V2_DB_Tha_Sp#22_FBv_n56

„Bist Du nicht mehr ganz dicht?“ – „Nee, wieso?“ – „Na, Du veröffentlichst Deine Ergebnisse, obwohl Du noch gar nicht mit der Arbeit fertig bist! Was ist, wenn die inzwischen jemand abschreibt?“ – „Das wäre blöd. Kopieren ginge nämlich einfacher. Aber dabei fehlt dann immer etwas ganz Besonderes.“ – „So? Was denn?“ – „Spaß und Spannung bei der Erhebung und Auswertung der Daten!“ – „Du bist verrückt!“ – „ … “.

Nach der Zusammenfassung der ersten Vorlesung (hier), geht es in diesem Beitrag um die Daten aus dem Beobachtungsprotokoll der Vorlesung 2 mit der Lehrperson B zum Thema a und den Fragebogen von 56 Studierenden vor der Durchführung des Hörsaalspiels #22 (Beschreibung hier). Dieser Beitrag ist wieder zweigeteilt. In der ersten Hälfte gibt es Details aus dem Beobachtungsprotokoll zur Vorlesung und in der zweiten Hälfte geht es um die Antworten aus dem Fragebogen der Studierenden.

Beobachtungsprotokoll zur Vorlesung. Diese Lehrveranstaltung begann ebenfalls pünktlich mit der Begrüßung und der Klärung organisatorischer Fragen. Die Studierenden saßen im Unterschied zur V1  etwa gleichmäßig verteilt auf den Plätzen in allen Reihen des Hörsaals. Von meinem Platz aus, in der letzten Reihe, sehe ich zehn Studierende, die ihre Smartphones nutzen, vermutlich, um die von der Lehrperson vorgeschlagenen Termine mit ihrem Stundenplan abzugleichen. Vier Studierende aus der vorletzten Reihe verlassen unauffällig die [auf spätere Nachfrage falsch gewählte] Lehrveranstaltung. Die Lehrperson wartet in den ersten 15 Minuten zweimal auf Ruhe. Die Fenster werden geschlossen, nachdem vor dem Hörsaalgebäude die Geräusche eines Rasenmähers (?) die Verständigung erschwerten. Nach 20 Minuten motiviert die Lehrkraft humorvoll alle Studierenden zur Teilnahme an der Fragebogenaktion und erklärt die einzelnen Seiten sowie die Codierung anhand eines Tafelbildes sehr genau. In Minute 30 wurde der erste Fragebogen abgegeben, der Großteil benötigte unwesentlich länger (13 Minuten) und die letzte Abgabe erfolgte 18 Minuten nach Ausgabe der Zettel.

Spiel. In Minute 45 begann das Hörsaalspiel #22 (Ziel: Kopfrechnen), indem die Lehrperson die Studierenden in zwei Gruppen teilte und das Spiel erklärte, ohne den Namen zu nennen. [Von einer/m Student/in wurde ich gefragt, ob ich das Spiel verstanden habe.] Es begann ein allgemeines, fröhliches Gemurmel im Hörsaal, Taschenrechner und Smartphones wurden bereit gelegt. Die Lehrkraft bereitete inzwischen an der Tafel eine kleine Tabelle für den Punktestand vor und nach fünf Minuten kamen die Spielkarten mit den Ziffern 0 bis 9 in der letzten Reihe an. Für die Lösung der Aufgaben wurde den Studierenden wie in der V1 mittels Online-Timer jeweils 20 Sekunden gewährt. Nach Ablauf der Zeit gab es vereinzelte „Proteste“ [„zu schnell“]. Die Lehrperson reagierte darauf sehr geschickt mit einem Kompromiss: Es gab einen Punkt, obwohl die Lösung erst nach Ablauf der Zeit angezeigt wurde. Die 20 Sekunden wurden jedoch beibehalten und die folgenden Aufgaben innerhalb dieser Zeit gelöst. Ab der dritten Aufgabe standen die Studierenden nicht mehr von ihren Plätzen auf, sondern hielten nur noch die Ergebniskarten hoch. Wenn Hilfsmittel wie Stift und Papier, Taschenrechner, … verwendet wurden, ermahnte die Lehrperson mit strengem Blick. Die Punktverteilung an der Tafel wurde abschließend als kleine Rechenaufgabe verwendet. Das Spiel endete nach etwa 60 Minuten der gesamten Vorlesungszeit mit der Aufforderung „Stapel bilden“. Die Studierenden schienen diese Formulierung zu kennen, denn die Spielkarten wurden umgehend eingesammelt.
In den verbleibenden 30 Minuten wurde ruhig und konzentriert am Thema der Vorlesung gearbeitet, bis die Lehrkraft mit den Worten „Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!“ die Studierenden pünktlich verabschiedete.

Fazit. Allgemein empfand ich die Situation während der Lehrveranstaltung als etwas unruhiger im Vergleich zu der V1 und das verspätete Betreten bzw. frühere Verlassen des Hörsaals von insgesamt etwa zehn Studierenden durch lautes Türschließen als störend. Äußere Einflüsse und die mehr als doppelte Anzahl von Teilnehmenden im Vergleich zur ersten Lehrveranstaltung könnten ebenfalls als Ursache für unruhige Phasen geltend gemacht werden.
Das Spiel wurde nach der Klärung organisatorischer Fragen als inhaltlicher Einstieg in die Vorlesung genutzt. Die Arbeitsatmosphäre im Hörsaals erschien mir nach dem Spiel konzentrierter als vorher. Der Abstand zwischen den einzelnen Aufgaben im Minutentakt war für mein Empfinden zu lang.

Fragebogen. Mit dem Fragebogen wurde die Meinung der Studierenden zu Hörsaalspielen erfasst. Den Fragen wurde die Erklärung vorangestellt, dass Hörsaalspiele Spiele sind, die in Vorlesungen mit großen Gruppen unter Anleitung der Dozierenden gespielt werden. Der Fragebogen bestand aus zwei Teilen. Im ersten Teil wurden persönliche Angaben und Fragen zu Spielen bzw. Hörsaalspielen allgemein gestellt. Der zweite Teil richtete sich mit Fragen zu Erfahrungen und Bewertungen von Hörsaalspielen nur an diejenigen Studierenden, die bereits in Vorlesungen Hörsaalspiele mitgespielt haben.

Teil 1. Der Fragebogen wurde vor der Durchführung des Hörsaalspiels an die Studierenden ausgeteilt und von 56 Personen (12 männlich/43weiblich/1 o. A.) ausgefüllt. 44 Studierende gaben als Fachrichtung WHRS(O) [Lehramt Werk-, Haupt- und Realschule ?], zwei Haupt-, vier Real-, eine/r Grundschullehramt und fünf Sonderpädagogik an. 25 Studierende befinden sich im ersten, 22 im zweiten, fünf im dritten und vier im vierten Semester. Hier ist die Spanne also nur halb so groß wie in der ersten Lehrveranstaltung. Interessant ist die Verteilung der Altersgruppen: 34 Studierende sind zwischen 19 und 21, 16 zwischen 22 und 25 sowie sechs zwischen 26 und 45 Jahre alt. Hier stellt sich für mich wieder die Frage nach Erst- oder Zweitstudium bzw. bisherigen Ausbildungen der Studierenden.
14 Studierende bevorzugen Bewegungsspiele, zehn hingegen Brettspiele. Vier favorisierten digitale Spiele auf dem PC, Tablet, Smartphone, … und drei Teilnehmende gaben Kartenspielen den Vorrang. Zählt man die Mehrfachnennungen dazu, sieht die Verteilung aber so aus: je 29 Bewegungs- und Brettspiele, 23 (das sind nach meiner Rechnung etwas mehr als 40 Prozent und im Vergleich zur V1: 28 Prozent) digitale und neun sonstige (Strategie-, Glücks-, Ball-, Sport-, Rollen-)Spiele. Für den nächsten Fragebogen wäre wahrscheinlich eine Rangfolge sinnvoll. Darüber muss ich noch mal nachdenken.
Neun Befragte spielen täglich, je sieben fünf- bis sechs- bzw. drei- bis vier- und 16 ein- bis zweimal pro Woche. Zehn Studierende nehmen sich ein- bis zweimal und sieben weniger als im Monat Zeit zum Spielen. Interessant auch hier wieder die Frage nach Anzahl der Stunden pro Spiel. Obwohl nach der täglichen Spielzeit gefragt wurde, wurden die Antwortmöglichkeiten auch von anderen Studierenden ausgefüllt. Für mich ist das ein klarer Hinweis darauf, die Frage neu zu formulieren.
Punkte und Ranglisten sind 17 Befragten (eher) unwichtig und 14 (eher/sehr) wichtig. 25 wählten die mittlere Kategorie. Wettbewerbssituationen finden 13 Studierende (eher) unwichtig, 21 (eher/sehr) und 22 teils/teils wichtig. Ein klares Ergebnis gibt es bei den nächsten Fragen: 44 Befragten ist die Interaktion zwischen den Mitspielern (eher/sehr) und zehn teils/teils wichtig. Nur zwei Studierenden halten die Interaktion für unwichtig. Das Verständnis der Funktionsweise von Spielen ist 30 Befragten (eher/sehr) und zehn teils/teils wichtig. Nur eine Person findet das unwichtig.

Nach dem quantitativen Teil wurde qualitativ danach gefragt, welche Vorteile Hörsaalspiele nach Meinung der Studierenden haben können. Wie in der ersten Vorlesung gab es viele unterschiedliche Vorstellungen der Vorteile von Hörsaalspielen. Für mich überraschend standen jedoch nicht Spaß/ Freude (acht), sondern Wissen vertiefen/besseres Verständnis der Vorlesungsinhalte sowie Abwechslung mit je 14 Nennungen am Anfang der Liste. Spitzenreiter ist allerdings eine lockere Atmosphäre/Pause (16). Fasst man Interaktionen, Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Studierenden zusammen, kommt es zu 21 Nennungen – und einer Umstellung der Positionen innerhalb der Liste. Die Aufgabe ist also klar: Nach der Auswertung der Fragebogen aus der dritten Lehrveranstaltung müssen Kategorien gebildet werden. Vielleicht noch ein paar Beispiele: Kennenlernen und Kontakte zu anderen Studierende sowie spielerische Annäherung/Einführung in das Vorlesungsthema (10), Motivation (6), Steigerung der Aufmerksamkeit (5 Nennungen). Jeweils zwei Studierende machten keine Angaben zu Vorteilen, hatten keine Vorstellung von Hörsaalspielen bzw. nannten „persönliche Bindung zum Dozenten aufbauen“ und Interaktion mit Dozenten als Vorteil. Interessant finde ich die Vorteile neue Lehrmethoden, Stressabbau durch Bewegung und Vorbereitung auf berufliche Problemsituationen aus studentischer Sicht.
Auf die Frage nach den möglichen Nachteilen von Hörsaalspielen antworteten 23 (!) Studierende mit Unruhe/Lärm. Zeitverlust für Vorlesungsinhalte/-verschwendung sowie Ablenkung vom Thema/nicht Aufgreifen der Inhalte befürchten immerhin jeweils 16 Befragte. Die Zahlen müssen vor der Kategorienbildung allerdings noch mit etwas Vorsicht betrachtet werden, denke ich. Fünf Studierende machten keine Angaben zu möglichen Nachteilen. Folgende Angaben aus den Fragebogen brachten mich auf die Idee, aus den Antworten neue Fragen für die Modifizierung zu bilden: „Für Einzelne zu kindisch“, „Dozent/Lehrveranstaltung wird nicht mehr ernst genommen“, „Gefahr, dass die Vorlesung einen ungewollt komischen/abschätzenden Charakter erhält“ und „Vorlesung verkommt zu einer Kindergartengruppe, in der der Spaß im Vordergrund steht“.
Einige Beispiele aus den Begründungen der Vor- und Nachteile: „Situation wird entspannter“, „wenn es lustig ist und zum Mitmachen, bleibt mehr hängen als sonst“, „Studenten sind aktiv beteiligt“, „man kommt auch mit bisher Unbekannten in Kontakt“ im Gegensatz zu „Studenten kommen evtl. wegen Hörsaalspielen nicht wieder“, „nicht Interessierte stören“, „könnte peinlich sein“ oder „in dieser Zeit wird kein Fachwissen vermittelt“. Auch das sind schöne Ansätze für neue Fragen.

Teil 2. Wie schon in der ersten Vorlesung füllten auch diesmal nur drei Studierende (1 männlich/2 weiblich) den zweiten Teil des Fragebogens aus. Neben Lehrveranstaltungen in Mathematik und Physik gab es Erfahrungen in Vorlesungen, die das Wort „Spiel“ bereits im Titel tragen (Improvisation und Spiel, Sprecherziehung). Es gibt im Zusammenhang mit den Ergebnissen aus der ersten Vorlesung eine kleine Tendenz hinsichtlich der Durchführung von Spielen: Es wurde überwiegend in der Mitte des Semesters gespielt und auf fünf Befragten (1 o. A.) wirkten sich die Spiele motivierend auf ihre Lerntätigkeit aus .

Vorsichtiges Fazit. Die Studierenden dieser Lehrveranstaltung scheinen an abwechslungsreicher Vermittlung von Inhalten sowie lockerer Atmosphäre in der Vorlesung interessiert zu sein und befürchten, dass Spiele im Hörsaal u. a. zu Unruhe und Zeitverlust führen können. Die Fragebogen wurden, wie auch in der ersten Vorlesung, ehrlich und mit vielen Anregungen für die weitere Untersuchung ausgefüllt. Über diesen „Ernst bei der Sache“ kann sich meiner Ansicht nach jede Lehrkraft freuen. Ich halte diese Arbeitseinstellung für einen guten Start in das Semester, vor allem, was die Beziehung zwischen Dozierenden und Studierenden betrifft.

Auf, zur dritten Runde. 🙂

 

 

 

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3 comments so far

  1. […] und ließ das leise Gemurmel der Studierenden schlagartig verstummen. Sie saßen wie in der V2 (hier) etwa gleichmäßig verteilt auf den Plätzen in allen Reihen des Hörsaals. Nach zehn Minuten […]

  2. […] Stand up! (Beschreibung hier), welches in drei verschiedenen Vorlesungen eingesetzt wurde (hier, hier und hier) und zu dem zwei Interviews stattfanden (hier und hier). Die Idee zu diesem Spiel stammt […]

  3. […] drei Vorlesungen (V1 hier, V2 hier, V3 hier) wurden am Anfang des Sommersemesters 2014 insgesamt 130 Studierende schriftlich nach […]


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