Playground 8: Willkommen zur Gruppenarbeit!

Das heutige Treffen unserer Forschungsgruppe fand aus organisatorischen Gründen online statt. Ein Hoch auf die digitalen Möglichkeiten! Meine Vorbereitung war von der Frage getragen, wie die Ergebnisse aus der Literatur mit den entwickelten Hörsaalspielen in Einklang zu bringen sind (Folien hier).

Gruppenarbeit bedeutet für Lehrende, bestimmte Aufgabentypen zu stellen, die die Zusammenarbeit der Lernenden erforderlich machen. Wenn alle Teilnehmenden für sich an einer Lösung arbeiten, dann ist das also keine Gruppenarbeit. Auch dann nicht, wenn sie in Gruppen zusammensitzen. Ein Beispiel für „echte“ Gruppenarbeit sind Bildergeschichten im Fremdsprachenunterricht. Jede Person aus der Gruppe erhält ein Bild und die Teilnehmenden tauschen sich durch gegenseitiges Fragen in der jeweiligen Fremdsprache, über die richtige Reihenfolge der Geschichte aus. Dieser Aufgabentyp nennt sich Informationslücken schließen. Ein anderes Beispiel ist die Aufgabenstellung, Entscheidungen treffen. Dieser Aufgabentyp lässt sich in kleinen sozialen Projekten verwirklichen, wie es die Gestaltung von Broschüren, Wandzeitungen oder Klassenfeiern darstellt. Die Lernenden müssen selbst entscheiden, wer, wann, wie und welchen Teil sie zur Lösung dieser Aufgabe beitragen.

Bei der Übertragung dieser beiden Aufgabentypen auf Hörsaalspiele war ich zunächst ziemlich ratlos. Beispiel: Im Hörsaalspiel Schlagzeile soll der Inhalt der Vorlesung kurz und knapp in einer Schlagzeile zusammengefasst werden. Jeweils drei Studierende stellen ein Team aus Redakteuren einer Fachzeitschrift dar, überlegen sich eine Überschrift, die den Kern der Vorlesung zusammenfasst und bestimmen, nachdem sie aufgestanden sind und die Schlagzeile genannt haben, die nächste Gruppe. In diesem Spiel werden Informationslücken nur geschlossen, wenn jemand den Inhalt der Vorlesung verpennt hat. Es müssen jedoch folgende Entscheidungen getroffen werden: Welche Fachzeitschrift soll ausgewählt werden? Welches Teilthema der Vorlesung soll zusammengefasst werden? Welche Schlagzeile passt am besten zum Thema? Welche Gruppe soll als nächste ihre Ergebnisse vorstellen?

An dieser Stelle tauchte bei mir das Problem auf, dass die Aufgabenstellung durchaus auch allein von den Zuhörenden gelöst werden kann, es sich bei diesem Spiel also gar nicht um „echte“ Gruppenarbeit handelt. Aber: Die Aufgabe kann allein nicht so ausgeführt, dass möglichst viele Studierende vor dem Plenum und mit der Sicherheit einer Kleingruppe zu Wort kommen! Ha! Nach dem Treffen mit Esther, Simone, Nando, Nico und Simon war mir die Lösung klar, wofür ich den Mitgliedern der playgroup Heidelberg sehr dankbar bin, und das, liebe Leute, ist „echte“ Gruppenarbeit!

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Workshop im Didaktikzentrum Ingolstadt

Am 02.11.2017 durfte ich im Didaktikzentrum Ingolstadt (DiZ) einen Workshop zum Thema Hörsaalspiele durchführen. Schon meine Vorbereitung wurde durch die Mitarbeiterinnen des DiZ in sehr angenehmer Weise unterstützt und diese Freundlichkeit fiel mir auch am Seminartag positiv auf. Das DiZ befindet sich in einem historischen Gebäude und ist technisch modern eingerichtet. So bildet das Knarren der Dielen mit dem Summen des Beamers ein unauffälliges Duett, das aber nur bei Stille im Seminarraum zu hören ist. Von so ruhigen Momenten fehlte an diesem Tag jedoch jede leise Spur. Während ich beispielsweise die Möbel für das Partygame präparierte, flog mir eine geschlagene Stunde vor Beginn schon das fröhliche Hallo der ersten Teilnehmerin entgegen. Diese Stimmung übertrug sich später auf die gesamte Gruppe von etwa einem Dutzend Teilnehmenden und hielt den Seminartag über an.

Inhaltlich hatte ich einen Dreiklang aus Praxis – Theorie – Praxis vorbereitet und stellte zunächst erprobte Hörsaalspiele vor, die in der Gruppe angespielt wurden (KurzbeschreibungBeispielSpiele). Mein Vortrag mit theoretischen Grundlagen und bisherigen Untersuchungsergebnissen war eine gute Übung für mich, aber mit mehr als 30 Minuten fand ich den Teil zu lang (Theorieteil). Gute Übung deshalb, weil ich vor den Fragen einiger Teilnehmenden ziemlich aufgeregt war, aber dadurch erfahren konnte, was die Lehrenden an diesem Projekt interessiert.

Nach der Mittagspause (ja, es gab am Vormittag tatsächlich keine Pause, *hüstl*) erarbeiteten die Dozierenden auf der Grundlage der theoretischen Erkenntnisse eigene Hörsaalspiele. Die Ergebnisse der Arbeit in Kleingruppen sind eine Wucht:

  • Der Wald des Wissens ist ein Spiel zur Visualisierung von Prozessen anhand von Karten, deren Anordnung mit einem Digital Presenter dem Plenum zugänglich gemacht wird.

  • Das Spiel XXX-Champions nutzt das digitale Werkzeug Tweedback und die Smartphones der Studierenden zur Visualisierung von Ergebnisabfragen.

  • In der dritten Gruppe wurde gar ein semesterübergreifendes Konzept mit mehreren Spielen wie Quiz und Speed Dating sowie der Methode Marktplatz entwickelt).

Dem nicht genug liefen die Teilnehmenden in der Einzelarbeit mit ihren Ideen zur Höchstform auf:

  • Im Spiel Rasender Reporter verfassen die Studierenden Erfahrungsberichte im Stil einer Zeitung/Zeitschrift.

  • Das Spiel Inverted Tabu erfordert im Gegensatz zum Original die Nennung der Tabuwörter.
  • Beim klassischen Kreuzworträtsel sollen Fachbegriffe umschrieben und erkannt werden.
  • In Simulationsspielen stellen die Studierenden zB Spannungsprozesse dar.
  • Drei Ideen für Rollenspiele regen die Studierenden an, Themen sprachlich wie in Nachrichtensendungen aufzubereiten, Prozesse der Buchhaltung zu trainieren oder wie in einem virtuellen Abenteuerspiel Aufgaben als zB Wirtschaftsprüfer in Unternehmen zu erfüllen.
  • Quint(ett)essenz und ein Kartenspiel zur Visualisierung von Überblickswissen stellen Variationen des vorab entwickelten Spiels Wald des Wissens dar.

  • Viel Bewegung gibt es bei einem Zirkeltraining mit Wissensabfrage an etwa 20 Stationen und

  • in einer Variation von Jenga sollen die Studierenden den idealen Baustein herstellen.

Insgesamt war es eine ertragreiche Zeit und damit beim nächsten Mal die Profis nicht umfallen, sollte ich auf jeden Fall die Pausen nicht nur einplanen, sondern auch einhalten! Weitere Änderungen: Um in meinem Zeitplan zu bleiben, hatte ich die dritte Runde beim Speed Dating gestrichen, in der die Erfahrungen der Lehrenden mit Spielen in der Hochschule ausgetauscht werden sollten. Prompt kam die Frage danach auf… Bei der Gruppenarbeit wollte ich ursprünglich die Zusammensetzung zufällig bestimmen lassen. Die Teilnehmenden hatten aber das Bedürfnis nach gezielter, dh zB fachlicher Zusammenarbeit und die Ergebnisse zeigen, dass diese Einteilung in Ordnung war. Beim nächsten Mal werde ich eine Einverständniserklärung vorbereiten, um die Urheber der Ideen auch im Blog nennen zu dürfen. Für diesen Workshop versuche ich, das Einverständnis noch einzuholen und nachzutragen. Gespannt bin ich natürlich auf die Evaluation der Veranstaltung durch das DiZ und wenn es erlaubt ist, steht das auch bald an dieser Stelle. Fazit bis hierhin: Immer wieder gern!

Video Hörsaalspiel Sinnbild

Die Idee zu dem Hörsaalspiel Sinnbild fand ich im „Methodenkoffer“ der Hochschule Bochum (hier). Dort gibt es ein eigenes IMT – Institut für Mathematik- und Technikdidaktik, welches demnächst in ein ISD – Institut für Studienerfolg und Didaktik übernommen werden soll. Na, jedenfalls steht auf Seite 11 der Vorschlag, abstrakte Themen einfach szenisch darzustellen und mit verschiedenen Sinnen wahrzunehmen. Dadurch würde sich ein neuer Zugang zum Thema ergeben und das Verständnis vertiefen. Die Spielversion kann mit oder ohne Element Wettbewerb durchgeführt werden und die Anleitung zu diesem Rollenspiel gibt es hier:

 

Video Hörsaalspiel Klausurspiel

Mit der Nr. 13 gehe ich zurück zu den Anfängen. Das Klausurspiel ist ein Hörsaalspiel in Reinkultur. 2010 brachte uns Frau Prof. Dr. Claudia Witt im Modul 1A des Studienganges BA Bildungswissenschaft an der FernUniversität in Hagen das erste Mal auf die Idee, uns mittels Klausurspiel auf die Prüfung vorzubereiten. Das setzte sich im Modul 1B bei Monika E. König fort und endete mit dem Klausurspiel Statistik im Hammermodul 1D im Jahre 2012 (hier). Für Dozierende ergibt die Durchführung dieses Hörsaalspiels nicht nur Feedback über den Leistungsstand der Studierenden, sondern auch einen Berg von möglichen Prüfungsfragen.

Video Hörsaalspiel Wahr oder falsch?

Für spielerfahrene Dozierende und Studierende:

Video Hörsaalspiel Activity

Video Hörsaalspiel Wer weiß mehr?

Ein Spiel mit digitalen Medien? Bitte, gerne!

Video Hörsaalspiel Magische Wand

Hab‘ ich schon erzählt, dass ich die digitalen Medien mag? Damit kann man zum Beispiel kurze Filme wie diesen produzieren:

Video Hörsaalspiel Scharade

Dieser Kurzfilm mit der Anleitung für das Hörsaalspiel Scharade ist für Fortgeschrittene gedacht, also Dozierende und Studierende, die bereits Erfahrungen mit Spielen in der Vorlesung gesammelt haben. Als Einsatzzeitpunkt für dieses Spiel empfehle ich das Ende des Semesters, wenn die Teilnehmerzahlen vielleicht nicht mehr so üppig wie am Anfang sind und die Atmosphäre im Hörsaal freundlich-familiär geworden ist, weil sich Lehrende und Lernende bereits kennengelernt haben. Aber, schaut selbst:

Video Hörsaalspiel Kettenreaktion

Aus dem Text (hier) wird ein Film:

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