Hansen: Spielend lernen?

„Spielend lernen? Lernspiele in divergierendem Fächerkontext der Sekundarstufe I und II und ihre Auswirkungen auf Lernerfolg und Motivation bei Kindern und Jugendlichen“ lautet der Titel einer Untersuchung von Hansen aus dem Jahr 2010. Das Fazit ist auf den ersten Blick ernüchternd:

„Entgegen den Erwartungen schnitten die Schüler/innen mittels der Methode Lernspiel in keiner Kategorie signifikant besser ab als die Vergleichsgruppe. Stattdessen zeigte sich bedenkliche Lernpassivität, eine Stigmatisierung des Lernens und des Spielens, erlernte Hilflosigkeit gegenüber neuen Unterrichtsmethoden und der deutliche Wunsch nach einer Lehrerpersönlichkeit mit methodischem Rückgrat“ (S. 6).

Dennoch bietet diese Studie interessante Anhaltspunkte für mich. 1. Wenn die Autorin von „erlernter Hilflosigkeit“ schreibt (s. o.), könnte es auch einen Weg geben, diese Verwirrung wieder zu verlernen. 2. Hansen erwähnt die enge Verknüpfung von Lernen und Spiel über das Kindesalter hinaus bis in die Erwachsenenbildung (S. 11). 3. Lernspiele als Methode für den Unterricht in weiterführenden Schulen sind in Nordrhein-Westfalen offensichtlich bereits Teil der Lehramtsausbildung (S. 10). 4. Lernspiele werden nach der Grundschulzeit kaum noch im Unterricht verwendet (S. 11).

Was lässt sich für mich aus der Untersuchung ableiten? Der Punkt 3 zeigt zum Beispiel, dass die Veränderungen in der Lehramtsausbildung darauf gerichtet sind, das (Lern-)Spiel in den schulischen Unterricht einzubeziehen. Ein Grund dafür könnte in der vermuteten positiven Wirkung von Spielen auf die Motivation der Schüler liegen (S. 9). Auch das Bestreben, den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten und damit die Kreativität sowie das Denken der Schüler zu fördern, kann eine Ursache für die Entdeckung des Spiels im Unterricht sein (S. 11). Hansen stellt jedoch erhebliche Forschungsdefizite hinsichtlich der Wirksamkeit von Lernspielen fest (S. 10). Ihr Interesse gilt deshalb auch der Leistungsmessung.  Genau das verträgt sich aber noch nicht mit meinem Verständnis vom Begriff „Spiel“.  Hier könnte ein Ansatzpunkt für meine eigene Arbeit liegen, nämlich das Spiel als „fröhliche Übung“ aus lerntheoretischer Sicht zu betrachten.

Ein weiterer Ansatz ergibt sich aus den Punkten 2 und 4. Der Zeitraum zwischen Grundschule und Erwachsenenbildung scheint relativ „spielfrei“ zu sein. Warum eigentlich? Bezogen auf die Zielgruppe müsste ermittelt werden, wie Studenten und Dozenten über den Einsatz von Spielen in der Vorlesung denken. Hilfreich wäre es, bis dahin wenigstens ein paar Beispiele aus der Praxis zu finden, d. h. sowohl Lehrende, die ihre Vorlesung bereits mit spielerischen Elementen gestalten, als auch Lernende, die an solchen Veranstaltungen teilgenommen haben oder eigenmotiviert gern spielerisch lernen (Beispiel – ohne Hörsaal). Selbst ohne eigene Erfahrungen ließen sich theoretisch durch Fragen an die Zielgruppe  schon einige Hinweise zu diesem Thema finden, z. B.: Welche Vorstellungen haben Dozenten und Studenten von Spielen im Hörsaal? Welche Erwartungen verknüpfen sie damit? Welche Anforderungen sollten Lernspiele in diesem Zusammenhang erfüllen? Welchen Einfluß haben e-Medien auf die Akzeptanz von Spielen bei Studenten und Dozenten? Wie können diese Medien beim Spiel im Hörsaal einbezogen werden? Warum würden Lehrende e-Medien als „Spielzeug“ (nicht) einsetzen? Diese Fragen führen mich glatt zum nächsten Fundstück. Was mir daran schon vorab gefällt? Es ist ebenso wie die Arbeit von Hansen öffentlich im Netz verfügbar! Die hiesigen Bibliotheken mit umfangreichen Beständen an wissenschaftlicher Literatur sind doch derzeit tatsächlich zwei lange Wochen geschlossen.

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1 comment so far

  1. Zwischenspiel « Gedankenspiele on

    […] Die erste Forschungsarbeit, die dem Thema relativ nahe kam, enthielt überwiegend negative Ergebnisse (hier): […]


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