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Hören, schreiben, zurück spulen, hören, verbessern, hören, schreiben, Türklingel, zurück spulen, hören, verbessern und das ganze Lied von vorn. Interviews verschriftlichen erfordert ein hohes Maß an Konzentration und dauert gefühlt ewig! Aber jetzt ist es geschafft. Die Interviewperson (IP) wurde von mir dreimal befragt. Zuerst vor dem Einsatz eines Hörsaalspiels in der Vorlesung und jeweils nach der Lehrveranstaltung. Sie lehrt seit vier Semestern im Fach Mathematik in verschiedenen Vorlesungen, zu denen etwa 90 Studierende angemeldet sind. Tatsächlich erscheinen in der Lehrveranstaltung weniger Zuhörende und im Verlauf des Semesters kann die Teilnehmerzahl durchaus erheblich zurückgehen. Die IP spielt privat etwa alle zwei Wochen nicht unter vier Stunden. Ist das eine gute Voraussetzung für das Gespräch zum Thema Hörsaalspiele?
Das erste Interview fand unter der Bedingung statt, dass die IP in ihrer Vorlesung bisher noch kein Hörsaalspiel durchgeführt hat. Zunächst wurden Fragen zu Spielen allgemein beantwortet. So sind der IP z. B. Wettbewerbssituationen in Spielen „unlieb“. Gibt es Punkte oder Ranglisten, verfolgt sie diese „fast schon etwas akribisch“. Wichtig ist ihr die Interaktion zwischen den Mitspielern bzw. „dass alle den gleichen Spaß daran haben“. Auf die Funktionsweise von Spielen angesprochen ist die IP „besonders an Spielen interessiert, die nicht durchschauen lassen während des Spiels, wer am Ende gewinnen wird“. Diesen Satz sollten wir uns merken. 🙂
Mich hat natürlich brennend interessiert, welche Vorteile von Hörsaalspielen die IP nennen würde. Und, zack, sprudelte es auch schon: Auflockerung, spielerisches Herangehen, Thema vertiefen, Wissen anwenden und üben. Aber auch: „Argumente für diese Themen untermauern“. Am Beispiel Kopfrechnen verdeutlicht die IP diese Aussage eindrucksvoll. Die Begründung für den Vorteil Auflockerung bezieht die IP auf die Länge von Konzentrationsphasen und noch ein weiterer Satz prägt sich mir ein: „Etwas spielerisch anzugehen […] heißt einfach nur, dass ich an der Stelle mit mehr Freude lerne“.
Nachteile von Hörsaalspielen gibt es aus der Sicht der IP zunächst nicht. Das ist mir an der Stelle nun doch zu rosig und ich frage noch einmal nach: „Höchstens […] den Wettbewerbscharakter […] Dass […] jemand […] dadurch vielleicht […] auf der Strecke bleibt, weil die anderen immer schneller sind“. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Ich habe es hier mit einer Lehrperson zu tun, die sich sogar im Spiel um langsam Lernende, sozusagen um alle Studierende sorgt. Mannmannmann, kennt jemand noch so einen Fall? Ich bin begeistert.
Zurück zum Spiel: Die IP nennt als Bedingungen für den Einsatz von Hörsaalspielen in der Vorlesung die Kenntnis derselben und „manchmal, dass ich den Mut habe, tatsächlich auch das spielerisch mit einzubringen“. Ein wichtiger Hinweis ist für mich folgender Satz: „Ich muss das Spiel kennen, vielleicht sogar schon mal durchgeführt oder irgendwo gesehen haben und dann würde ich das eher machen, als wenn ich es irgendwo im Buch nachlese“. Im Klartext heißt das doch, dass ich mir hier zwar an Spielbeschreibungen die Finger wundschreiben kann, aber eine Spielanleitung in Form eines Videos einfach besser wäre, oder?
Bisher hinderte die IP also die „Kenntnis von gut ausgedachten Hörsaalspielen, die zu dem, was ich machen möchte, inhaltlich so gut passen, dass ich das nicht nur als eine Übungsphase ansehe, sondern damit auch Stoff vermitteln kann“ sowie konkrete, anschauliche Beispiele aus anderen Vorlesungen am Einsatz von Spielen in der Vorlesung.
Zum Abschluss nennt die IP ein ihr bekanntes Hörsaalspiel („ich kenne dieses Kopfrechnen von der Schule früher“) und macht wieder so eine Bemerkung, dass ich fast vom Hocker kippe: „ … das hat etwas Diskriminierendes, was mir nicht so gefällt“. Jahaaa, dieses Spiel kenne ich auch noch aus der Schule und habe es gehasst wie die Seuche: Alle stehen auf und wer die Lösung sagt, darf sich setzen (oder als Abschlussspiel im Hort: Wer die Lösung weiß, darf nach Hause gehen). Leute, es gab nur wenig, was ich in der Schule schlimmer fand – trotz guter Noten in Mathe!
Und was sagt die IP dazu? „Da fand ich also die Variante, im Hörsaal zwei Gruppen zu bilden und dann diese Aufgaben zu stellen, wo es dann also die Gruppe wieder ausgleichen kann und dadurch wieder, wie wir es vorhin schon sagten, was für mich ein gutes Spiel kennzeichnet, von Anfang an nicht sichtbar ist, welche Gruppe gewinnen wird. Das hat dann für mich doch wieder Vorzüge …“ (s. o.).
Im nächsten Beitrag geht es um die Erfahrungen, welche die IP bei der Durchführung eines Hörsaalspiels in der Vorlesung gemacht hat. Und ich sage Euch: Ihr werdet Euch noch wundern. 🙂

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4 comments so far

  1. […] Erfahrungen machte die Interviewperson (IP; hier) in einer Vorlesung mit Hörsaalspiel? Die erste Überraschung taucht schon am Anfang des […]

  2. […] Neuigkeiten zum Thema Hörsaalspiele bringen? Ja – und was für welche! Die Interviewperson (hier) wurde zu einer Lehrveranstaltung befragt, die sie in dieser Form erst zum zweiten Mal anbietet. […]

  3. […] eine Aufgabe genannt hat. Die erste IP hatte dieses Verfahren als „diskriminierend“ bezeichnet (hier). Der zweiten IP „macht es aber auch Spaß, wenn man […] zusammen gegen einen Gegner spielt“. […]

  4. […] dürfen. Schon während des Interviews hatte ich ein gutes Gefühl, was die Antworten betraf (vgl. hier). Doch nun, mit der passenden Auswertungsmethode – sie gefunden zu haben, empfinde ich ebenfalls […]


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