt“ ist, „obwohl es durchgehende Sitzreihen sind ohne Mittelgang“. Das kam der Gruppeneinteilung natürlich (im wahrsten Sinne des Wortes) entgegen.
Welche Wahrnehmung gab es außerdem im Vergleich zum Verlauf der Vorlesung außerhalb des Spiels? Die IP spricht sowohl von Langeweile als auch von „voller Aufmerksamkeit“, wenn es um die Studierenden geht. „Ich war angespannter […] in der Rolle als Wächter über die Gerechtigkeit“. Ich halte diese Feststellung für einen guten Grund, die verschiedenen Aufgaben in einem Spiel abwechselnd an die Studierenden zu delegieren.
Bei der Frage nach möglichen Veränderungen könnte sich die IP kleinere Gruppen vorstellen und vermutet, dass dadurch die Verbindlichkeit steigt, „sich an Regeln [zu] halten“. Auch der Einsatz von Taschenrechnern wäre eine Variation oder „Der Erste, der es weiß, meldet sich und die anderen kriegen keine Punkte mehr“. Ja, so stelle ich mir den Umgang mit den Spielvorschlägen letztendlich vor: Die Dozierenden wählen wie aus einem Buffett genau das aus, was sie für die Situation im Hörsaal gebrauchen können und passen die Vorschläge den tatsächlichen Gegebenheiten an.
Die abschließenden Fragen der IP „Wie schafft man es, […] die Begeisterung für eine Methode überspringen zu lassen?“ bzw. „Wie ist es machbar, […] alle zu erreichen?“ sind auch meine Fragen. Vielleicht gibt die nächste Befragung der Studierenden darauf einige Antworten?

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2 comments so far

  1. […] Lehrveranstaltung ein Count-Down aus dem Internet verwendet. Im Unterschied zur vorherigen Einsatz (hier), endete die vorgegebene Zeit jedoch mit einem akustischen Signal. „Das hat mich ein bisschen […]

  2. […] Vorlesungen eingesetzt wurde (hier, hier und hier) und zu dem zwei Interviews stattfanden (hier und hier). Die Idee zu diesem Spiel stammt von Janna Spannagel und ich bedanke mich nochmals ganz […]


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