Einübungstheorie

Glücksspiel, Bewegungsspiel, Denkspiel, Konstruktionsspiel, Rollenspiel, Lernspiel, Gesellschaftsspiel, Brettspiel, Rezeptionsspiel, Stegreifspiel, Theaterspiel, Wettspiel… Die Aufzählung kann – zumindest hier – unmöglich vollständig sein und ein Versuch der Ordnung scheiterte vorerst kläglich. Nach Schmidbauer (1991) beinhaltet das Spiel eine „Funktionslust, die Freude an der Tätigkeit von Wahrnehmung, Denken, Muskulatur, am Zusammenspiel dieser Fähigkeiten“ (S. 179). Außerdem hebt er, ebenso wie die folgenden Autoren, die soziale Komponente des Spiels hervor. So verschieden die Spiele sind, so unterschiedliche Theorien gibt es über sie. Eine davon passt ziemlich gut zum Blogthema.

Die Einübungstheorie von Karl Groos soll zu den ältesten Spieltheorien gehören und geht davon aus, dass die Umwelt im Spiel verarbeitet wird bzw. im Spiel die Vorbereitung auf das zukünftige Leben erfolgt (Benesch & von Saalfeld, 1995, S. 399; Thiesen, 1994, S. 14, Schmidbauer, 1991, S. 179f; Keller & Novak, 1993, S. 328). Ha, das wäre vielleicht eine Erklärung für die Gründe, nach denen ich in diesem Beitrag gesucht habe. Die Studenten wollen sich spielend auf die Prüfung vorbereiten und die Situation für den Ernstfall üben. Irgendwie klingt das zu einfach und ich bin gespannt, wann der erste Wissenschaftler hier vorbei kommt und sagt: „So geht das aber nicht!“

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9 comments so far

  1. cspannagel on

    Ich finde die Entdeckung der Einübungstheorie wirklich spannend! Mmh… aber welcher „Ernstfall“ wird eingeübt? Die Prüfung? Situationen im Berufsleben? Wissenschaftliche Tätigkeiten? Könnte man evtl. Hörsaalspiele kategorisieren nach diesen „Ernstfällen“?

  2. Kristina Lucius on

    Ja, mit dem „Ernstfall“ ist im Beitrag (Originalfrage hier) die Klausursituation als Modulprüfung gemeint.
    Die Einübungstheorie bezieht sich eher auf die Spiele bei Kindern und damit die Vorbereitung auf das spätere Leben. Und genau dort liegen auch die Knackpunkte. Fritz (noch nicht in der Literaturliste) und z. B. Huizinga geben gute Hinweise auf die Probleme mit dem Begriff „Spiel“ und den vielen Theorien zu diesem Thema. Ein herrlich weites Feld!
    Die Kategorien würde ich erst später (evtl. von den Zielen und Inhalten) ableiten. Für Vorüberlegungen scheint mir eine Eingrenzung noch zu früh.

  3. Beobachter der Moderne on

    Auch wenn Groos das möglicherweise nicht gemeint hat, fällt mir bei der Unterscheidung Übung/Ernstfall sofort Sport als passendes Beispiel ein. Dann lautet es nur nicht Übung/Ernstfall sondern Training/Wettkampf. Um eine konstant hohe Leistung auch im Ernstfall Wettkampf abrufen zu können, ist ein entsprechendes Trainingspensum erforderlich, dass im Sport in der Regel aus sturer Repetition besteht. Dadurch relativiert sich aber auch etwas das Spaßerlebnis. Die Motivation ziehen die Sportler dann nicht mehr nur aus der Übung sondern auch aus den Erfolgserlebnissen. Das ist bei der Vorbereitung auf eine Prüfung ähnlich.

  4. Kristina Lucius on

    Ja, Sport ist ein gutes Beispiel, ebenso wie Musik usw. Dass sich beim Üben der Spaß reduziert, kann eigentlich nicht passieren, wenn sich ein Flowerlebnis einstellt. Dafür könnten gute Methoden nützlich sein, mit denen die Spieler vertraut sein müssen. Wieder eine schöne Idee – danke Dir!

  5. cspannagel on

    Ja, genau, so meinte ich das auch: Kategorien stehen am Ende des Prozesses, nicht am Anfang… es wäre aber vielleicht eine (von vielen) überlegenswerten Gedanken, dass man solche (oder andere) Kategorie(n/systeme) gerne am Ende hätte…

  6. Kristina Lucius on

    Zwei Leute – ein Gedanke. 😉

  7. Beobachter der Moderne on

    … nur unterschiedlich ausgedrückt 🙂

    Flow ist übrigens auch ein gutes Stichwort. Csikszentmihalyi kennst Du also schon.

  8. Kristina Lucius on

    Der Name kommt erst auf die Liste, wenn ich ihn ohne abzulesen schreiben kann…
    Vorher habe ich noch genug zu tun, z. B. mit Motivations- und Lerntheorien sowie dem Stand der Forschung.
    Außerdem gibt es ein feines Buch zum Thema Spiel über Theorie und Bedeutung. Das gehört auf jeden Fall dazu.
    Bei mir ist der Forschungsflow eingezogen.

  9. Zwischenspiel « Gedankenspiele on

    […] Wo sich viele Definitionen finden, sind auch diverse Theorien nicht weit (mehr zu Groos hier): […]


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