Dresing/Pehl: Praxisbuch Interview, Transkription & Analyse

In der Präsenzveranstaltung „Experteninterview und Qualitative Inhaltsanalyse“ wurde als Beispiel für die technische Umsetzung u. a. das Programm „f4“ (audiotranskript) von Thorsten Dresing und Thorsten Pehl genannt. Die beiden Gründer von „audiotranskript“ stellen ihr Praxisbuch mit dem Untertitel „Anleitungen und Regelsysteme für qualitativ Forschende“ kostenlos im Netz zur Verfügung mit der Begründung, dass dadurch die Inhalte immer auf dem aktuellen Stand gehalten werden können. Im Gegenzug würden sie sich bei Gefallen über eine Verbreitung z. B. in Blogs freuen. Da ich sowieso darüber schreiben wollte, passt also erst ‚mal alles bis auf den Wunsch nach einer bestimmten Zitation. Ich beziehe mich im folgenden Text auf die Version vom 10. 09. 2013.

Nach einer kurzen Einführung über den Sinn und Zweck Qualitativer Interviews werden in einer Tabelle gute und schlechte Fragen gegenübergestellt (S. 9). Einigen Tipps zur Interviewvorbereitung und -führung folgen sieben Handlungsanweisungen. So sollen z. B. suggestive Fragen und die Bewertung der Aussagen vermieden werden. Hilfreich finde ich, dass man nicht am Leitfaden kleben muss und situationsabhängig Änderungen vornehmen kann (S. 12). Es werden Probleme beschrieben, die beim Interview auftreten können und dazu Lösungsvorschläge angegeben (S. 14). Der Abschnitt zur Aufnahmetechnik löst ein wenig Unbehagen aus, aber auch hier gibt es einen Notfallplan (S. 13ff.). Nach der Erläuterung, was Transkription bedeutet, folgen Beispiele und Regeln für ein einfaches Feintranskript (S. 20). Beim Kapitel „Einheitliche Schreibweise“ stoße ich allerdings auf ein Problem: In der PV habe ich mich noch über die Schreibweise von Zahlen gewundert. Jetzt komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus: Zahlen werden nach diesem Buch „bis zwölf“ ausgeschrieben (S. 23). Das lässt mir keine Ruhe, also suche ich und finde im online-Duden, dass diese Vorgabe eine „früher gültige „Buchdruckerregel“ war, sich die „Gepflogenheiten“ aber bei „zwölf“ eingependelt haben. Ich empfinde die verschiedenen Regelungen innerhalb der Wissenschaftsgemeinde ‚mal wieder als sehr verwirrend, zumal die Autoren ihre Empfehlung manchmal selber ignorieren (z. B. S. 28, S. 45). Bei den Angaben zur Dauer einer Transkription muss man etwas rechnen können (S. 27) und über die Pauschalpeilung (einhundert mal Interviewdauer) denke ich lieber erst nach, wenn es so weit ist (S. 34). Gleiches soll für die Beschreibung der technischen Details gelten (z. B. S. 37 bis S. 65), denn dazu brauche ich zunächst das Programm.

Tja, da schlägt man ein Buch auf, um Antworten zu finden und schon hat man zig neue Fragen. Trotzdem ist der Text eine gute Hilfe, teilweise witzig geschrieben und mit anschaulichen Beispielen versehen, die aus der langjährigen Praxis der Autoren stammen. Wie ich das Angebot „Transkriptionsdienst“ finden soll, weiß ich noch nicht. Fällt das denn nicht unter „fremde Hilfe“?

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