Zwischenspiel 5: RU

Der geistige Notstand trat früher als erwartet ein. Deshalb habe ich mich freiwillig aus meinem wohligen Studierstübchen heraus zu einem Vortrag als Gast im Forschungskolloquium vor ca. 20 Experten der Schulpädagogik, Mathematikdidaktik und Physik einteilen lassen. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass man andere Menschen nur dann verbal berieseln sollte, wenn man inhaltlich etwas zu sagen hat. Jetzt aber brauche ich eine möglichst neutrale Rückmeldung, um zu entscheiden, ob und wenn ja, wie es mit den „Hörsaalspielen“ weiter gehen kann. Was bedeutet das? Neutral ist in diesem Fall jeder, der das Thema noch nicht kennt bzw. in diesem Blog nicht intensiv mitliest. Davon kann ich bei der o. g. Gruppe ausgehen. Für den Vortrag sind 20 Minuten eingeplant und der inhaltliche Aufbau sollte dem Schema einer wissenschaftlichen Arbeit folgen. Das geht schon ‚mal gar nicht, so lange ich mehr Fragen als Antworten habe. Ich werde deshalb an dem Termin keine klassische Rede halten, sondern einige meiner Fragen stellen und erwarte die geballte Kompetenz der Fachleute in Form von Antworten.

Auf dem Titelbild wird üblicherweise das Thema vorgestellt. Ich habe mich zunächst für eine Warnung an mich entschieden. Sie soll unter den  Anwesenden Verwirrung stiften und ich habe nicht vor, das Zitat ungefragt zu kommentieren.

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Ich kann will nicht anders, als das auszuprobieren, was ich über Hochschuldidaktik gelesen habe. Deshalb fange ich mit einem Gedankenspiel an.

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Die Zuhörer haben einen langen Arbeitstag an der Uni hinter sich und einige von ihnen werden sich vielleicht an meinen Vortrag über „Weblogs“ vor etwa einem Jahr erinnern. Der fuhr damals die Kritik „sehr emotional“ ein und auch aus diesem Grund frage ich per Folie:

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Die Auswertung mit der entsprechenden Technik könnte so aussehen:

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Was die Konsequenzen betrifft, so sind die Alternativen besonders interessant: Was muss passieren, damit sich die eine Hälfte der Teilnehmer mindestens genau so gut fühlt wie die andere? Warum ist es überhaupt so wichtig, sich bei einem Vortrag wohl zu fühlen?

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Bisher habe ich das Vortragsthema nicht genannt. Es steht in einem internen Forum, zu dem alle Teilnehmenden Zugang haben.

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Die Auswertung könnte so aussehen:

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In der Konsequenz bedeutet das, sich vorher genau zu überlegen, welche Frage ich beantwortet haben will. Letztlich fällt aber auch die dritte Kategorie („mir egal“) unter den Begriff #Freiwilligkeit, um nicht zu sagen #Freiheit.

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Die Experten sollen sich nun an einen Vortrag erinnern, den sie entweder selber gehalten oder dem sie zugehört haben und der mindestens 60 Minuten gedauert hat.

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Ich will nun wissen, was sie daran besonders gut bzw. schlecht fanden.

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Beispiele für mögliche Antworten:

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Natürlich interessiert mich, welche Ideen die Zuhörer haben, um evtl. die Situation in in der Vorlesung zu ändern.

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Sicher stimmen ihre Antworten mit den Vorschlägen anderer Experten überein. (Auf der Folie sind zu viele Informationen. Das wird sich nicht nur optisch rächen, wenn bei der Veranstaltung auf dem Bildschirm alles durcheinander fliegt…):

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Die „echten“ Antworten auf diese Frage kann ich kaum erwarten:

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Hier schon mal die Hälfte einer Expertenauskunft:

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Falls jemand bei Folie 11 noch gelacht hat, …

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Wenn es richtig ist, was in den Büchern steht, müssten noch alle Zuhörer wach sein und mitdenken können/wollen. Meine Frage ist nun, wie die Kreativität der „anderweitig beschäftigten“ Hälfte genutzt werden kann. Die Aktivitäten „sich unterhalten“ und „telefonieren“ aus der vorigen Folie greife ich „studierendenzentriert“ auf und will sie verbinden. Wer telefoniert, hat ein Handy mitgebracht und unterhält sich. Wie können die Geräte der Studenten in der Lehrveranstaltung zur Unterhaltung genutzt werden? Warum soll die Unterhaltung unbedingt per Handy stattfinden? Schließlich könnten z. B. die Antworten von den Folien 3 und 6 auch per Handzeichen oder Fragebogen ermittelt werden.

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Die Lehrveranstaltungen der Experten werden überwiegend von jugendlichen Teilnehmern besucht und damit stellt sich auch die Frage, was die Studierenden von einer Vorlesung erwarten.

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Aber, was ist das Besondere bei dem Einsatz von z. B. Handies in der Vorlesung? Der Reiz liegt in der Freiheit der anderen! Die Studierenden können den Dozierenden anonyme Rückmeldungen geben und ihnen ohne die Angst, sich vor hunderten Mithörern zu blamieren, mitteilen, wie das werte Befinden ist oder die Lösung einer Aufgabe lautet.

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Geht’s noch? Aber, ja doch! An dieser Stelle könnten sich die Zuhörer nämlich fragen, warum sie einerseits ständig an die Studierenden denken sollen und andererseits niemand ihre Situation berücksichtigt. Worin besteht die Gemeinsamkeit von Lehrenden und Lernenden auf der ganzen Welt?

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Der kleinste gemeinsame Nenner (ja, ich weiß, dass es sich dabei nun um einen Bruch handelt), den ich gefunden habe, ist:

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Mit anderen Worten:

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Das glaubt mir keiner? Eine Karte hab‘ ich noch im Ärmel:

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Irgendwie ist das hier ‚grad wie im Spiel „Luftmatratze“. Kaum hat man ein Stück davon unter Wasser, hüpft die andere Seite hoch wie ein Delphin. Nur gemeinsam mit anderen würde sich die Luma vollständig untertauchen lassen. Das passt gut zur nächsten Frage, die ich am liebsten mit „alles – und noch viel mehr“ beantworten würde, aber, ich kann mich für heute beherrschen:

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Aus Spaß erlaube ich mir ein paar weitere Fragen, denn man kann das Spiel nicht ernst genug nehmen.

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Ausgerechnet bei der Pädagogik ist dann erst mal Schluss mit lustig:

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Richtig bitter wird es bei den letzten Fragen. Die scheinen per Blog nicht leicht beantwortbar zu sein und betreffen z. B. die Themen Redlichkeit bzw. Theorie und Praxis in der Wissenschaft.

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Nach dem Vortrag beginnt die Diskussion. Es ist einerseits ein Risiko, wenn ich gleich am Anfang gegen die Regeln im gewohnten Ablauf verstoße. Andererseits ist es für mich eine Chance, endlich Antworten zu bekommen.

10 comments so far

  1. dunkelmunkel on

    Hi Luci,

    insgesamt ein witziger Aufbau – aber meines Erachtens viel zu wenig „Futter“ oder „Fleisch“… wo stecken deine ganzen Recherche-Ergebnisse zu Spielen, Eigenschaften zu Spielen, … ? Wo sind die ganzen Beispiele von Hörsaalspielen? Du kannst du aus den vollen Schöpfen, was deine bisherige Literaturarbeit anbelangt. Warum machst du es nicht?

    Befürchtung: Du wirst deine Zuschauer wesentlich mehr verwirren als informieren. Und ein verwirrtes Publikum wird dir nicht helfen können.

    In diesem Kontext würde ich eher dazu neigen, kein Spiel mit den Zuschauern zu veranstalten. Auch wenn das Thema Hörsaalspiele ist – wenn ich 20 Minuten Zeit habe, mache ich kein Spiel…

  2. Kristina Lucius on

    Danke sehr für Deinen Kommentar!
    Der Witz ist, dass mir gar nicht aufgefallen ist, dass der Aufbau witzig erscheinen könnte.

  3. sockenbergen on

    Na, du traust dich was.
    Da bin ich noch meilenweit von entfernt und ich würd doch so gerne etwas mit meinem Wissen anfangen … hach ich bin einfach nicht mutig genug.

  4. […] um mir eine unglaubliche Widerspenstigkeit vor Augen zu führen: „Warum machst Du es nicht?“ (hier). Gehört hatte ich diese Frage in genau solchen Zusammenhängen schon oft, gelesen noch nie. Der […]

  5. Kristina Lucius on

    Eva, mich hat der Mut schon wieder verlassen.

  6. sockenbergen on

    warum?

  7. sockenbergen on

    Warum liebe Luci?

  8. Kristina Lucius on

    Ich weiß es nicht. Die Vorstellung, so vielen Fachleuten etwas zu erzählen, wovon ich selber noch keine Ahnung habe, fühlt sich einfach nicht gut an.

  9. […] und bloggt über ihren angehenden Vortrag zu Hörsaalspielen in ihrem Forschungskolloquium hier und […]

  10. […] kaum zu beanstanden, weil die Fakten natürlich von weisen Wissenschaftlern stammen. Der Hinweis (hier), die erste Version zu überarbeiten, war Gold wert, wofür ich @dunkelmunkel sehr danke. Trotzdem […]


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