So funktioniert es nicht

Der Vortrag beim Treffen der Playgroup HD Anfang März verlief ein wenig anders als erwartet. Die Vorbereitung darauf hatte mir einigen Spaß gebracht (hier) und nun sollte es auf das Sprechen ankommen. Es gab diesmal übrigens keine kleineren Katastrophen mit Kabeln auf dem Fußboden oder plötzlich davon rollenden Sitzgelegenheiten. Das Spiel während der Präsentation war leider nicht der Brüller, was zu meiner Verwunderung an der schlechten Erklärung gelegen haben muss. Dabei schien es in der Theorie so einfach: Einteilung in zwei Gruppen.Wer etwas fragen oder sagen will, zieht zuerst einen Mikadostab. Passiert das ohne Wackeln der anderen Stäbe, bringt das gezogene Holz für die Gruppe einen Punkt. Fertig. Vorteil: Lästiges oder langes Melden der Zuhörer entfällt. Es ist für alle sichtbar, wer sprechen möchte. Keiner wird übersehen. Die Reihenfolge muss nicht eingeteilt werden, sondern reguliert sich sozusagen von selbst. (Didaktisches) Ziel: Möglichst viele Zuhörer durch das Sammeln der Stäbe anzuregen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Wer „gewackelt“ hat, durfte die Frage natürlich trotzdem stellen. Der Stab war für die Gruppe jedoch futsch. Jedenfalls hat das Spiel nicht so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte. Sich bei einer Frage zu melden, ist kein Problem. Das optische Zeichen durch eine Handlung zu ersetzen ist dagegen in diesem Fall nicht optimal gewesen. Vielleicht ist es eine Frage der Gewohnheit? Dieses Spiel hatte deshalb nur für mich etwas Gutes. Die Aufregung war dahin und etwas Besseres hätte mir nicht passieren können.

Ein zweites Spiel war im Vortrag versteckt. Ich wollte Elemente, Ziele und Funktionen der bisherigen Hörsaalspiele erklären. Damit die Zuhörer dem Inhalt besser folgen können, waren die Bilder von allen 15 Spielen als Rahmen um die Folien gelegt (z. B. Feedback, Folie 20). Wenn es Inhalte gab, zu denen ein Spiel nicht passte, war das entsprechende Bild nicht zu sehen (z. B. Begriffe, Folie 21 oder Zielorientierung, Folie 22). Die Zuhörer sollten nun herausfinden, welches Bild bzw. Hörsaalspiel auf der Folie fehlt. Ein Bilderrätsel sozusagen, aber auch das hat nicht gut funktioniert. Einerseits war diese Aufgabe mit 15 Bildern vielleicht zu schwer, andererseits fand ich die Diskussion dazu witzig.

Schließlich hatte ich noch drei Fragen an die Gruppe. (1) Wo lassen sich Hörsaalspiele einordnen? Es sind keine Lernspiele und keine Serious Games. Game-based Learning passt auch nicht so richtig… (2) Wie lassen sich Hörsaalspiele mit mobilen Geräten umsetzen? Viele Spiele benötigen noch Material, wie Stift und Papier. Das kostet Zeit und zwar je mehr, desto mehr Studierende in der Vorlesung sitzen. Einen Ansatz fand ich inzwischen im Blog „Zentrum für multimediales Lehren und Lernen“ von der Uni Halle. Dort wird das Audience Response System ARSnova für das anonyme Feedback im Hörsaal verwendet. (3) Sind Spiele urheber- oder markenrechtlich geschützt? Tja, und bei dieser Frage wird es wirklich eng! Ich habe mal eine kleine Liste angelegt mit den Informationen, die ich zu den einzelnen Spielen finden konnte (hier). Das sieht nicht richtig gut aus für die Hörsaalspiele, aber noch ist hoffentlich nicht alles verloren. So wollte z. B. ein Hersteller die Rechte an dem Spiel „Stadt-Land-Fluss“ erhalten. Die Klage wurde abgewiesen, aber darauf will ich es ja gar nicht erst ankommen lassen.

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8 comments so far

  1. Kristina Lucius on

    Timo van Treeck kommentierte den Beitrag folgendermaßen:
    „Danke für den offenen Einblick! Was ich mich beim lesen gefragt habe: Was genau hat denn nicht funktioniert? Wie sah genau deine Erwartung aus und was ist dann eingetroffen? Als Frage vor der Fehleranalyse (du gibts ja eine zu mikado). Und als du den Eindruck hattest, dass es so nicht funktioniert: wann hast du das gesehen? Hättest du irgendwie reagieren können oder hast du es? Was hat sich daraus ergeben? Ein Bilderrätsel in den Folien zu verstecken erinnert mich an den gamification mooc von iversity. Dort hat sich bei der Videoaufzeichnung des Vortrages im Regal hinter dem Prof immer irgendwas verändert und das sollte irgendeinen Sinn ergeben. Ich war aber vor der Auflösung drop-out. Also danke fürs teilen und wenn die Antworten auf die Fragen vielleicht gar nicht Absicht für den Post waren, einfach als Feedback nehmen, dazu was ich mich gefragt hab.“

    Diese Fragen haben mich angeregt, gründlicher über die Ursachen für das Nichtfunktionieren nachzudenken und es sieht so aus, als hätte ich ein paar Fehler gefunden. Hier sind hier meine Antworten auf die einzelnen Fragen getrennt nach den Spielen mit herzlichem Dank an Timo!

    „Was genau hat denn nicht funktioniert? Wie sah genau deine Erwartung aus und was ist dann eingetroffen?“
    Bei dem Spiel „Mikado“ hatte ich die Erwartung, dass vor jeder Frage/Aussage in der Diskussion ein Stab gezogen wird. Das Spielgerät war in seiner Größe so gewählt (Stäbe = 50 cm), dass es auf dem Fußboden gespielt werden sollte. Damit hatten die Zuhörer die Möglichkeit, sich während des Treffens ein wenig zu bewegen. Also vom eigenen Platz aufstehen, den Stab nehmen und sich wieder auf den Platz setzen. Im Idealfall, bei mehrmaligen Antworten, wäre diese Bewegung für den Einzelnen öfter gegeben. Ganz genau genommen, hat das auch funktioniert und zwar dann, wenn ich die Zuhörer daran erinnert habe, sich vor dem Wortbeitrag einen Stab zu nehmen. So, und das empfand ich als „aufgesetzt“. Diskussion und Spiel bildeten für mich keine Einheit. Inzwischen bin ich sogar der Meinung, dass es für das Gespräch regelrecht tödlich war, das Spiel einzusetzen.

    „Und als du den Eindruck hattest, dass es so nicht funktioniert: wann hast du das gesehen? Hättest du irgendwie reagieren können oder hast du es? Was hat sich daraus ergeben?“
    Beim Mikado-Spiel war sehr schnell erkennbar, dass es in der Variante aus dem obigen Beitrag nicht funktioniert. Den Ablauf hatte ich vor dem Vortrag erklärt und die ersten Zwischenfragen zeigten, dass die Erklärung entweder vergessen wurde oder nicht gut genug war. Ich reagierte mit einem Hinweis auf das Spiel und diese Bemerkung wurde von den Zuhörern umgesetzt. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, dass das Spiel so nicht funktioniert. Für reines Abfragen nach dem Frage-Antwort-Prinzip könnte das Spiel jedoch eingesetzt so eingesetzt werden, wie im Hörsaalspiel #9 beschrieben. Dort sitzen die Spieler bereits um die Stäbchen herum und die Bewegung entfällt.

    „Was genau hat denn nicht funktioniert? Wie sah genau deine Erwartung aus und was ist dann eingetroffen?“
    Bei dem Suchspiel sollte herausgefunden werden, welches Bild von insgesamt 15 Bildern fehlt. Das ist nicht gelungen, obwohl ich vor dem Treffen davon ausgegangen bin, dass die Aufgabe zu leicht sei. Während des Vortrages waren immer wieder sämtliche Spiele auf den Folien zu sehen, so dass ich vermutete, dass die Aufgabe im Verlauf noch einfacher würde. Vermutlich wirken die Bilder, wenn man sie nicht selbst erstellt hat, ganz anders auf den Betrachter. Vielleicht war auch die Anzahl und die (äußere) Ähnlichkeit der Fotos zu groß.

    „Und als du den Eindruck hattest, dass es so nicht funktioniert: wann hast du das gesehen? Hättest du irgendwie reagieren können oder hast du es? Was hat sich daraus ergeben?“
    Auch hier wurde bereits am Anfang des Spiels klar, dass es nicht funktioniert. Mich hat es so überrascht, dass das Spiel für die Zuhörer nicht leichter wurde, wie ich es erwartete, dass ich keine Reaktion zeigen konnte… Lustig wurde es, wenn sich herausstellte, dass ein angeblich fehlendes Foto dann doch auf der Folie zu sehen war.

  2. Kristina Lucius on

    Ebenfalls von Timo erhielt ich den Link zum Thema „Millersche Zahl“. Jetzt wird es für mich klarer: Es waren wohl doch zu viele Informationen auf einmal…

  3. amirabai on

    Passt zwar nicht so ganz zum Thema und ist vielleicht Haarspalterei, ich denke aber mit dem Gamification MOOC den Timo van Treeck erwähnt ist der auf Coursera von Kevin Werbach gemeint. Dort taucht das Bookshelf Game auf. Der Gamification MOOC auf Iversity benutzt andere Features wie ein Hero’s Character Sheet.

  4. Timo van Treeck (@timovt) on

    @amirabai – danke für die Ergänzung. Genau um diesen MOOC ging es. Die Idee, dass sich im Hintergrund und nicht im Fokus der Präsentation etwas ändert, hatte mich an den MOOC erinnert, genau. Wie das ganze aufgelöst wurde und was ein Charakter Sheet (was ist das?) damit zu tun hatte konnte ich nicht mehr verfolgen, da ich (s.o.) dropout war :D. Und Haarspalterei ist das m.E. nicht, sondern es ist wichtig genau hinzuschauen. Danke also.

  5. amirabai on

    @Timo van Treeck Ich antworte mal hier, weil hier mehr Platz ist. Es gibt momentan mindestens zwei MOOCs zu Gamification. Einen auf Coursera, den anderen auf Iversity. Sie sind durchaus unterschiedlich. Die Auflösung zu der Präsentation im Hintergrund war heute morgen noch nicht vorhanden, der Kurs läuft auch noch eine Woche. Das Hero’s Character Sheet ist von Rollenspielen übernommen, ursprünglich Pen and Paper, und wird von den Spaniern benutzt, die den Iversity Kurs anbieten. Dabei können die Teilnehmenden sich selbst als Spielcharakter erstellt. Ich habe da einerseits nur wenig Erfahrung und andererseits große Probleme die nicht untertitelten Videos zu verstehen, aber es scheint so, dass man aus seiner realen Person mit realen Daten einen Spielcharakter machen kann. Das ist eine sehr weitgehende Übertragung Spielelementen in einen anderen Kontext.

  6. Kristina Lucius on

    David Schnitzer sendete einen Kommentar, den ich hier gerne parke, weil er mir für die Reflexion des Vortrags sehr hilfreich erscheint:

    „Zunächst mal, muss ich sagen, fand ich die eigentliche Idee, die Präsentation zu gamifizieren gut!
    ABER… zunächst hat mir ein bisschen die Einleitung zum Sinn des Spiels gefehlt. Nur um des Spieles willen? Ich denke auch, dass das Mikadospiel für die Fragen vielleicht eher ein bisschen zuviel Ablenkung und Verwirrung gestiftet hat. Zumal wir auf unserer Seite das Spiel nicht mal sehen konnten. Was ich meine ist, dass das einfach zuviel war…Mikadospiel+Präsentation+selbst Fragen entwickeln, bzw. dir folgen. Vielleicht ein kleines Mikadospiel im Anschluss (mit zunächst zurückgehaltenen Fragen?!).
    Im Zuge der „vollen“ Konzentration auf das Mikado und der Präsentation… sind dann einfach Details, wie die Reihenfolge, bzw. fehlende Spielideen auf deinen Folien gar nicht wahrgenommen worden. Auch hier hättest du vielleicht sagen müssen, worauf du in etwa hinaus wolltest, bzw. dass wir unsere Augen für bestimmte Details offen halten sollten.
    All das hat einfach zuviel Verwirrung gestiftet, so dass ich zumindest Probleme hatte, dir auch noch inhaltlich immer zu folgen.
    Deine eigentlichen Fragen haben sich mir nicht unbedingt vollständig erschlossen. Ich weiß noch, dass du wissen wolltest, ob jemand bzgl. Copyright Bescheid weiß…und zur Umsetzung im Hörsaal (Geräte). Ich denke CRS Systeme, die es inzwischen als App zum downloaden gibt könnten da eine Möglichkeit sein!?

    Ansonsten habe ich einfach zu wenig Ahnung von der Sache (Gamification). Ich finde es zwar spannend, bin aber selbst nicht so der große Spieltyp, so dass ich sachlich näher gebrachte Inhalte meist bevorzuge, oder wenn als Spiel, dann in kleinen Häppchen, nicht aber als ganze Einheit.
    Wenn so etwas gemacht wird, dann entziehe ich mich dieser Sache normalerweise eher.
    Das fände ich übrigens mal interessant! Grundeinstellung von Studenten gegenüber gamifizierten Lehreinheiten.“

    Danke, David, für Deinen ausführlichen Rückblick und die vielen Anmerkungen! Ich hoffe doch sehr, dass wir einige Grundeinstellungen der Studierenden zum Thema Spiele in der Lehre herausfinden können.

  7. Roman Rackwitz on

    Hi, danke erst einmal für diese ausführliche Erklärung. Immer schön Erfahrungsberichte zu hören. 🙂

    Zum Thema:
    Wenn Du Leute zum mitmachen bei irgendetwas anregen möchtest, gibt es zwei Ansätze: 1. du machst es Ihnen einfacher und/oder 2. du erhöhst Ihre Motivation.
    Durch die Einführung des Mikadospiels hast du es schon einmal nicht einfacher gemacht. Jetzt war eine zusätzliche Hürde eingebaut. Hier sollten die Leute nun auch noch ihr Geschick zeigen. Viele zögern bei so etwas.
    Vor allem wo lag der Nutzen des Punktes. Einfach nur Punkte zu sammeln macht selten Sinn. Selbst wenn man danach evtl. mehr hat als andere.

    Spiele machen dann Sinn (wenn wir hier schon von klassischen Spielen reden, was ja nicht das Selbe ist wie Gamification) wenn Sie den Usern dabei helfen auf eine lockere Art und Weise, Regelgeführt und mit direktem Feedback verbunden, ein – oftmals gemeinsames – Ziel zu erreichen, dass ansonsten nicht geklappt hätte. Sie sollen jedoch nicht eine Aktion, die ansonsten einfach durchführbar wäre, ersetzen.

    Damit meine ich, dass kein Sinn dahinter stand, dass die Personen die fehlenden Elemente im Rahmen um die Folien selbst finden sollten. Sinn hätte dies gemacht wenn sie dabei eine Methodik hätten benutzen sollen, die du vorher erklärt hättest. Somit wäre das Finden der Lösung das Ergebnis der richtigen Anwendung der gerade gelernten Methodik gewesen. Spiele sind immer eine reine Lernumgebung. Wir lieben es zu spielen, da wir dabei besser in etwas werden (was immer das Spiel halt von uns verlangt).

    Findet dieser Lerneffekt nicht statt, bzw. sehen die Teilnehmer keine richtige Herausforderung in der Handlung, die zu diesem Zeitpunkt auch Sinn macht (Story dahinter, gezieltes Handeln lernen, usw.) dann empfinden die Teilnehmer so etwas schnell als Schikane, bzw. Zeitverschwendung. Game-design-thinking hat hier im Einklang mit dem Umfeld zu stehen. Diesen Einklang zu finden und auch zu kommunizieren ist die Herausforderung. Was immer das ‚Spiel‘ am Ende auch für ein Resultat hat… es muss einen Sinn aufzeigen, ansonsten war es eine gefühlte Zeitverschwendung. Denn Spiele ohne Bezug zur aktuellen Situation (also einfach hinsetzen und zocken zum Spaß) funktioniert nur wenn es total freiwillig geschieht („Ich möchte einfach mal schnell abschalten vom Alltag“). Und diese Freiwilligkeit kann in einer Umgebung wie der von Dir beschriebenen ja nicht (kaum) stattfinden.

    Aber auf jeden Fall cool, es zu versuchen. Und ich denk wenn man sich mal die aktuelle Situation in Hörsaal ansieht, ist es definitiv jeden Versuch wert! 😉

    Cheers, Roman

  8. Kristina Lucius on

    Hallo Roman,
    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und die guten Tipps!
    Im Grunde kann ich noch froh darüber sein, dass mir diese Pleite bei dem Treffen passiert ist. Sich ein Spiel auszudenken und dann zu sehen, ob und wie es in der Praxis funktioniert, sind eben zwei verschiedene Sachen. Den Einklang zu finden, wie Du schreibst, das reizt mich sehr. Mal sehen, ob mir das beim nächsten Mal besser gelingt.


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