Gruppenbildung

Es gibt Lieblingsblogs und Blogs. Zur zweiten Kategorie gehört für mich das Lehrerblog aus der Süddeutschen Zeitung. Es wird regelmäßig in meine Twitter-Timeline gespült und nach dem x-ten Aufkreuzen lese ich dann eben doch wieder dort rein. So auch heute, als mir die Überschrift „Sie sind kein richtiger Lehrer“ auf Twitter entgegen knallte. Im letzten Absatz kam tatsächlich der Kracher: „Meine Referendarin hat Maja, Leonie und die anderen Siebtklässler beim letzten Mal einfach Schokoriegel ziehen lassen. Die mit derselben Sorte waren in einer Gruppe.“ Na, das ist doch ‚mal eine witzige Idee, um Gruppen zu bilden!

Etwas kostengünstiger und garantiert ohne Kalorien sind die folgenden Vorschläge für den Hörsaal. Sie lassen sich nicht nur für Spiele, sondern auch für Gruppenarbeiten, Projekte oder Klausuren verwenden.

Würfeln

Bevor sich die Studierenden zu Beginn der Vorlesung auf ihren Platz setzen, würfeln sie jeweils einmal. Alle Studierenden mit der gleichen Zahl gehören zu einer Gruppe.

Abzählen

Sitzen die Studierenden bereits auf ihren Plätzen, kann je nach gewünschter Gruppenanzahl innerhalb der Reihe abgezählt werden. Beispiel für die Bildung von Vierergruppen: Student A ist „Nr. 1“; Studentin B = „Nr. 2; C = 3, D = 4; E = 1; F = 2 usw. Alle Studierenden mit der gleichen Zahl gehören zu einer Gruppe.

Puzzle

Alte (Werbe-)Postkarten/Plakate/Zeitungen/ … werden zerschnitten. Die Studierenden erhalten vor der Lehrveranstaltung jeweils ein Teil davon und suchen die Studierenden mit den fehlenden Stücken. Alle Studierenden mit der gleichen Postkarte gehören zu einer Gruppe.

Geburtstag/Sternzeichen

Alle Studierenden mit dem gleichen Geburtstag/-monat/Sternzeichen/ … gehören zu einer Gruppe.

Ort/Stadt/Land/Region

Alle Studierenden aus dem gleichen Ort/(Bundes-)Land/Stadtteil oder der gleichen Stadt/Region bilden eine Gruppe.

Familie

Auf etwa zehn gefalteten Zetteln stehen (je nach gewünschter Gruppenanzahl immer wieder die gleichen) Nachnamen Müller, Meier, Schmidt, … Bei der Ankunft im Hörsaal losen die Studierenden ihren „neuen Nachnamen“. Alle Studierenden der „Familie“ Müller, Meier, Schmidt, … bilden eine Gruppe.

Mikado/Zündhölzer

Wer das Hörsaalspiel Mikado in der Vorlesung verwendet, hat das Material bereits vorliegen. Die Studierenden ziehen jeweils ein Stäbchen aus dem Spiel, welches senkrecht von zwei Händen zusammengehalten wird. Alle Studierenden mit dem gleichen Farbmuster gehören zu einer Gruppe. Je nach gewünschter Gruppenanzahl können die Farben vorher sortiert werden. Statt der Mikadostäbchen können auch Zündhölzer mit farblich verschiedenen Köpfen verwendet werden.

Kleidung

Alle Studierenden mit der gleichen Farbe ihrer Kleidung (Oberteile, Hosen, Socken, Schuhe, …) gehören zu einer Gruppe.

Nach der Gruppeneinteilung erfolgt die Namensgebung. Die Vorschläge enthalten oft schon in der Überschrift eine Idee zur Benennung der Gruppen. Allerdings sind Namen wie „Eins“, „Zwei“ oder „A“ und „B“ nicht sonderlich originell. Auch Namen mit räumlichem Bezug wie Tafel-, Fenster-, Wand- oder Türgruppe sind eher praktischer Natur. Witzig finde ich deshalb diese Idee, bei der sich die Studierenden eigene Gruppennamen einfallen lassen.

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5 comments so far

  1. Luci on

    Von Daniel Spielmann erhielt ich heute folgenden Kommentar auf den Beitrag zur Gruppeneinteilung:

    „All attempts to piece together groups in educational contexts mentioned in this article are based on the luck of the draw. While this approach is certainly viable in many cases, I am convinced that in almost as many cases they are bound to fail. Example: I teach in a Master program titled „Biographical and Creative Writing“ where students give away quite a bit about who they are – their character, personal background etc. Experience shows that in this context, grouping through coincidence is probably the worst idea you could come up with. What is needed instead is a grouping approach that brings together like-minded people who have something in common, because it is that shared ground they need to develop the sense of trust and security necessary for opening up to others.“

    Im Kommentar wird u. a. auf die Bedeutung des sozialen Umfeldes für den Einsatz von Spielen verwiesen und ich versuche zu begründen, warum ich das Losverfahren im Kontext der Lehrveranstaltung „Vorlesung“ für geeignet halte.

    1. Die Zusammenstellung der Gruppen durch Auslosung kann als Spiel vor dem Spiel betrachtet werden. Insofern tragen die Vorschläge schon zwei Elemente vieler Spiele in sich, nämlich „Glück“ bzw. „Zufall“ und „Spannung“. Weitere Merkmale von „Spiel“ lassen sich ebenfalls in den Ideen finden, z. B. räumliche und zeitliche Begrenzung, Spielregeln sowie Kontrast zum Alltag.

    2. Die Auslosung von Gruppen, ähnlich wie bei Fußballmeisterschaften, wird meiner Erfahrung nach auch von Lernenden allgemein akzeptiert. Es entfallen a) das „Gezeter“ über „unfaire“, von Lehrenden vorgenommene Einteilungen und b) die u. U. schlechten Gefühle des zuletzt Benannten bei Wahlen durch Vertreter der Lernenden, wie sie z. B. aus dem Sportbereich bekannt sind.

    3. Die im Kommentar angesprochene Gemeinsamkeit der Gruppenmitglieder halte ich ebenfalls für nützlich, um gut lernen zu können. Bei einer großen Anzahl von Zuhörenden sind die Vorschläge eine Möglichkeit, neue soziale Beziehungen einzugehen und dadurch auch Gemeinsamkeiten mit „Fremden“ erst herauszufinden. „Stammplätze“ müssen für die kurze Zeit des Spiels aufgegeben werden. Das schafft den Rahmen für neue Begegnungen mit bisher unbekannten Zuhörenden und neue Blickwinkel auf den Hörsaal als Lernraum.

    4. Die Vorschläge zur Gruppeneinteilung sind nur eine Möglichkeit, den Alltag im Hörsaal abwechslungsreicher zu gestalten. Selbstverständlich können auch bestehende oder sich schnell bildende Strukturen für die Spiele und Aufgaben genutzt werden.

    5. Die meisten Studierenden werden im Berufsleben ebenfalls in die Situation kommen, in Gruppen zusammen zu arbeiten bzw. Gruppen einteilen zu müssen. Kenntnisse über die Möglichkeiten von Gruppenbildung und Erfahrungen aus dem Studium könnten dabei von Nutzen sein.

    6. Auch für die Lehrenden ist es eine spannnende Erfahrung, wenn eben nicht die üblichen guten Studierenden in einer Gruppe und die sehr guten in der anderen Gruppe zusammen arbeiten. Die Chance neuer Sichtweisen auf die Studierenden sollten sich Dozierende meiner Ansicht nach nicht entgehen lassen.

  2. Daniel Spielmann on

    Guter, der Einfachheit halber antworte auch ich mal hier:
    Zunächst vielen Dank Kristina für Deine Reaktion.
    Punkt 1 kann ich nachvollziehen.
    Punkt 2 habe ich im Wintersemester gerade mal anders erlebt. Auslosung allein schützt vor „Gezeter“ nicht. Auch Auslosung kann als „unfair“ empfunden werden. Höchst wahrscheinlich spielt auch mein Kontext – wie gesagt Biografisches Schreiben – eine Rolle. Wenn ich in einer Großgruppe bin, in der ich vielleicht bereits Vertrauen zu ein oder zwei Kommiliton_innen habe und weiß, dass ich im Verlauf meines Studiums in meinen Texten (zwangsläufig) werde teils tiefe Einblicke in meine Persönlichkeit werde geben müssen, habe ich ein gesteigertes Interesse daran, mit eben jener Person in einer Gruppe zu sein. Umgekehrt kann es sein, dass ich bereits in der ersten Sitzung Charaktere treffe, von denen ich einfach per Bauchgefühl weiß, dass ich mit ihnen nichts zu tun haben möchte. Wenn derartige Präferenzen der Gruppe ihnoriert werden, in dem Versuch, allen gleich zu behandeln, behandle ich einige trotzdem nicht so, dass wie es einem gesunden Gruppenklima zuträglich wäre.
    Punkt 3 ist spannend. Für kurze Intermezzi ist das interessant, allerdings müsste _ich_ überlegen, wie ich das didaktisch in meinem Kontext didaktisch umsetze. Solange es in Schreibübungen nicht zu persönlich wird, könnte es in der Tat interessant sein, die Teilnehmer_innen aus ihren Komfortzonen zumindest temporär herauszuholen und zu schauen, was dahinter liegt…
    Punkt 4, 5 und 6 – ja, Abwechslung ist das Stichwort, in diesem Sinne nochmals vielen Dank für die Anregungen! Gruppendynamiken im Semesterverlauf in Bewegung zu sehen ist für mich einer der Aspekte, die Lernbegleitung auch langfristig spannend halten.

  3. Kristina Lucius on

    Du hast natürlich recht: Der Kontext muss wie bei jeder anderen Methode auch berücksichtigt werden. Leider kenne ich Deinen Arbeitsschwerpunkt nicht gut genug. Insofern muss ich an dieser Stelle eine Antwort schuldig bleiben.
    Ganz allgemein lässt sich aber noch ein Punkt hinzufügen:

    7. Spiele sind keine „Allheilmittel“. 😉

  4. Speed-Dating | Hörsaalspiele on

    […] zu erfüllen? (5) Eine weitere Möglichkeit wäre, diese Methode als eine Form der Gruppenbildung zu verwenden. In dem Kommentar von Frauke scheint das bereits zu funktionieren (hier). Für die […]

  5. […] fiel, hätte ich nicht für möglich gehalten und ist als wichtiger Punkt bei der Gruppenbildung (hier) zu beachten. Die Lehrkraft stellt mit viel Humor fest, dass die zweite Gruppe es immerhin bis zur […]


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