VL_1_DA_Tha_Sp#22_FBv_n25

Die Überschrift ist kein Geheimnis, sondern eine Abkürzung. Nach dem kurzen Überblick (hier) habe ich den ersten Versuch unternommen, die Daten aus dem Beobachtungsprotokoll der Vorlesung 1 mit der Lehrperson A zum Thema a und den Fragebogen von 25 Studierenden vor der Durchführung des Hörsaalspiels #22 (Beschreibung hier) zu sortieren. Dieser Beitrag ist deshalb zweigeteilt. In der ersten Hälfte gibt es Details aus dem Beobachtungsprotokoll zur Vorlesung und in der zweiten Hälfte geht es um die Antworten aus dem Fragebogen für Studierende.

Beobachtungsprotokoll zur Vorlesung. Die Lehrveranstaltung begann pünktlich mit der Begrüßung und der Klärung organisatorischer Fragen. Aufgefallen ist mir, dass die Studierenden ausschließlich die Plätze in den ersten zwei Reihen besetzten und Tür zum Hörsaal geöffnet blieb. Nach 15 Minuten wurde der Ablauf der Vorlesung erklärt und die Studierenden beauftragt, mit ihren Nachbarn innerhalb von fünf Minuten vorbereitete Fragen zu besprechen. Nach Ablauf der Zeit wurden die Fragen laut im Plenum vorgetragen und an der Tafel notiert. Ein verspäteter Teilnehmer (ungegendert) betrat den Hörsaal. Durch eine schnelle Abfrage per Handzeichen konnte festgestellt werden, wie viele der Studierenden ebenfalls an der Beantwortung der Fragen an der Tafel interessiert waren. Es folgte eine Erklärung zu der am häufigsten gestellten Frage (Begründung einer bestimmten Kopfrechenaufgabe?) und die Aufgabe, wiederum mit dem Nachbarn innerhalb von zehn Minuten eine Begründung für die Erklärung zu finden. Ab Minute 40 wurden die Antworten vorgetragen und die restlichen Fragen in der beschrieben Art und Weise gemeinsam beantwortet. Nach 70 Minuten erteilte die Lehrkraft Übungsaufgaben für die Lerngruppen, ein Zuhörer (ungegendert) verließ die Lehrveranstaltung und eine zweite Lehrperson traf ein. Die Tür wurde geschlossen, der Fragebogen an die Studierenden ausgeteilt, erklärt und ausgefüllt.

Spiel. In Minute 80 begann das Hörsaalspiel #22, indem die Lehrperson die Studierenden in zwei Gruppen teilte und verschiedenfarbige Karten mit den Ziffern 0 bis 9 zufällig verteilen ließ. Als das Ziel des Spiels genannt wurde (Kopfrechnen üben), ging ein vernehmbares Stöhnen durch die Reihen. Am Beispiel 7 mal 8 wurde der Ablauf des Spiels demonstriert. Die Lehrperson fragte nach der Zehnerstelle des Ergebnisses, die Karte mit der Ziffer 5 wurde hochgehalten und die Teilnehmer darauf hingewiesen, zusätzlich mit der Karte in der Hand aufzustehen. Diese Erklärung löste lautes Gelächter aus und die Studierenden klappten die Tische mit der Schreibfläche ab (vermutlich, um schneller aufstehen zu können). Für die Lösung der ersten Aufgaben wurde den Studierenden mittels Online-Timer jeweils 20 Sekunden Zeit gewährt und die Ergebnisse in einer Tabelle an der Tafel notiert. Der Einsatz einer App (Pferderennen) zur Visualisierung des Punktestandes musste verworfen werden, nachdem ersichtlich wurde, dass sich damit keine Punktabzüge darstellen lassen. Die Idee honorierten die Studierenden jedoch wieder mit freundlichem Gelächter. Unklarheiten traten auf, als alte Punktestände von der Tafel abgewischt und durch neue ersetzt wurden. Es gab ein leises „Gemurmel“ in den Bankreihen.
Die Einhaltung der Spielregeln konnte ich nicht immer genau verfolgen (es war so spannend…). Mich hätte z. B. interessiert, wie die Wertung vorgenommen wurde, als zwei Studierende mit dem richtigen Ergebnis die Karte hochgehalten haben, eine/r von ihnen jedoch zusätzlich aufgestanden ist. Die vierte Aufgabe konnte von niemandem innerhalb der Zeit gelöst werden und wurde deshalb gemeinsam an der Tafel bearbeitet. Für die letzten beiden Aufgaben standen den Studierenden nur noch zehn Sekunden zur Verfügung. Dafür erhielten sie für das richtige Ergebnis nun fünf Punkte statt wie bisher nur einen Punkt. Nach einer kurzen Diskussion um die Punktetabelle und freudigen Gesichtern bei der Gewinnergruppe wurde die Lehrveranstaltung pünktlich mit der Frage beendet, warum Kopfrechnen für Grundschullehrer so wichtig ist.

Fazit. Die Arbeitsatmosphäre der sehr disziplinierten Studierenden erschien mir vor dem Spiel genau so intensiv und konzentriert wie während des Spiels. Inhaltlich schloss sich das Spiel hervorragend an das/ein Thema der Vorlesung an. In meiner Wahrnehmung befanden sich die Studierenden am Ende des Spiels in gelöster, freudiger Grundstimmung und mich hätte an der Stelle brennend die Wahrnehmung der Studierenden per Daumenabfrage interessiert.

Fragebogen. Mit dem Fragebogen sollte die Meinung der Studierenden zu Hörsaalspielen erfasst werden. Den Fragen wurde die Erklärung vorangestellt, dass Hörsaalspiele Spiele sind, die in Vorlesungen mit großen Gruppen unter Anleitung der Dozierenden gespielt werden. Der Fragebogen bestand aus zwei Teilen. Im ersten Teil wurden persönliche Angaben und Fragen zu Spielen bzw. Hörsaalspielen allgemein gestellt. Der zweite Teil richtete sich mit Fragen zu Erfahrungen und Bewertungen von Hörsaalspielen nur an diejenigen Studierenden, die bereits in Vorlesungen Hörsaalspiele mitgespielt haben.

Teil 1. Der Fragebogen wurde vor der Durchführung des Hörsaalspiels an die Studierenden ausgeteilt und von 25 Personen (4 männlich/21weiblich) ausgefüllt. Alle studieren in der Fachrichtung Grundschullehramt (homogene Gruppe), davon 15 im ersten Semester, fünf im vierten, zwei im zweiten und jeweils eine/r im dritten, siebten bzw. achten Semester. Diese Mischung finde ich bemerkenswert. Etwa ein Drittel der Studierenden ist 21, ein weiteres Drittel 22 bzw. 23, je drei sind 19 bzw. 20 und je eine/r 24 bzw. 25 Jahre alt. Im nächsten Fragebogen würde mich deshalb interessieren, ob es sich um ein Erst- oder Zweitstudium handelt.
Zu etwa je einem Drittel werden von den Befragten Brett- bzw. Bewegungsspiele bevorzugt. Nur eine/r favorisiert digitale Spiele auf dem PC, Tablet, Smartphone, …) bzw. Sonstige (Kartenspiele). Die fehlenden Werte sind Mehrfachnennungen zuzuordnen mit immerhin noch vier Brett- und je sechs Bewegungs- bzw. digitalen Spielen. Hier wäre zu überlegen, ob im nächsten Fragebogen Mehrfachnennungen zugelassen oder die Antwortmöglichkeiten begrenzt sein sollen.
Zehn Befragte spielen ein- bis zweimal im Monat, je eine/r seltener bzw. fünf- bis sechsmal pro Woche. Je vier Personen spielen drei- bis viermal bzw. ein- bis zweimal pro Woche und fünf Studierende spielen täglich, davon eine/r weniger als eine Stunde und vier ein bis zwei Stunden pro Tag. Interessanterweise sind die täglich Spielenden diejenigen, welche digitale Spiele bevorzugen.
Obwohl in der Frage die Wörter täglich bzw. Tag enthalten waren, kreuzten auch einige Befragte, die nicht täglich spielen, verschiedene Möglichkeiten an. Hier muss noch an der Formulierung bzw. Erweiterung der Frage gearbeitet werden.
Zwölf Studierenden sind Punkte und Ranglisten in Spielen teilweise wichtig, acht finden sie eher wichtig. Wettbewerbssituationen sind für etwa ein Drittel unwichtig, wichtig oder teilweise wichtig. Eindeutiger fallen die Antworten bei der Frage zur Bedeutung von Interaktionen zwischen den Mitspielern aus. 13 Befragte ist die Interaktion sehr wichtig, acht wichtig und nur vier Personen kreuzten die Möglichkeit teils/teils an.
Kenntnisse über die Funktionsweise von Spielen halten 14 Studierende für sehr bzw. wichtig. Einem Drittel sind diese Kenntnisse teilweise und drei Befragten eher unwichtig.

Nach dem quantitativen Teil wurde qualitativ danach gefragt, welche Vorteile Hörsaalspiele haben können. Auffällig fand ich, dass sechs Mal „mehr Interaktion [in Großgruppen]“ genannt wurde. Ich vermute, dass sich die vorangegangene Frage zur Bedeutung der Interaktion hier ausgewirkt hat. Vielleicht gab es auch einen Austausch zwischen den Studierenden. Das ist jetzt nicht zu ergründen. Neunmal wurde „(Auf-)Lockerung zwischendurch“ als Vorteil genannt und je viermal Spaß bzw. Kennenlernen der Teilnehmer. Konzentrationsförderung, Gruppendynamik verbessern und Abwechslung sehen jeweils drei Studierende als Vorteil von Hörsaalspielen. Motivation, Erfolgserlebnisse, spielend lernen, bessere Kommunikation zwischen den Studierenden, Gemeinschaft stärken, „Pause vom Denken (Gehirn ankurbeln)“, Teambildung und Zusammenarbeit waren Vorteile für jeweils zwei Studierende. Sehr interessant finde ich die folgenden genannten Vorteile: Informationsvermittlung, Gruppenklima verbessern, Integration aller Teilnehmer, gemeinsam lernen, besseres Verständnis, Beispiel für Theorie, Stress vermindern, Überprüfung des Gelernten, mehr Interesse und Mitarbeit. Mir scheint hier eher der Wunsch nach Verbindung von Inhalt der Vorlesung und Hörsaalspiel anzuklingen.
Die Möglichkeit, Begründungen für die angegebenen Vorteile anzugeben, wurde kaum genutzt.
Überraschend war für mich der Vergleich von Vor- und Nachteilen: Die Listen sind gleich lang!
Zwar gaben vier Studierende an, dass Hörsaalspiele keine Nachteile haben können. Sechs Befragte gehen jedoch davon aus, dass Spiele in Vorlesungen Zeitverschwendung sein bzw. zu Zeitverlust insbesondere vor der Klausur führen können. Je zwei Angaben beziehen sich auf Unruhe bzw. Lautstärke beim Spiel. Als Nachteile wurden außerdem genannt: Bloßstellen einzelner Teilnehmer durch die volle Aufmerksamkeit der gesamten Gruppe, Langeweile bei „stumpfen“ Spielen, erzwungene Situation für diejenigen, die nicht spielen wollen, „Entartung in Albernheit“, „Was mache ich hier“-Gefühl, Ablenkung vom Stoff der Vorlesung, private Späße mit dem Nachbarn, unvorteilhafte Platzverteilung, zu viele Beteiligte, großer Raum, einzelne könnten sich ausklinken, Lustlosigkeit, kein Interesse und daraus folgend schlechte Stimmung, Teambildung als Anlass zu Konflikten, kein Zusammenhang mit der Thematik der Vorlesung, Unwohlsein in Vergleichssituationen, „jeder muss spielen wollen“ und Spiele könnten Lernziele verfehlen. Ein/e Befragte/r machte sich sogar Sorgen um die Dozierenden: „Je größer die Gruppe, desto schwieriger wird es für den Dozent“.

Teil 2. Der zweite Teil des Fragebogens wurde von drei Studentinnen ausgefüllt. Das reicht leider nicht mal, um eine Tendenz zu erkennen, geschweige denn für eine sinnvolle Auswertung.

Fazit. Während es im quantitativen Teil nun darum geht, den Fragebogen zu modifizieren, sind die Antworten aus dem qualitativen Teil sehr differenziert und oft gut durchdacht. Sie müssen noch sortiert werden, aber bei einigen fällt sofort auf, dass Kategorien gebildet werden können. Bei anderen wiederum würde ich mittels Interview gerne weitere Informationen erhalten. Diese Chance habe ich mir allerdings durch einen groben Fehler vorerst entgehen lassen. Die Fragebogen wurden zwar nach Gruppen codiert, jedoch nicht nach Befragten. Ich habe allerdings schon eine Idee, wie die Einzelcodierung nachträglich durchgeführt werden könnte.

So, jetzt nehme ich mir die Daten V2_DB_Tha_Sp#22_FBv_n56 und V3_DB_Thb_Sp#22_FBv_n49 vor und außerdem müssen dringend drei Experteninterviews auf externen Datenträgern gesichert und ausgewertet werden. Los geht’s!

 

 

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4 comments so far

  1. […] der Zusammenfassung der ersten Vorlesung (hier), geht es in diesem Beitrag um die Daten aus dem Beobachtungsprotokoll der Vorlesung 2 mit der […]

  2. […] Stand up! (Beschreibung hier), welches in drei verschiedenen Vorlesungen eingesetzt wurde (hier, hier und hier) und zu dem zwei Interviews stattfanden (hier und hier). Die Idee zu diesem Spiel […]

  3. […] drei Vorlesungen (V1 hier, V2 hier, V3 hier) wurden am Anfang des Sommersemesters 2014 insgesamt 130 Studierende schriftlich […]

  4. […] mit systematischer Analyse ganz anders lesen, als wenn man nur so landläufig darüber berichtet (hier oder hier). Der Rahmen der Vorlesung bleibt zwar gleich (Fach, organisatorische Besonderheiten, […]


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