Hörsaal und Vorlesung

„Ihre Suche ergab 0 Treffer.“ Am Anfang hat mich dieses „Ergebnis“ bei der Suche in den Katalogen der Bibliotheken mächtig genervt. Inzwischen stachelt es mich an, meine Suche zu verfeinern. Dabei geht es natürlich wieder um Begriffe, nämlich die richtigen. Das Wort „Spiel“ hat eine relativ hohe Trefferquote. Im Zusammenhang mit „Hörsaal“ sieht es vorläufig aber eher duster aus.

In diesem Beitrag tauchte die Frage nach Funktion(en) einer Vorlesung auf. Solche Veranstaltungen finden üblicherweise in Hörsälen statt. Das Wort „Hörsaal“ ist ein Synonym für „Vorlesungsraum, Auditorium, Vorlesungssaal“ (Görner und Kempcke, 1974, S. 325) und stammt aus dem 18. Jh. (Wermke, 2007, S. 345). Das war genau der Zeitpunkt, als die Universitäten aus der vorübergehenden Versenkung auftauchten (zur kleinen Geschichte siehe hier). „Hörsaal“ führt also sprachlich zum Begriff „Vorlesung“. Die Vorlesung wiederum ist eine „Unterrichtsform an Hochschulen“ und wird im Zusammenhang mit „lehren“ verwendet (Görner und Kempcke, 1974, S. 596). Jetzt wird es klarer: Eine Vorlesung ist eine Lehrveranstaltung im Hörsaal an Hochschulen. Diese Begriffe müssten vorerst für bessere Suchergebnisse ausreichen.

Allerdings tauchen damit schon wieder neue Fragen auf. Tenorth und Tippelt (2012, S. 759) nämlich verstehen unter dem Begriff „Vorlesung“ eine „bestimmte Art des Hochschulunterrichtes; i.d.R. eine von einem Dozenten abgehaltene Veranstaltung an einer Hochschule, die in Form von thematisch zusammenhängenden Vorträgen gestaltet ist“.  Ich will an dieser Stelle nicht kleinlich sein oder mit einer Begriffsklärung langweilen. Es drängt sich jedoch der Vergleich zwischen Vortrag und Frontalunterricht auf, oder? Ohne eine Bewertung dieser Unterrichtsform vorzunehmen, kann man darüber nachdenken, was den Studenten damit abverlangt wird: Mindestens einmal am Tag müssen sie 90 Minuten lang einem Vortrag zuhören. Auch der Dozent ist gefordert: Er bereitet seinen Vortrag inhaltlich vor und soll ihn nun so präsentieren, dass die Zuhörer ihm 1. inhaltlich gut folgen und 2. evtl. mitschreiben können, sie 3. davon möglichst gefesselt oder gar beseelt sind, sie 4. den Vortrag später nachbereiten wollen und sich 5. auf die nächste Vorlesung freuen. All‘ das natürlich auch noch beim zweiten Mal im nächsten Semester zum vermuteten gleichen Thema. Es gibt sicher noch mehr Aspekte für einen guten Vortrag, aber die Frage ist immer die gleiche: Wie schafft es der Vortragende, dass sich die Aufmerksamkeit der Studenten in den 90 Minuten ganz und gar auf den Inhalt der Vorlesung richtet? Natürlich unterstelle ich den Dozenten, dass sie eben dieses Ziel mit ihren Vorträgen verfolgen. Es ist mir auch bekannt, dass verschiedene (neue) Medien im Hörsaal zu genau diesem Zweck eingesetzt werden. Reicht ein Vortrag – mit oder ohne Medien – aber aus, um die Studenten über eine relativ lange Zeitspanne geistig aktiv werden bzw. bleiben zu lassen? Können Spiele im Hörsaal einen Beitrag dazu leisten, einerseits die Aufmerksamkeit der Studenten und andererseits die „Nachhaltigkeit“ des Vortrages zu fördern? Ist (kurzzeitige) Interaktion als Motivation in einer Vorlesung aus Sicht der Lehrenden und Lernenden überhaupt sinnvoll oder würde sie als störend empfunden?

Aus diesen Fragen ergibt sich nun schon mehr als ein neues Schlagwort für die Suche im Bibliothekskatalog. 😉

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3 comments so far

  1. […] Vergleich Motivation – Schule (s. auch Beitrag “Hörsaal und Vorlesung”): […]

  2. […] über Hörsaal-Spiele nachzudenken, und ich bin gespannt, was Kristina alles herausfindet. Viel zu geben scheint es dazu nicht, oder es ist schwer zu finden… hat jemand von euch […]

  3. Zwischenspiel « Gedankenspiele on

    […] durch neue Medien verändert haben soll, müsste sich dann nicht auch die Lehre im Bestimmungswort (hier) […]


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