Erst die Arbeit, …

… dann das Vergnügen (Moritz, S. 392). Vergnügen bedeutet auch Spiel. Woher kommt aber die überlieferte Weisheit, dass Arbeit und Vergnügen einander so ausschließen, dass mit diesem Spruch sogar eine Rangfolge vorgegeben wird? Bedeutet es, dass Vergnügen weniger wichtig ist als Arbeit? Dass Arbeit kein Vergnügen bereiten darf? Dass Spiel etwa keine Arbeit ist? Warum muss z. B. ein „Anreiz zum Üben als solchem“ geschaffen werden (Führer & Zimmermann, 2003, S. 113), wenn Spiel auch „fröhliche Übung“ bedeutet ?

Führer und Zimmermann (2003) beschreiben drei Möglichkeiten,  wie das eigenmotivierte Üben im Instrumentalunterricht mit Kindern gefördert werden kann. Erstens verweisen sie auf einen motivierenden Unterricht, in dem „die neuen Inhalte von den verschiedensten Seiten an die Kinder“ herangetragen werden. Zweitens sollen „Brücken zum alltäglichen Leben“ geschlagen und drittens Erfolgserlebnisse ermöglicht werden (S.114).

Nun kann man natürlich den Anfangsunterricht mit Kindern nicht mit der Situation von Jugendlichen im Hörsaal vergleichen. Oder vielleicht doch?

Die Gemeinsamkeiten liegen in der (anfänglichen) Bereitschaft der Schüler und Studenten, etwas Neues lernen zu wollen. Das gemeinsame Ziel könnte also sein, diese Anfangsmotivation zu erhalten. In beiden Fällen gibt es einen Lehrer/Dozenten, der die Schüler/Studenten beim Lernen begleitet und ihnen z. B. Wissen vermitteln will. Eventuell kann auch im Frontalunterricht eine Gemeinsamkeit mit der Vorlesung im Hörsaal gesehen werden.

Beim Sammeln der Gemeinsamkeiten werden sofort die Unterschiede deutlich: Das Alter der jeweiligen Zielgruppe und die Gruppengröße. Vermutlich gibt es auch noch einen Unterschied in der didaktischen Vorbildung der Lehrenden. Während die Lehrkräfte an allgemeinbildenden und Musik-Schulen auf ein Methodenrepertoire aus ihrer eigenen Ausbildung zurückgreifen können, scheint für Dozenten außerhalb des Lehramtsstudiums an Hochschulen diese Möglichkeit nicht zu bestehen. Der auffälligste Unterschied liegt wohl im „Spielzeug“. Kinder im Instrumentaluntericht spielen mit und auf ihrem Instrument. Womit aber spielen Jugendliche in der heutigen Zeit, vielleicht sogar heimlich im Unterricht oder in der Vorlesung? Genau, ich meine auch elektronische Geräte, wie z. B.  das Handy.

Der Vergleich soll nur ein Ansatz für die weiteren Überlegungen darstellen. Sicher gibt es noch mehr Ideen. Die bisherigen Gedanken zum „Spiel“ verleiten mich ein wenig dazu, bei diesem Thema zu verweilen. Um jedoch möglichst nah am Thema „Hörsaal“ zu bleiben, muss meine Suche nun systematisch fortgesetzt werden. Im nächsten Beitrag will ich deshalb versuchen, eine Übersicht mit angrenzenden Themen zu erarbeiten und vielleicht sogar einen Zusammenhang zwischen diesen Bereichen zu finden.

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1 comment so far

  1. […] diesem Beitrag habe ich mir die Aufgabe gestellt, Ordnung in das Thema “Hörsaalspiele” und […]


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