28.06.2020: Rohfassung gegen alle Widerstände

Seit 14 Tagen ist der erste Entwurf meiner Arbeit fertig. Jeden Tag schaue ich, ob die Rohfassung noch da ist und jedes Mal verliert sich die Formatierung. Wahrscheinlich ist die Reparatur der Kick des Morgens. Es ist für mich noch nicht fassbar, dass ich es bis hierhin gegen alle Widerstände geschafft habe. Die technischen Hürden waren beispielsweise zuerst haushoch, aber mit Hilfe von Videos aus dem Netz, Tipps aus Facebookgruppen und Hinweisen Einzelner, z. B. über Twitter, war es bisher tatsächlich möglich, all‘ diese Probleme in den Griff zu bekommen. Natürlich habe ich viel Zeit für die Versuche benötigt, erst einmal selbständig die Lösung zu finden und, als das nicht funktionierte, die Lösungsvorschläge anderer auf meinem PC, mit anderen Programmen, umzusetzen. In diesen Situationen wünschte ich mir manchmal, in einem Großraumbüro zu sitzen und mir die Lösung direkt von den Kollegen zeigen zu lassen. Und weil diese Arbeit nicht das Ende der Fahnenstange sein soll, habe ich mir sicherheitshalber ein paar Anleitungen geschrieben. Man ändert ja nicht alle Tage den Inhalt von Kopfzeilen im gleichen Dokument.

Apropos alle Tage: Ich wurde gefragt, an welcher Challenge ich teilnehme, weil ich mich jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe an den Computer setze und schreibe, obwohl ich länger schlafen könnte. Zuerst habe ich die Frage gar nicht verstanden. Dann dämmerte mir, dass mein Verhalten der letzten Jahre nicht normal sein könnte. Schließlich aber musste ich feststellen, dass ich gleich zu Beginn in einen starken Sog geraten bin. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen drehten sich meine Gedanken 24/7 überwiegend um die Dissertation. „Ablenken“ ließ ich mich nur durch meine Unterrichtstätigkeit, wobei es mir leichter fiel, vom PC in den Unterricht zu kommen als von der Schule zurück in die geistige Arbeit zu finden, weil der Haushalt mit allen möglichen Störungen ab dem Nachmittag in den Vordergrund rückte, so dass an ruhiges Schreiben nicht zu denken war. Desgleichen an Feiertagen, Wochenenden und in den Schulferien sowie im Urlaub. Ich habe in solchen Situationen Arbeiten erledigt, die nicht viel Denkleistung erforderten bzw. durch Unterbrechungen keinen großen Schaden nahmen: sortieren, korrigieren, scannen, lesen und exzerpieren. Diese Hürden in Form von Störungen waren für mich größer als die zu erlernende Technik, weil mein näheres Umfeld jegliches Verständnis für meine Arbeit vermissen ließ und das entferntere Umfeld letztlich offene Zweifel an der Fertigstellung anmeldete sowie mir zur geistigen Erbauung den Besuch eines Kurses an der Volkshochschule antrug. Es war daher eine gute Entscheidung, nur so wenig wie nötig Personen in mein Vorhaben einzuweihen.

Die Arbeit war bis zur Beendigung der Rohfassung von vielen Zufällen geprägt. Bei der letzten Fügung schloß sich sogar ein Kreis: Die Ernst-Moritz-Arndt Universität der Hansestadt Greifswald, von der ich 1990 mein erstes Diplom erhielt, bietet ein Mentoring-Programm für Nachwuchswissenschaftlerinnen an. In diesem Rahmen wurde ich gebeten, über meine Motivation und Erfahrungen mit einer externen Promotion zu berichten. Neben den bereits genannten Hindernissen und Lösungsmöglichkeiten fehlen hier noch folgende Punkte: Ein Dreamteam aus Betreuenden, wie es Doktorvater Christian Spannagel von der PH Heidelberg und Mentorin Monika Maria Möhring von der TH Mittelhessen für mich sind, ist das A und O. Man kann die Gepflogenheiten und, mitunter selbstgedrehten, Fallstricke im Wissenschaftsbetrieb als Externe nicht kennen oder vorhersehen und deshalb kann die Suche nach solchen wohlwollenden Menschen nicht sorgfältig genug sein. Schon der Hauch einer Irritation, z. B. im zwischenmenschlichen Bereich oder in der Arbeitsweise, sollte Grund genug sein, weiter zu suchen. Auf die Auswahl der Betreuung sollte also bei externen Promotionen mindestens genauso viel Wert gelegt werden wie auf die Auswahl des Themas, finde ich. Neben der Betreuung hat für mich auch die Möglichkeit, ein Teil verschiedener (virtueller) Gruppen zu sein, eine große Bedeutung. Einer weiß immer weiter und teilt dieses Wissen dann auch noch mit anderen! Dort wird auch offensichtlich, dass viele Schreibende mit den gleichen Hürden zu kämpfen haben und das tröstet schon mal über aktuelle Frustationen hinweg. Es zieht mich zwar in virtuelle Gruppen, doch besonders schön fand ich die Treffen vor Ort in Heidelberg mit den Teilnehmenden der eigenen Forschungsgruppe. Leider geht sie den Gang aller Gruppen, aber das ist ein anderes Thema. Apropos Thema: Ich bin wieder auf der Suche…

 

 

Eine Woche im Mai

 

650 km gen Norden

zwei Todesfälle ††

zwei Geburtstage **

650 km gen Süden

Corona-Pandemie

Abitur

Trauer

 

 

Plötzlich und unerwartet: 09.11.2019

Plötzlich und unerwartet ist eine Redewendung aus Todesanzeigen. Vor drei Monaten ging ich am frühen Sonnabend in den Keller.

Plötzlich und unerwartet wurde es dunkel. So dunkel, dass ich mich eine Weile nicht mehr bewegen konnte. Irgendwann kroch ich auf Händen und Knien die Treppe hoch und lag stundenlang dösend auf dem Sofa. Weil ich es nur mit unerhörter Mühe vom Read more »

Lazarus über Tanz als Spiel

Vor fast fünf Jahren waren sowohl eine Interviewperson als auch ich uns im Augenblick des Gespräches nicht ganz sicher, ob Tanzen ein Spiel sei. Diese Frage geisterte mir, umgeben von weiteren Themen, seitdem durch den Kopf. Inzwischen habe ich im Text „Über die Reize des Spiels“ von Moritz Lazarus (1883; feinstes Sütterlin) eine vorläufige Antwort gefunden. Read more »

Angabe von Quellen bei eigenen Abbildungen

Man kann es auch übertreiben mit der Angabe von Quellen. Aber so was von! Als sich unter verschiedenen eigenen Abbildungen in meiner Arbeit die Quellenangaben in mehreren Zeilen stapelten, wohlgemerkt mit kleinerer Schriftgröße als im Fließtext und ohne Seitenzahl!, dachte ich: Hier stimmt etwas nicht. Das haste noch nirgends gesehen, was aber nichts heißen muss. Read more »

Inhaltsverzeichnis statt Zeitplan

Vor ein paar Tagen flog per Twitter ein feiner Beitrag aus dem empfehlenswerten Blog Coachingzonen-Wissenschaft von Jutta Wergen mit dem Titel Schreib-Ziel-Plan für die Dissertation ein. Ein solcher Plan soll Orientierung beim Schreiben bieten und die Motivation fördern, wenn es denn zu Schwierigkeiten mit der Schreiblust kommen sollte. „Eine Promotion dauert immer länger als gedacht“, schreibt Wergen und weiter: Read more »

Verwirrung zwischen der Methode Vor-Lesung und der Sozialform Frontalunterricht innerhalb der Lehrveranstaltungsart Vorlesung

Daran, dass es nie nicht keine einheitliche Definition von irgendwas in der Literatur gibt, kann man sich vielleicht irgendwann gewöhnen. Worüber ich aber neuerdings jedes Mal stolpere, ist die irrtümliche Verwendung der Begriffe Methode und Sozialform im Zusammenhang mit den Wörtern Vorlesung und Frontalunterricht. Nach Methode kann hier nur Vorlesung, nach Sozialform nur Frontalunterricht folgen. Aber nie nicht und niemals die Kombination aus Methode und Frontalunterricht. Warum? Read more »

Kein Zugriff: Konrad Jacobs (1976)

Update 23.04.2019: Artikel erhalten. Die Angaben zum Original sind im (Sekundär-)Beleg leider nur teilweise richtig.

In verschiedenen Foren wird von Studierenden regelmäßig nach dem richtigen Umgang mit Sekundärzitaten gefragt. Meistens heißt es als Begründung, die Originalquelle sei nicht zu beschaffen und jedesmal denke ich nur kurz: Hmm… Read more »

Alle Quellen mit Seitenzahlen belegen

Als ich vor langer Zeit einen Artikel in Gemeinschaftsarbeit verfasste, unterschieden sich die Abschnitte der Co-Autoren von meinen Absätzen formal durch die Angabe bzw. die fehlende Angabe von Seitenzahlen bei indirekten Zitaten (Paraphrasen). Zu jenem Zeitpunkt hatte ich mir irgendwie angewöhnt, generell und überall die Seitenzahlen hinter Autoren und Jahresangaben zu klatschen, damit ich die Textstelle im Ernstfall Read more »

Zweifel ohne Ende

Vor einiger Zeit sehe ich sie zum ersten Mal vor meinem Flötenraum: Eine junge Frau, die auf ein Kind aus der Klasse wartet und in der Pause mit der Lehrkraft redet. Elterngespräch, denke ich, und kümmere mich um meinen Unterricht. Nach ein paar Wochen frage ich mich, warum die Mutter ständig in die Schule bestellt wird, weil sie Stunde für Stunde dort wartet. Read more »

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