Gewinner und Verlierer

Zu den Spielen mit Wettkampfcharakter zählt wohl die überwiegende Mehrzahl der Spiele, d. h. beinahe alle Spiele können im Ergebnis Gewinner und Verlierer hervorbringen. Es gibt Lehrer, die solche spielerischen Elemente vielleicht unbeabsichtigt, aber genau mit diesem Ziel einsetzen. Dass dies kein Widerspruch ist, sollen zwei Beispiele verdeutlichen: Wer am Ende der letzten Stunde zuerst das richtige Ergebnis einer Aufgabe sagt, darf nach Hause gehen. Oder, und nun richtig peinlich: Alle Schüler stehen an ihrem Platz. Wer eine Lehrerfrage richtig beantwortet, darf sich setzen. Natürlich ist es für die letzten Stehengebliebenen fürchterlich unangenehm, wenn ihr Nichtwissen (oder nicht schnell genug sein) derart zur Schau gestellt wird. Sie sind die offensichtlichen Verlierer. Die Gewinner hingegegen werden im ersten Fall mit einem guten Gefühl nach Hause gehen oder sich  in der verbleibenden Zeit des zweiten Beispiels langweilen. Damit werden auch sie zu Verlierern.

Selbst in der Freizeit (Sport, Musik oder bildende Kunst) ist das Wettkampfverhalten anzutreffen. Mannschaftssportler oder Angler – immer findet ein Vergleich statt, obwohl den Beteiligten klar ist, dass es sich nur um ein Spiel handelt. Überall gibt es Gewinner und Verlierer.

Will ich wirklich Spiele in den Hörsaal holen? Ja, natürlich! In seiner ursprünglichen Bedeutung (hier) kann das Spiel nämlich auch als „fröhliche Übung“ aufgefasst werden. Spielen mit Spaß soll Motivation zum Lernen schaffen. Das schließt den Wettstreit nicht aus. Die Frage ist, was passiert mit den Verlierern? Für sie muss es einen Anreiz geben, trotz des Verlustes weiter zu spielen und dabei ihr Gesicht zu wahren. Hier kommt das Menschenbild aus der Gedankenkarte in’s Spiel und es steht aus gutem Grund über allen anderen Bereichen! Der indirekte Ideengeber zu dieser Überlegung war übrigens @jeanpol, der mich vor einem Jahr darauf aufmerksam machte.

Der Spielleiter muss sich bewusst sein, was verlieren und gewinnen bedeutet, wenn er ein Spiel für pädagogische Zwecke in der Vorlesung einsetzt. Verlieren gehört zu Verlust, Verlies, „für andere nicht mehr sichtbar“ sein (Wermke, 2006, S. 892f.). Kein Mensch will das, schon gar nicht im Studium! Gewinnen hingegen bedeutet auch „zufrieden sein, Gefallen finden, bleiben, sich aufhalten“ (ders., 276) und ist sprachlich eng mit Wonne, also „Verlangen, Lust, Freude, Genuss“ (ders., S. 933) verwandt. Somit gehört dass Spiel also unbedingt in den Hörsaal! Ich habe es  plötzlich ziemlich eilig damit…

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1 comment so far

  1. […] von mir am Anfang eher intuitiv und bisher unter dem Gesichtspunkt “Gewinner und Verlierer” einbezogene Menschenbild wird von Terhart in den folgenden Zusammenhang […]


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