Wendorff: Aktivierende Methoden der Seminargestaltung

Kennt Ihr den Klotürspruch: „Wer das liest, ist doof“? So weit würde ich in einem Blogbeitrag natürlich nie gehen. Aber, wer das hier liest, findet bestimmt heraus, was (mir) im Text des Autors fehlt und warum mich ausgerechnet das Fehlende für heute glücklich macht.

Jörg A. Wendorff greift die Klage von Lehrenden über das passive Verhalten von Studierenden in Lehrveranstaltungen auf und schlägt den „Einsatz aktivierender Methoden“ vor (S. 17). Diese Methoden sollen „eine aktive Auseinandersetzung mit dem Lernstoff“ zur Folge haben und sich positiv auf den Lerneffekt und die Zufriedenheit der Studierenden auswirken (ebd.). Voraussetzung für den Einsatz der Methoden ist jedoch Methodenkompetenz der Lehrenden. Entgegen meiner Erwartung, die sich aus der Überschrift ableitete, finde ich schöne Sätze zur Vorlesung, die als „dozierendenzentrierte Methode“ beschrieben wird:

„Bei diesem Vorgehen besteht die Gefahr, dass der Umfang der dargestellten Informationen das Auffassungsvermögen der Studierenden überfordert. Die Alternative besteht darin, die Menge der Inhalte deutlich zu reduzieren und aktivierende Maßnahmen einzusetzen. In diesem Fall erhöht sich die Chance, dass die Studierenden die Inhalte der Lehrveranstaltung verstehen und behalten“ (S. 18).

Die Vorschläge des Autors zur Umsetzung in verschiedenen Gruppenstärken reichen von Kennenlernmethoden (S. 19), erfassen des Vorwissens, über „aktive[s] Erarbeiten der Informationen“ (S. 23) und der Möglichkeit, Fragen zu stellen (S. 27!) bis zur Wiederholung des Gelernten in der Abschlussphase einer Lehrveranstaltung (S. 28). Sehr gut gefällt mir der Hinweis des Autors, dass sich „passiv rezeptive“ und „aktive Phasen“ abwechseln sollten (S. 29). Das ist zwar alles nicht neu, aber so oft, wie ich das in der letzten Zeit gelesen habe, wundert es mich jetzt doch wieder einigermaßen, warum es die klassischen Vorlesungen immer noch gibt. Woran zum Teufel mag das bloß liegen? Unkenntnis kann es nicht sein, dafür gibt es zu viele Bücher über dieses Thema. Angst vor Neuem trifft es auch nicht, es sind schließlich allesamt Experten. Was ist also der Grund, warum immer noch stundenlange Vorträge gehalten werden, ohne die Zuhörer einzubeziehen? Kann der Zeitaufwand für die Vorbereitung ein Grund sein? Fehlt vielleicht die Vorstellung davon, wie viel Spaß die Sache machen könnte, wenn in der Lehrveranstaltung eine prompte Rückmeldung an alle Beteiligten erfolgt (S. 29)? Apropos Rückmeldung: Habt Ihr gemerkt, was in diesem Beitrag (glücklicherweise!) fehlt? 😉

Advertisements

No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: