VL_3_DB_Thb_Sp#22_FBv_n49

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In diesem Beitrag geht es um die Daten aus dem Beobachtungsprotokoll der Vorlesung 3 mit der Lehrperson B zum Thema b und den Fragebogen von 49 Studierenden vor der Durchführung des Hörsaalspiels #22 (Beschreibung hier). Der vorläufig leider letzte Beitrag dieser Art ist natürlich wieder zweigeteilt. In der ersten Hälfte gibt es Details aus dem Beobachtungsprotokoll zur Vorlesung und in der zweiten Hälfte geht es um die Antworten aus dem Fragebogen der Studierenden.

Beobachtungsprotokoll zur Vorlesung. Die Lehrveranstaltung zu studentenfreundlicher Zeit begann mit einer freundlichen Begrüßung und der Klärung organisatorischer Fragen mal wieder pünktlich auf die Minute. Das scheint hier ein Markenzeichen zu sein. Die Frage an die Zuhörenden: „Warum sind Sie hier?“ war ein perfekter Einstieg in das Vorlesungsthema und ließ das leise Gemurmel der Studierenden schlagartig verstummen. Sie saßen wie in der V2 (hier) etwa gleichmäßig verteilt auf den Plätzen in allen Reihen des Hörsaals. Nach zehn Minuten erklärte die Lehrkraft, dass die Vorlesung durch einen Master-Studenten gamifiziert wurde und erklärte den Zuhörenden verschiedene Begriffe, Übungsaufgaben und Abläufe. Die Lehrveranstaltung wurde ab diesem Zeitpunkt Ratsversammlung genannt und die Gruppen Vampire bzw. Werwölfe. Während der Erläuterungen wandelten sich die Gesichtsausdrücke der Zuhörenden von verhalten erfreut über verwundert, skeptisch und ungläubig bis hin zu offener Freude, die sich in entspanntem Lachen zeigte. Spätestens an dieser Stelle hätte ich neidisch werden können, wenn da nicht noch der Oberhammer gekommen wäre: Am Ende des Semesters winkt den Studierenden nämlich ein Preis. Oder mehrere. Ich war so überrascht, dass ich weder die Anzahl mitbekam noch die Frage beantworten könnte, wofür diese/r Preis/e vergeben wird/werden.
Nach 20 Minuten erhalten die Zuhörenden den zweiten Arbeitsauftrag, welcher in fünf Minuten mit einigem Gemurmel erledigt wurde. Ab Minute 30: Die Ergebnisse werden gesammelt und an der Tafel in bemerkenswert lesbarer Schrift notiert. Die Sammlung „klingt nicht so richtig fröhlich“, stellt die Lehrperson in Minute 40 fest und fragt, ob schon mal jemand im Hörsaal ein Spiel gespielt hat. Nachdem sich zwei Studierende gemeldet haben, erläutert die Lehrkraft den Aufbau des Fragebogens sowie die Codierung. Es herrscht eine auffallende Stille bis die Fragebogen ausgeteilt werden. Nach zehn Minuten werden die Fragebogen eingesammelt und die Lehrperson nennt den Titel des nun folgenden Hörsaalspiels.

Spiel. In Minute 45 begann das Hörsaalspiel #22 „Stand up!“ (Ziel: Kopfrechnen), indem die Lehrperson die Studierenden in zwei Gruppen teilte, das Spiel sowie die Spielregeln erklärte und betonte, dass die Studierenden Platz zum Aufstehen bräuchten. Die Gruppeneinteilung sollte von den Studierenden selbständig durchgeführt werden. Wie schwer ihnen diese Aufgabe fiel, hätte ich nicht für möglich gehalten und ist als wichtiger Punkt bei der Gruppenbildung (hier) zu beachten. Die Lehrkraft stellt mit viel Humor fest, dass die zweite Gruppe es immerhin bis zur Zahl 19 fehlerfrei geschafft hat und nimmt die Einteilung schließlich selber vor. Den Mitspielenden stehen für die Lösung der Aufgaben in dieser Vorlesung 30 Sekunden zur Verfügung.
Während nach 60 Minuten an der Wand per Beamer der Online-Timer erscheint und die Spielkarten ausgeteilt werden, bilden sich im Hörsaal kleine Gruppen, in denen leise gesprochen wird und die sich auch während des Spiels miteinander verständigten. Die Lehrperson beginnt das Spiel mit einer Beispielaufgabe, die bei den Studierenden für spürbar gute Stimmung sorgt. Das Ende der Zeit für die Aufgaben wird diesmal nicht nur optisch, sondern zusätzlich durch ein akustisches Signal angezeigt. Das hat mir sehr gut gefallen! Die Aufgaben wurden wie in der V2 im Abstand von einer Minute gestellt und gelöst. Ich hatte zwar den Eindruck, dass das Spiel zügiger, straffer geführt wurde, aber, die Uhr zeigte tatsächlich die gleiche Dauer wie in der V2 an. So kann man sich täuschen. Bei der Aufgabe 5 verlässt erstmalig ein/e Student/in den Hörsaal und erst bei Aufgabe 6 wurde von den Studierenden vergessen, bei der richtigen Lösung auch aufzustehen. Das Spiel endete in der 70. Minute mit dem Einsammeln der Karten und einer auffallend gelösten Stimmung im Hörsaal.

In den verbleibenden 20 Minuten wurde insgesamt ruhig und konzentriert am Thema der Vorlesung gearbeitet. Erst jetzt nutzten einige Studierende den Methodenwechsel für das Verlassen und nach kurzer Zeit wieder Betreten des Hörsaals. Die Zusammenfassung des Vorlesungsthemas erfolgte in Form eines Bildes, dessen Gegenstand erkannt werden sollte. Die Lehrkraft beendete (pünktlich – das ist inzwischen logisch, oder?) die Lehrveranstaltung mit der Bitte um Anmeldung zur nächsten Ratsversammlung.

Fazit. Allgemein empfand ich die Atmosphäre während der Lehrveranstaltung genau so freundlich und locker wie in der V1 (hier). Die Dozierenden hatten einen „guten Draht“ zu den Studierenden. Methodisch-didaktisch haben mir besonders die ausgefeilten Übergänge zu den verschiedenen Inhalten gefallen. Mal sehen, was ich davon evtl. auch in meinem Unterricht umsetzen kann. Nach meinem Verständnis war die Lehrveranstaltung perfekt hinsichtlich Vorbereitung und Durchführung.
Das Spiel wurde etwa in der Mitte der Vorlesungszeit eingesetzt und entsprach dem Thema. Die Arbeitsatmosphäre im Hörsaals erschien mir während des Spiels gelöster als vor- bzw. nachher, aber genauso intensiv. Besonders gut hat mir gefallen, dass sich die Studierenden bei der Lösung der Aufgaben offensichtlich keiner Hilfsmittel bedient, sondern selbständig in kleinen Gruppen zusammengearbeitet haben.

Fragebogen. Mit dem Fragebogen wurde die Meinung der Studierenden zu Hörsaalspielen erfasst. Den Fragen wurde die Erklärung vorangestellt, dass Hörsaalspiele Spiele sind, die in Vorlesungen mit großen Gruppen unter Anleitung der Dozierenden gespielt werden. Der Fragebogen bestand aus zwei Teilen. Im ersten Teil wurden persönliche Angaben und Fragen zu Spielen bzw. Hörsaalspielen allgemein gestellt. Der zweite Teil richtete sich mit Fragen zu Erfahrungen und Bewertungen von Hörsaalspielen nur an diejenigen Studierenden, die bereits in Vorlesungen Hörsaalspiele mitgespielt haben.

Teil 1. Der Fragebogen wurde vor der Durchführung des Hörsaalspiels an die Studierenden ausgeteilt und von 49 Personen (8 männlich/40 weiblich/1 o. A.) ausgefüllt. 28 Studierende gaben als Fachrichtung Grundschullehramt, 20 Sonderpädagogik an und eine/r studiert im Master Bildungswissenschaft. Die Mehrheit (29) studiert im dritten Semester, gefolgt von elf Studierenden im vierten Semester. Fünf Personen befinden sich im ersten bzw. zweiten und jeweils zwei im fünften und sechsten Semester. Das Alter der Studierenden liegt zwischen 20 und 29 Jahren, davon befinden sich 41 Personen in der Altersgruppe zwischen 21 und 24 Jahren.
Jeweils neun Befragte bevorzugen Bewegungs- bzw. Brettspiele, drei favorisierten digitale Spiele auf dem PC, Tablet, Smartphone oder ipad. Bei Hinzunahme der Mehrfachnennungen sieht die Verteilung so aus: 35 Brett-, 29 Bewegungs-, 16 digitale und sieben sonstige Spiele. Erstmals seit Beginn der Erhebungen wurden hier Gesellschaftsspiele aller Art und Trinkspiele (2) genannt.
Von den Studierenden spielen sechs täglich weniger als eine Stunde, vier fünf- bis sechsmal pro Woche, neun drei- bis viermal und 14 ein- bis zweimal pro Woche. 13 Befragte spielen ein- bis zweimal im Monat und zwei weniger bis selten. Im nächsten Fragebogen sollten die Zeiten sinnvollerweise in einer Tabelle und ggf. mit Rangfolge erfragt werden.

Punkte und Ranglisten sind 17 Befragten (eher) unwichtig und 13 (eher/sehr) wichtig. 19 Personen wählten die mittlere Kategorie (teils/teils). Wettbewerbssituationen finden 18 Studierende (eher) unwichtig, 12 (eher/sehr) und 19 teils/teils wichtig. Ein klares Ergebnis gibt es wieder bei den nächsten Fragen: 41 Befragten ist die Interaktion zwischen den Mitspielern (eher/sehr) und sechs teils/teils wichtig. Nur zwei Studierenden halten die Interaktion für eher unwichtig. Das Verständnis der Funktionsweise von Spielen ist 35 Befragten (eher/sehr) und zehn teils/teils wichtig. Vier Personen findet die Funktionsweise (eher) unwichtig.

Nach dem quantitativen Teil wurde qualitativ danach gefragt, welche Vor- und Nachteile Hörsaalspiele nach Meinung der Studierenden haben können. Wie in den vorherigen Vorlesungen gab es viele unterschiedliche Vorstellungen der Vorteile von Hörsaalspielen. Jeweils 15 Studierende nannten Auflockerung/Pause und Spaß/Freude als Vorteil, dicht gefolgt von Kennenlernen (neuer Kommilitonen; 11) und Wissen spielerisch vermitteln (10). Je sieben Befragte gaben an, dass die Förderung von Aufmerksamkeit/Konzentration sowie Wissen vertiefen/festigen/wiederholen für sie als Vorteil gelten. Mindestens fünf Nennungen erhielten: Steigerung der Motivation, Interaktion, Kontrast zu herkömmlichen Vorlesungen, Aktivierung aller Studierenden und Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln/stärken. Bevor ich jetzt euphorisch werde, schaue ich mir mal die vermuteten Nachteile von Hörsaalspielen an. Fast schon erwartungsgemäß stehen hier Lautstärke/Unruhe/Chaos mit 20 Nennungen an der Spitze. Das Desinteresse einiger Studierenden wird von zehn Befragten genannt. Sechsmal wird die Wettbewerbssituation als Nachteil befürchtet.
Außerdem wurden genannt: Großer Verbrauch an Zeit/Material, fehlende Ernsthaftigkeit, Spiel passt nicht zum Thema/wird schlecht erklärt/funktioniert nicht/zu kompliziert, unterschiedliches Vorwissen, ungesicherte Vorlesungsergebnisse, Platzproblem vs. zu großer Raum, zu viele Teilnehmer, zu viel Ehrgeiz. Die Nachteile Bloßstellen Einzelner und schlechtes Gefühl bei den Verlierern konnte ich in den Vorlesungen zwar nicht beobachten. Mich würde jedoch interessieren, wie die Studierenden diese Situation tatsächlich empfunden haben. Irgendwie ist das ja schön an dieser Forschung: Kaum hat man ein paar Informationen erhalten, tauchen schon die nächsten Fragen auf!

Teil 2. Wie schon in den ersten beiden Vorlesungen füllten auch diesmal nur drei Studierende (2 männlich/1 weiblich) den zweiten Teil des Fragebogens aus. Es wurde in den Lehrveranstaltungen Sport-Fachdidaktik sowie Mathematik-Didaktik Hörsaalspiele gespielt und zwar unregelmäßig in der Mitte des Semesters, jeweils am Anfang und in der Mitte der Vorlesung. Dabei handelte es sich um Würfel-, Rechen-, Interaktions- und Koordinationsspiele. Bewegungsspiele gefielen den Befragten wegen der Abwechslung besonderes. Auch diesmal wurde kein Spiel genannt, dass den Studierenden nicht gefiel! Jedoch gab es einige Statements zu den Vorteilen, die mit einigen den o. g. Angaben übereinstimmen: Auflockerung (durch Bewegung), Unterbrechung kognitiver Arbeit, Abwechslung und eigene Aktivität. Gefallen fand außerdem der Praxisbezug der Hörsaalspiele.

Vorläufiges Fazit. Die puren Zahlen scheinen auf den ersten Blick keine großen Unterschiede zu den Ergebnissen aus den vorherigen Lehrveranstaltungen und Fragebogen aufzuweisen. Für mich drängt sich jetzt vor den Interviews doch noch eine Zusammenfassung der Daten sowie der Versuch einer Kategorienbildung auf. Gibt’s Gegenstimmen oder andere Vorschläge?

 

 

 

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2 comments so far

  1. […] up! (Beschreibung hier), welches in drei verschiedenen Vorlesungen eingesetzt wurde (hier, hier und hier) und zu dem zwei Interviews stattfanden (hier und hier). Die Idee zu diesem Spiel stammt von Janna […]

  2. […] drei Vorlesungen (V1 hier, V2 hier, V3 hier) wurden am Anfang des Sommersemesters 2014 insgesamt 130 Studierende schriftlich nach ihrer Meinung […]


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