Zwischenspiel – playground #1

Wenn mich heute jemand fragt, was ich in den letzten Wochen herausgefunden habe, beschreibe ich das folgendermaßen (Folien ohne Zwischentext hier):

Ich beschäftige mich mit dem

Thema.

Um verschiedene Interessen unter einen Hut zu bekommen, habe ich mir das o. g. Thema von dieser Seite ausgeliehen. (Natürlich bat ich vorher Christian Spannagel als Ideengeber um Erlaubnis dafür. Damit dürfte die Zwickmühle aus dieser Diskussion geklärt sein.)

Wikiversity_Ideen.

Auf der Wikiversity-Seite gab es bereits zwei konkrete Fragen.

Wikiversity_Ideen_2.

Und damit begann die Suche. Das Ergebnis war ernüchternd, denn Suchmaschinen und verschiedene Kataloge zeigten nur „0 Treffer“ an. Nach guter alter Sitte habe ich das Thema schließlich in Einzelteile zerlegt und mich zunächst auf das Grundwort konzentriert (hier). Erstaunliches kam dabei an’s Licht, z. B.:

Spiel,

Pädagogik_Spiel.

Es gibt eine Menge Versuche, den Begriff „Spiel“ zu definieren. Einer Version (Huizinga, 2011) bin ich immer wieder begegnet (hier):

Huizinga.

Wo sich viele Definitionen finden, sind auch diverse Theorien nicht weit (mehr zu Groos hier):

Spieltheorien.

Langsam wurde es unübersichtlich im Kopf und das brachte mich auf die Idee, meine Gedanken zu sortieren (hier):

Hörsaalspiele_MM.

Die erste Forschungsarbeit, die dem Thema relativ nahe kam, enthielt überwiegend negative Ergebnisse (hier):

Hansen.

Allerdings erwähnt Hansen die enge Verknüpfung von Lernen und Spiel über das Kindesalter hinaus bis in die Erwachsenenbildung. Wie sieht es dort mit der Forschung über Spiele aus? Ein Beispiel (hier):

Schrader.

Neben „Trigger“, „looping“ und „comm“ fiel mir im o. g. Text ein weiterer Begriff auf, dessen Widerspruch mich einigermaßen irritierte (hier):

SeriousGames.

Sowohl Hansen als auch Schrader/Niegemann verwenden den Begriff „Erwachsenenbildung“ (hier). Was beinhaltet er?

Erwachsenenbildung.

Das Studium könnte also zwischen Schulbildung und Erwachsenenbildung eingeordnet werden.  Was aber bedeutet „studieren“ bzw. „Studium“ (hier)?

Student.

Studenten der heutigen Generation wachsen jedoch, im teilweisen Gegensatz zu ihren Dozenten, mit anderen, neuen Medien auf. Diese Mediennutzung könnte auch Auswirkungen auf das Lernen haben (hier).

Digitalnatives.

Wenn es also neue Generationen von Studenten gibt, deren Denken und Lernen sich  durch neue Medien verändert haben soll, müsste sich dann nicht auch die Lehre im Bestimmungswort (hier) ändern?

Hörsaal.

Tatsächlich scheint es Überlegungen zu Veränderungen der Lehrveranstaltung „Vorlesung“ zu geben. Mit der Hochschuldidaktik befand ich mich zwar plötzlich sehr dicht am Thema, jedoch gleichzeitg in einem mir völlig fremden Bereich (hier).

Reinmann2006.

Mit dem nachfolgenden Text konnte meine Verunsicherung einigermaßen aufgehoben werden. Denn offensichtlich gibt es durchaus Gemeinsamkeiten zwischen dem Unterricht in Schulen und Hochschulen (hier):

Baumert.

Deutlich werden die Gemeinsamtkeiten auch hier:

Reinmann2012.

Das brachte mich auf den Gedanken, mich noch einmal mit der Allgemeinen Didaktik zu beschäftigen (hier):

AllgDidaktik.

Damit kam schon das nächste Problem zwischen Allgemeiner Didaktik und Lehr-Lern-Forschung auf den Tisch (hier):

Terhart.

Als vorläufigen Höhepunkt habe ich in der Bibliothek ein Buch entdeckt, welches haargenau zum Thema passt (hier):

Böss.

Apropos Feedback: Gibt’s noch Fragen, Anregungen, Kritik, …?

Wie geht es nun weiter? Vor mir liegen noch mindestens die Themenbereiche Motivation und Flow. Von den o. g. Fragen ließe sich vorläufig nur die erste teilweise beantworten: Hörsaalspiele scheinen noch nicht sehr verbreitet als methodisches Mittel zur Gestaltung von Lehrveranstaltungen im Hochschulbereich. Deshalb könnten Lehrende befragt werden, warum sie Spiele im Hörsaal einsetzen oder nicht. „Oder nicht“ wäre hier vermutlich noch interessanter als „warum“, um einen didaktischen Ansatz oder eine Begründung zu finden. Die Antworten von Studierenden auf die Frage, welchen Nutzen sie sich vom Spiel-Einsatz (kleines Sprachspiel) versprechen, könnten hingegen Aufschluß über die Akzeptanz von Hörsaalspielen bringen.

Wenn das, was ich hier mache, unter den Begriff „Forschung“ fällt, kann ich mich nur beglückwünschen, mit diesem Spaß nicht bis ins hohe Alter gewartet zu haben. Mich interessiert allerdings, wie richtige erfahrene Wissenschaftler forschen. Bisher ist alles so zufällig. Kann man wirklich nur aus einer „Ahnung“ heraus einem Thema auf den Grund gehen?

9 comments so far

  1. Beobachter der Moderne on

    Hallo Kristina,

    zum Stichwort „Forschung“, es wäre natürlich günstig, wenn es die Gegenstände, die man erforschen will, auch gibt. Ansonsten wird der Forschungsanspruch ad absurdum geführt. Entsprechend hast Du ja schon die Forschungsfrage negativ gewendet und fragst nun warum es noch keine Hörsaalspiele gibt. Darüber hinaus wirst Du anscheinend mit Christian Spannagel auch schon kreativ tätig und entwerft einfach welche. Vor längerer Zeit hatte ich Dich schon mal versucht dezent auf dieses Problem hinzuweisen als ich Dich fragte ob Du Hörsaalspiele erforschen oder entwerfen willst. Aufgrund der veränderten Zielestellen wird aus der Forschungsarbeit mehr eine Projektarbeit mit Experimentcharakter. Vielleicht ist das sogar spannender als eine Forschungsarbeit, denn Du betrittst damit Neuland anstatt sich nur mit Bekanntem zu beschäftigen.

    Eine Frage, die ich mir noch gestellt habe, ist ob die Umsetzbarkeit von Hörsaalspielen auch vom Lehrstoff abhängt? Bisher hatte ich noch nichts dazu gesehen (oder ich hab’s überlesen). Gerade hab ich Christian Spannagels Blog-Post zu Hörsaalspielen gelesen. Dabei hab ich mich gefragt, wie man solche Spiele zum Beispiel auf Soziologie-Vorlesungen übertragen kann? Ich weiß leider nicht so recht, wie das gehen könnte.

  2. Florian on

    Hallo Beobachter der Moderne,

    ist eine Projektarbeit mit Experimentcharakter keine Forschungsarbeit?

    Verwirrte Grüße

    Florian

  3. cspannagel on

    Ich würde auch sagen: Das könnte unter den Terminus „Entwicklungsforschung“ fallen! 😉

  4. Kristina Lucius on

    @Beobachter der Moderne: Offenbar konnte ich mich nicht verständlich genug ausdrücken. Selbstverständlich hatte ich Deinen Hinweis dankbar registriert und in meine Gedanken einbezogen. Das erste Problem: Ich weiß nicht, ob es wirklich noch keine Hörsaalspiele gibt oder ob ich sie nur noch nicht gefunden habe. Aus der bisherigen, zugegeben sehr kurzen Suche ist mir aber klar, dass Spiele z. B. aus didaktischer Sicht unbedingt in den Hörsaal gehören. Es gibt für mich keinen erkennbaren Grund, ausgerechnet Studenten davon fern zu halten, wenn Spiele bereits im Unterricht der Schul- und Erwachsenenbildung eingesetzt werden. Es würde mich allerdings maßlos wundern, wenn es wirklich noch keine Hörsaalspiele gäbe oder sich von den Hochschuldidaktikern noch keiner damit beschäftigt hätte.
    Das zweite Problem: Wohin diese Gedanken führen, weiß ich im Augenblick nicht. Welche Form eine Forschungsarbeit haben könnte, ist in diesem Fall nicht die erste Frage für mich.
    Das dritte und vorerst letzte Problem: Terhart ist der Ansicht, das man nicht über nichts unterrichten kann. Das führt zur Fachdidaktik. Es gibt aber Gemeinsamkeiten im Unterricht aller Fächer, die von der Allgemeinen Didaktik beschrieben werden. Ob und von welcher Seite ich versuchen will, diese Frage zu beantworten, weiß ich also auch noch nicht. Rein gefühlsmäßig und deshalb nicht verwertbar ist deshalb meine vorläufige Vermutung: Je trockener der Stoff, desto dringender ist der Einsatz von Spielen im Hörsaal.

  5. Beobachter der Moderne on

    @ Florian & @csspannagel

    Gut, Forschung oder nicht, darüber kann man sicher streiten. Wenn man die Funktionsfähigkeit der selbstgeschaffenen Artefakte analysiert, muss das noch nicht zwingend Wissenschaft sein. Für mich wäre das zunächst eine Evaluation.

    @Kristina

    Das Spiele in den Hörsaal gehören ist zunächst ein Desiderat, das ich vom Grundsatz nachvollziehen kann. Ich denke allerdings nicht, dass es keine erkennbaren Gründe gibt, warum man Spiele Studenten vorenthält. Einige hatte ich bereits in früheren Kommentaren genannt.

  6. cspannagel on

    @Beobachter der Moderne Okay, wir gehen von einem unterschiedlichen Wissenschaftsbegriff aus. Die Didaktik operiert nicht nur analysierend, sondern auch konstruktiv. Es werden Lehrmodelle, Methoden, didaktische Ansätze theoriebasiert konstruiert und anschließend deren Wirksamkeit empirisch überprüft. Warum sollte die Wissenschaft gerade den konstruktiv-kreativen ersten Teil ausklammern und sich nur im die empirische Analyse kümmern? In ganz vielen anderen Wissenschaften wird auch konstruiert und getestet (Ingenieurswissenschaften, Informatik, …). Dadurch unterscheidet sich die Didaktik aus meiner Sicht ganz wesentlich von der Psychologie und der Soziologie: Die Aufgabe der Didaktik ist es auch (und sogar vornehmlich), Lösungen zu entwickeln und dabei wissenschaftlich vorzugehen (versteht sich).

  7. Kristina Lucius on

    @Beobachter: Du meinst, Gruppengröße, Art und Funktion der Lehrveranstaltung, Teilnehmer-Chancen u. ä. wären Gründe, Spiele nicht im Hörsaal einzusetzen? Auf den ersten Blick scheint es für mich nur so, denn zB die durchschnittliche Konzentrationsfähigkeit der Zuhörer, Aufnahme und Erinnerungsvermögen von nur Gehörtem oder das Konzept des Fernunterrichtes sprechen gegen die klassische Vor“lesung“.

  8. Beobachter der Moderne on

    @cspannagel
    Ja, da könnte ich möglicherweise in einem etwas antiquiertem Wissenschaftsverständnis der Soziologie verhaftet zu sein. Ich würde mir wünschen, dass es auch bei Soziologen mehr in die von Dir aufgezeigt Richtung gehen würde. Als Soziologe ist das aber nicht mehr in einem wissenschaftlichen Rahmen möglich. Ganz interessant dazu die derzeitige Diskussion zu den Schwierigkeiten der Sozialwissenschaften auf dem DGS Blog: http://soziologie.de/blog/?p=910

    @Kristina
    Sicher gibt es auch bei den Menschen Faktoren, die das Spielen in Hörsälen erschweren. Es gibt aber auch die von mir angedeuteten Schwierigkeiten. Ob das Gründe sind keine Spiele einzusetzen, wäre eine Frage, die Du klären könntest. Ich sage nur, dass es sich dabei um spezielle Schwierigkeiten handelt, die man berücksichtigen muss, wenn man Hörsaalspiele implementieren will und dass sich möglicherweise hier die Gründe finden lassen, warum es bisher nicht gemacht wurde. Insofern kann ich Dich nur dazu ermutigen auch einen zweiten Blick zu wagen.

  9. Kristina Lucius on

    @Beobachter: Es werden wohl noch mehr als zwei Blicke nötig sein. 😉


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: