Reinmann: Hochschuldidaktik – unbelehrbar?

In diesem Beitrag wurden einige Fragen zur Hochschuldidaktik an den Anfang gestellt. Wer sich ebenfalls für Antworten interessiert, dem kann der Vortrag von Gabi Reinmann beim Verständnis helfen (hier). Ich hatte den Text schon einmal gelesen, als er vor ein paar Monaten im e-Denkarium veröffentlicht wurde (hier). Das Problem konnte ich zum damaligen Zeitpunkt allerdings nicht vollständig erkennen, weil ich davon ausgegangen bin, dass zur Lehrbefähigung an Hochschulen nicht nur eine fachliche Qualifikation, sondern auch eine pädagogisch-didaktische Ausbildung gehört. Jetzt wird mir ebenfalls schlagartig klar, warum ich diese Frage von Christian Spannagel nicht verstanden habe: Es gibt gar keine verpflichtende Anleitung für Lehrende an Hochschulen – von einer „Lizenz“ ganz zu schweigen! D. h., jeder Dozent (vermutlich mit Ausnahme der Lehrämter) kann seine Vorlesung ohne methodische Kenntnisse so gestalten, wie er will, also mehr oder weniger talentiert, um nicht zu sagen laienhaft? Wenn das stimmt, bin ich jetzt einigermaßen von den Socken und muss erst ‚mal darüber nachdenken, ob das schon immer und überall so war und wie die „Hörsaalspiele“ in diesen Zusammenhang passen. Reinmann schreibt z. B. von „Interaktion“ sowie „Verantwortung“ und verwendet zufällig auch den Spielbegriff:

„Bildung – so auch Hochschulbildung – ist eine interaktive Angelegenheit zwischen dem Lernenden, dem Lehrenden und der Sache. Der Lehrende kann keinen Studienerfolg herzaubern und er wird ihn auch nie allein gewährleisten. Trotzdem hat er in diesem Spiel eine Verantwortung“ (S. 5).

Dass tatsächlich ein Bedarf an „hochschuldidaktische[r] Entwicklungsforschung“ (S. 6) besteht, bringt mich nach den bitteren Erkenntnissen wenigstens wieder in die Forscher-Spur: „Hochschuldidaktik ist eben komplex: Wir müssen sie besser erforschen, experimenteller umsetzen und überzeugender vertreten“ (S. 7).  Da bin ich doch sofort dabei! Der nicht ganz ernst gemeinte Satz ist jedoch nicht nur aus Altersgründen keine Option für mich: „Wenn alle Stricke reißen, arbeite ich halt als Professor“ (S. 5), denn ich bin Lehrer aus Leidenschaft!

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3 comments so far

  1. […] kann. Letztlich wurde der Inhalt für mich so spannend, dass er meine Bedenken aus diesem und diesem Beitrag zerstreuen konnte. Ich schreibe also über ein Thema, von dem ich praktisch keine Ahnung […]

  2. Zwischenspiel « Gedankenspiele on

    […] Deutlich werden die Gemeinsamtkeiten auch hier: […]

  3. […] Das Schlimme daran ist, dass ich bereits vor mehr als einem Jahr einen ersten Hinweis auf meinen Irrtum erhielt und ihn nicht deuten konnte. Christian Spannagel kommentierte in diesem Blog und wir fragten fröhlich aneinander vorbei, was die Lizenz zum Lehren an Hochschulen betraf! Damals ging ich noch davon aus, dass alle Dozenten an Universitäten das Unterrichten gelernt hätten. Nach ein paar Büchern und Artikeln über Hochschuldidaktik hätte mir der Irrweg ebenfalls auffallen müssen (z. B. hier). […]


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