Reinert/Thiele: Pädagogische Kommunikation

Aus dem Märchen „Der gescheite Hans“ von den Gebrüdern Grimm: … Hans hat Gretel an ein Seil gebunden nach Hause geführt und an der Raufe festgebunden … Mutter: „Das hast du dumm gemacht, mußt ihr die Augen freundlich zuwerfen […] Hans geht in den Stall, sticht allen Kälbern und Schafen die Augen aus und wirft sie der Gretel ins Gesicht …“ (S. 119). Als Kind fand ich die Geschichte mehr lustig als ekelig und auch heute wirkt das Verhalten von Hans auf mich immer noch – ich trau’s mich kaum zu schreiben – gewitzt. Gerd-Bodo Reinert und Joachim Thiele (1976) wollen jedenfalls in „informellen Studien“ (S. 7) herausgefunden haben, dass die Gespräche zwischen dem Jungen und seiner Mutter als „Form mißlungener pädagogischer Kommunikation […] in vielen Prozessen der Ausbildung anzutreffen [ist], bei denen die Anforderungen, die die zukünftige Praxis an den Zögling stellen wird, nicht oder nur unvollständig bekannt sind“ (S. 119). Aber, vielleicht wären Studenten schon froh, wenn sie in den Vorlesungen überhaupt kommunizieren dürften?

Die Studien sind für eine Forschungsarbeit nicht aktuell genug. Es überraschte mich dennoch, darin von „Kommunikationsspielen“, genauer: Rollen- und Planspielen (z. B. S. 90ff.), „der Förderung von emotional-affektiven und sozialem Lernen“ (S. 91f.), Spielregeln und Interaktion (S. 103) zu lesen.

In einem der Versuche wurde die zentralisierte Organisationsform mittels „Legespiel“ hinsichtlich der Effizienz in Gruppen überprüft mit dem Ergebnis, dass „je zentralisierter die Organisationsform ist, […] desto […] kürzer ist die Lösungszeit für eine gestellte Aufgabe“ (S. 86f.). Unter „zentralisierten Netzwerken“ verstehen die Autoren „hierarchisch gegliederte“ Formen, z. B. Schulklassen (S. 86). Das wäre also etwas für eilige Lehrende? Bei der Befragung, ob die Zusammenarbeit Freude bereitet hat, gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Interaktionsformen. (S. 87) Kaum zu glauben, aber soll ich mich mit zwei Wissenschaftlern anlegen? Andererseits schreiben sie, dass ihnen die „Mängel dieser einfachen Untersuchungen“ bekannt sind (S. 7). Dann müsste ich allerdings auch auf ihre „Erfahrungen in der Praxis“ verzichten, in denen „ein starkes Überwiegen von Kreisstrukturen“ festgestellt wurde und dass die „Teilnehmer sind nicht nur formal gleichberechtigt“ sind: „Der Lehrer tritt als Vermittler von Inhalten und als Organisator zurück, wird zu einem Teilnehmer des Spiels unter anderen“ (S. 104). Oder ich mache selber ein sauberes Experiment dazu. Das Gefühl sagt mir, dass die Emotionen zum Spiel gehören, aber der Verstand wehrt sich noch mächtig gegen das Geknödel aus Konstrukten.

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1 comment so far

  1. […] auf Null und das ganze Spiel beginnt von vorn! Während mir beim Text von Reinert und Thiele (hier) noch die Frage durch den Kopf geisterte, warum die Umsetzung der Erkenntnisse so lange dauert, […]


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