Macke/Hanke/Viehmann: Hochschuldidaktik

Wer sucht, darf sich nicht darüber wundern, wenn er etwas findet – und wer spielt, darf sich nicht beschweren, wenn er verliert. So einfach ist das! Durch das Lehrbuch von Macke, Hanke und Viehmann (2012) zieht sich nicht nur von Anfang an die Metapher des Spiels („Ball des Wissens“, S. 11ff.). Es werden auch seitenweise Vorschläge für Spiele im Hörsaal, als Methoden „getarnt“, für verschiedene Veranstaltungsarten in unterschiedlichen Gruppenstärken beschrieben (S. 174 – 270).

Das war also genau das, wonach ich gesucht habe. Warum ich über diesen Fund trotzdem so enttäuscht bin? Das Spiel ging viel zu schnell vorüber!

In den letzten Wochen habe ich nur geahnt, dass die Spiele zurück in den Hörsaal müssen. In dem Buch aber steht sogar noch, wie das gelingen kann. Alles drin, alles dran, perfekt beschrieben von Erziehungswissenschaftlern und Hochschuldidaktikern. Als wenn das noch nicht reichen würde, erklären die Autoren auch, wie ein guter Vortrag vorbereitet und gehalten werden kann. Es ist von „Asymmetrie der Beziehungen“ zwischen dem Vortragenden und den Zuhörern die Rede (S. 107) und wie dieses Ungleichgewicht gemildert werden kann (ebd.). Die Vortragenden „sollten sich Gedanken machen, wie sie die Situation der Hörer aufwerten können, um Ungleichgewicht und Asymmetrie erträglicher zu machen und zu vermeiden, dass die Hörer sich nicht ernst genommen fühlen und darauf enttäuscht, frustriert oder gar verärgert reagieren“ (ebd.). Außerdem werden mit dem Nachrichtenquadrat von Schulz von Thun Erkenntnisse der Kommunikationswissenschaft einbezogen (z. B. S. 50, S. 108, S. 146), was letztlich aus einem schnöden Vortrag eine „kommunikativ-interaktive Handlungssituation“ machen soll (S. 116).

Die Fragen der Wikiversity-Seite von Christian Spannagel (Forschungsideen, Game-Based Learning im Hörsaal) wären damit beantwortet. Das Spiel ist aus und ich bin weg aus dem Wunderland Wissenschaft.

„Raus bist Du noch lange nicht, sag mir erst, …“. Während ich den Fund über Twitter und Facebook verteile, fällt mir mit Hilfe von @Eva, Kathrin und @Marc auf, dass in diesem sehr guten Buch ein Aspekt fehlt – die Technik! Unter den vorgeschlagenen Arbeitsmaterialien der Beispiele werden überwiegend Papier, Stifte, Tafel und Arbeitsblätter genannt, aber nichts, was die Studenten heute außerdem mit in die Vorlesung nehmen könnten: Laptop? Handy? Tablet? Davon habe ich dort nichts gelesen. Die Verbindung von Spiel und e-Medien war jedoch eine weitere Zielsetzung, zuletzt in diesem Beitrag.

Was folgt daraus? Ein neues Spiel beginnt – und ich will gewinnen!

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7 comments so far

  1. sockenbergen on

    Ach, Luci.
    Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, eine Forschungslücke.
    Ich zähle auf dich! Du schaffst das!
    Du kennst bestimmt das Forschungsprogramm der FernUni zum Einsatz von neuen technischen Medien in der Hochschullehre (hab jetzt keinen Link, sorry, aber es gibt eine Lernumgebung dazu. Ich glaube, Sabine Siemsen ist dort auch aktiv (gewesen?). Vielleicht ein neuer Aspekt???

  2. Kristina Lucius on

    Ja, in der LU lese ich seit ihrem Beginn mit.
    Mein Ziel ist, eine Frage zu bearbeiten, deren Antwort außer mir noch jemand haben will.

  3. cspannagel on

    … und ergänzend: Nur wenige der dort beschriebenen Methoden sind wirklich „Spiele“….

  4. […] gefunden, dass unter anderem Spiele(n) und entsprechende Metaphern vielseitig aufgreift: Macke/Hanke/Viehmann. Die Erkenntnis am Ende: Andere machen doch immer was […]

  5. […] Selbstdarstellungs- und Aufforderungsebene]“ (ebd., vgl. auch Macke/Hanke/Viehmann, 2012, hier). „Die Be-Deutung einer Mitteilung zeigt sich ausschließlich an der Reaktion, die man bekommt […]

  6. Kristina Lucius on

    @cspannagel Das stimmt und ich habe in diesem Buch noch etwas anderes übersehen!

  7. […] (2008). Es ist die Vorgängerversion des Buches, von dem ich vor ein paar Wochen (hier) berichtet habe und welches mich bis zur Enttäuschung beeindruckt hat. Tja, und genau in diesem […]


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