Speed-Dating

Meine Twittertimeline ist manchmal unerbittlich. Der erste Hinweis auf Speed-Dating als Methode in der Hochschullehre kam von @dunkelmunkel (hier). Heute zogen @mschaki und @VeeDombrowski nach. Es geht dabei um einen Video-Beitrag aus dem Blog „Einfach gute Lehre“ der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (hier) bzw. aus dem Blog „Studium & Lehre“ der Technischen Universität München (hier) und die Frage, ob sich Speed-Dating auch als Hörsaalspiel eignen würde.

Im Video beschreibt Melanie Haug die Methode und spricht über ihre Erfahrungen damit im Rahmen von Seminaren. Außerdem kommen einige Studierende zu Wort und man erhält einen kleinen Einblick in den Ablauf des Seminars. Ziel der Methode ist nach Haug, durch Fragen des Dozenten den Erfahrungsaustausch über das Schulpraktikum zwischen Pädagogikstudierenden anzuregen und dabei jeweils neue Studierende kennen zu lernen. Das klingt witzig und die befragten Teilnehmenden fanden das Speed-Dating amüsant, gut und cool. Es wird „Dampf abgelassen“ (Haug) und eine gute Grundstimmung für das Seminar geschaffen. So weit, so gut!

Tja, und jetzt die Twitter-Preisfrage: Lässt sich Speed-Dating auch in der Vorlesung verwenden bzw. kann daraus ein Hörsaalspiel entwickelt werden? Grundsätzlich ja, finde ich. Es kommt hier wie überall auf das Ziel an. Zum Beispiel: Ist es wichtig für das Verständnis der Inhalte, in der Vorlesung die Mitstudierenden zu kennen? Nein. Ist es wichtig für das Lernen, eine angenehme Atmosphäre im Hörsaal zu schaffen? Ja (s. a. Winteler). Ist es nötig, den Erfahrungsaustausch während der Vorlesung zu fördern? Ja und nein. Ist es wichtig, die Ergebnisse des Erfahrungsaustausches den Mitstudierenden im Hörsaal zugänglich zu machen? Ja. Ist es wichtig, sich während der Vorlesung zu bewegen? Ja und das gefällt mir übrigens sehr an der Idee.

Es gibt sicher noch viel mehr Ziele und Antworten auf Fragen, mit denen sich der Einsatz von Speed-Dating als Hörsaalspiel begründen ließe. Dennoch kneifen mich im Moment folgende Gedanken: (1) Haug sagt im Video, dass der Dozent von den Inhalten der Gespräche nichts mitbekommt. Vermutlich werden auch die Studierenden außerhalb ihrer Tandems nicht viel erfahren. Das ist mir zu wenig für eine Vorlesung. Es müsste also eine Gelegenheit geschaffen werden, die Informationen aus den kurzen Gesprächen als Zusammenfassung für alle sichtbar darzustellen, z. B. an der Tafel. Der Einsatz mobiler Medien erscheint mir an dieser Stelle sinnvoll und zeitsparend. (2) Haug erwähnt, dass sie dem Speed-Dating ein kurzes Gespräch im Plenum folgen lässt. Auch das ist mir zu wenig „Ertrag“ für ein Hörsaalspiel. Mit der in Punkt (1) genannten Zusammenfassung könnte die Diskussion erst richtig starten. (3) Für diese Diskussion sind gute Fragen wichtig. Gut im Sinne von anregend. Haug gibt im Video-Beitrag zwei positiv formulierte Fragen als Beispiel vor. Solche Fragen zu finden kann einerseits Bestandteil des Spiels sein, andererseits müssten Fragen auch für theoretische Inhalte gestellt werden können. Das führt zu Punkt (4). Erfahrungsaustausch halte ich für grundsätzlich nötig. Er könnte aber genau so gut in Moodle oder der Mensa erfolgen. Wie sieht es jedoch bei Fächern oder Studiengängen aus, bei denen noch nicht auf eigene Erlebnisse zurück gegriffen werden kann? Wie müsste ein Hörsaalspiel nach dem Vorbild Speed-Dating angelegt sein, um Funktionen außerhalb des Erfahrungsaustausches zu erfüllen? (5) Eine weitere Möglichkeit wäre, diese Methode als eine Form der Gruppenbildung zu verwenden. In dem Kommentar von Frauke scheint das bereits zu funktionieren (hier). Für die Zusammenarbeit in Gruppen kann es auch von Vorteil sein, sich vorher ein wenig kennen zu lernen, wie es Kati Lüdecke-Röttger in ihrem Kommentar beschreibt (hier). Aber reicht Kennenlernen auch als Begründung für ein Hörsaalspiel? Mir nicht, sonst würde ich nicht so komisch fragen. Auch bei der ursprünglichen Form und Weiterentwicklung des Speed-Dating geht es ja zunächst nur um die Möglichkeit, neue Beziehungen anzubahnen. Der entscheidende Teil liegt aber wohl eher in der Fortsetzung des Speed-Dating und genau da müsste man bei der Entwicklung des Hörsaalspiels ansetzen. Es geht mir dabei um das Ziel für die Vorlesung sowie den Sinn neben Erfahrungsaustausch und Kennenlernen. Oder habe ich mich bei diesem Speed schon verrannt?

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4 comments so far

  1. Michael Veeser-Dombrowski on

    Danke für die vielen weiterführenden Fragen und Anregungen.
    Sie erweitern meine Reflexionen meiner Unterrichtspraxis, in der ich diese Methode bisher als Kennenlern- oder Aufwärm-Methode oder zu Beginn eines neuen Themas zum „Ins-Sprechen-Kommen“ nutze.

  2. Kristina Lucius on

    Und wie gestaltest Du dann den Übergang zum Thema?

  3. […] Video aus diesem Beitrag (hier) wünschte sich eine Studentin mehr Fragen beim Speed-Dating. Diesem Wunsch entnehme ich, dass ihr […]

  4. […] ich mich mit der Frage, ob sich aus der Methode Speed Dating ein Hörsaalspiel entwickeln lässt (hier). Ich habe die Methode nun „nach allen Regeln der Kunst“, sprich: mit Hilfe des Leitfadens, in […]


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